21.03.2006Sortiment
Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Buchhändler gegründet
Nach vierstündiger, intensiver Diskussion zur Lage der Unabhängigen Buchhändler im Lande seien Postionen festgeklopft worden, die als "Gütersloher Erklärung der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Buchhändler" präsentiert werden sollen. Ein Nachfolgetreffen im kleineren Kreis sei für Ende April geplant, teilten die Initiatoren Folkert Roggenkamp und Hartwig Bögeholz mit. Zuvor sollen die Ergebnisse, Positionen und Kontaktadressen der Branche via Internet noch im März unter der Adresse www.aub-online.org zur Verfügung gestellt.Hier die Gütersloher Gründungserklärung der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Buchhändler (AUB) im Wortlaut:
Wir Westfalen sind für unsere Sturheit berühmt, und diese werfen wir als Pfund in die Waagschale. Jetzt endlich machen wir Unabhängigen Buchhändler ein Fass auf, dass da heisst: die Marktmacht der unabhängigen Sortimente zum Ausdruck zu bringen.
Der Börsenverein und die bislang existierenden Organisationen (AWS, AKS sowie die Einkaufsgemeinschaften) sind aus bekannten Gründen nicht in der Lage, die Position der unabhängigen Buchhändler, die weit über 90% seiner Mitglieder aus dem Sortiment ausmachen, substanziell zu stärken.
Also haben wir unabhängigen Buchhändler uns am 20. März ein Beiboot zum "Tanker" Börsenverein gebaut. Dieses Beiboot schippert unabhängig, wendig und schnell über den Ozean der Branche und seine Besatzung greift dort ein, wo es notwendig erscheint:
- Wir Unabhängigen Buchhändler sind nicht mehr bereit, eine Vertriebsstruktur zu akzeptieren, die dem frühen 19. Jahrhundert entstammt. Das bedeutet: weg mit den Vertreterfaxen, den Reisekonditionen, den "Papierbestellungen", die aus unerfindlichen Gründen schneller sind als die EDV und dabei doch ungleich mehr Kosten und Aufwand verursachen.
- Aus schierer Existenznot brauchen wir einen Mindesrabatt an, der bei kleinen Verlagen bei 40%, bei grösseren Verlagen und Verlagsgruppen deutlich darüber liegt. Und zwar umsatzunabhängig und als Dauerkondition. Dafür verzichten wir auf so alberne Erfindungen wie Naturalienrabatte (Partien), obskure Umsatzstaffelmodelle, zweifelhafte Bonusmodelle und mitleidig gewährte Werbekostenzuschüsse und etc.
- Wir malen ein grosses Fragezeichen an die Überlebensfähigkeit von Verlagen, die nicht bereit sind, unter das Dach einer fähigen (!) Auslieferung zu schlüpfen und uns weiterhin mit ihren Einzelsendungen traktieren.
Denn wir Unabhängigen Buchhändler sind die Dachmarke der Verlage, nicht die Ketten. Wir machen durch unsere Erfahrung und unser Knowhow die Bestseller, nicht die Marketingabteilung in Hagen. Wir sind es, die den Verlagen eine weitgehende Vertrags- und Handlungsfreiheit garantieren und ihnen das langfristige Überleben ermöglichen. Wir sind die Vielfalt, aufgrund dessen der Gesetzgeber die Preisbindung für Bücher ermöglicht und akzeptiert.
Wenn Verlage meinen, dass sie einem Marktteilnehmer pauschal Dauerkonditionen in nennenswerter Größenordnung gewähren können (nicht zu reden von zusätzlichen Sondervergütungen), dann wollen wir Unabhängigen Buchhändler am Kuchen entsprechend beteiligt werden. Nicht, weil wir unverschämt sind – sondern weil wir Spannen brauchen, die uns unsere Existenz auch in Zukunft ermöglichen.
Um nichts anderes geht es.
Das geht nicht? Wegen der Kalkulation? Dann spitzt mal die Bleistifte, liebe Vertriebler, und erhöht die Bücherpreise. Ihr macht sie doch schliesslich. Und wie die Euro-Umstellung bewiesen hat: der Kunde akzeptiert gute Preise für gute Produkte. Und die Buchpreise sind seit 2002 gegen alle Vernunft im stetigen Sinkflug. Und handelt mit Euren Vertretern Verträge aus, die nicht an Besuchsnachweise, Abzeichnungen etc. gebunden sind: Dein Reisegebiet – Deine Buchhandlung – Dein Umsatz. So einfach kann das sein.
Aber wer sind wir denn eigentlich, dies nicht nur zu fordern, sondern auch durchzusetzen?
Wir sind keine Einkaufsgemeinschaft. Wir sind nicht einmal ein organisierter Interessenverbund. Wir sind schlicht der branchenpolitische Ausdruck der stärksten Macht im Sortimentsbuchhandel: der Unabhängigen Buchhändler.
- Wir stellen jedem Unabhängigen Buchhändler den Beitritt zur Gütersloher Gründungserklärung anheim.
- Jeder Unabhängige Buchhändler hat das Recht, sich die hier vertretenen Positionen zu eigen zu machen
- Jeder Unabhängige Buchhändler wird bald in die Lage versetzt werden, sich über den aktuellen Stand der Dinge zu via Internet zu informieren
- Jeder Unabhängige Buchhändler wird dort sehen können, welche Verlage unsere Forderungen ernst nehmen und entsprechend handeln – und welche nicht.
- Jeder Verlag und jede Verlagsgruppe, die sich für die Interessen ihres grössten Kunden, nämlich des Unabhängigen Buchhändlers interessiert, bekommt via Internet unverstellten Einblick in die laufende Diskussion
Wir wollen alle an einem Tisch, in einem Verband, mit einem Interesse: die Vielfalt im Buchhandel zu bewahren und zu fördern – und dadurch gute Umsätze und Erträge zu erzielen, die eine dauerhafte Existenz aller wirtschaftlich Beteiligten (Verlage, Vertreter, Zwischenbuchhandel und Sortimenter) sichern.


