07.04.2006Presseschau

Darmstädter Buchhandel, Schweden, Blogs

"Die Branche schafft sich ihre Probleme selber", meint Dirk Bentlin von der Darmstädter Buchhandlung Bentlins Bücherland in einem Interview mit dem "Darmstädter Echo".

Darmstädter Echo: "Welches sind die größten Probleme der selbstständigen, inhabergeführten Buchhandlungen? Das Internet? Die großen Ketten? Die Billigläden?"

Bentlin: "Die größten Probleme schafft sich die Branche leider selber: Auf der einen Seite weltfremd verklärte Buchhändler, die innovative Veränderungen versäumen. Andererseits Verlage und Vertriebe, die immer mehr von dem Berufsethos abrücken, hinter ihren Sortimentern zu stehen; Hobby-Buchhändler werden zu denselben Konditionen beliefert wie der klassische Sortimentsbuchhandel. Der wird zwischen den Groß-Buchhandlungen und den mittlerweile unüberschaubar vielen Schatten- und Hobby-Händlern im Internet völlig zerrieben. Leider nimmt unsere so genannte geistige Elite im Handel ihre Vorbildfunktion zu wenig wahr, hier solidarisch aufzutreten. Vielleicht heißt bald alles nur noch ‘amabaycom’, und die Flächen, die lokal zu besetzen sind, werden unter den Großen aufgeteilt - wie es das Beispiel Darmstadt mittlerweile ja auch beweist. Nur soll man nicht einzig die Schuldigen bei den Großen suchen, denn der Virus sitzt überall. Die Honorierung des persönlichen Fachhandelsservices droht immer mehr zu kippen - auch an der Geizhaltung derer, die es nicht unbedingt müssen. Diese legale Waffe ist für den Handel wohl am schlimmsten."

Über Kinderliteratur in Schweden schreibt Swante Weyler in der "Süddeutschen Zeitung".

"Man könnte glauben, dass ein goldenes Zeitalter für neue, gegenwartsnahe Geschichten der Kinder aus Bullerbü angebrochen sei: Lasses und Bosses und Britas Abenteuer im Kindergarten und Hort. Aber so ist es keineswegs. Unter den besten Kinderbüchern der vergangenen Jahre sind viele, über denen ein dunkler, bedrückender Schatten hängt."

"Die Literaturwelt interessiert sich zunehmend für Blogs", ein Kommentar im "Kölner Stadt-Anzeiger".

"Angewidert den Kopf schütteln darf jetzt jeder, der alles ab James Joyce und das bitte zwischen zwei Buchdeckeln für Literatur hält - aber nur so lange, bis er die ersten Seiten des am Montag bekannt gegebenen Gewinner-Blooks ‘Julie Julie & Julia’ gelesen hat. Darin schreibt Julie Powell spannend über Kartoffelsuppe, später fliegen Stöckelschuhe durch eine Frauenarztpraxis. So hat die New Yorkerin viele Leser gewonnen, die ein Jahr lang auf ihrem Blog The Julie/Julia Project verfolgten, wie sich Powell durch 524 französische Rezepte kochte. ‘Damit wollte ich all meine Probleme lösen’, sagt sie und tut, als sei der Zusammenhang zwischen Knochen entmarken und Selbsttherapie klar. Es hat funktioniert: Ihre Schreibblockade ist sie los."

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