Michael Naumann: Freut sich auf seine neue Aufgabe

19.09.2006Interview

"Etwas Besonderes, das fortzuführen sich lohnt"

Michael Naumann gibt ab Oktober 2007 gemeinsam mit Klaus Harpprecht Die Andere Bibliothek bei Eichborn heraus. Ins Programm nehmen will er u.a. angelsächsische Literatur und junge deutsche Autoren.

BÖRSENBLATT online: Erst das “Kursbuch”, jetzt die Andere Bibliothek. Sind Sie der Retter des Bedeutsamen in der deutschen Buchlandschaft?
Naumann: Das zu behaupten wäre ja abenteuerlicher Hochmut. Aber die Andere Bibliothek ist durchaus etwas Besonderes, das fortzuführen sich lohnt. Es gibt einen festen Liebhaber- und Abonnentenkreis, den es zu pflegen gilt.

BÖRSENBLATT online: Der Eichborn Verlag war selbst unsicher, ob die Reihe fortgeführt werden soll ...
Naumann: Davon habe ich nichts bemerkt. Der Verlag ist auf uns mit großer Zuversicht zugegangen. Aber eins ist klar: Das verlegerische Risiko, das bei solchen exquisiten Reihen hoch ist, liegt beim Verlag. Man hat da nicht sehr viel zu gewinnen. Es handelt sich nicht um eine Reihe, die auf Bestsellerausgaben schielt, sie gerade deswegen aber hin und wieder erreicht hat.

BÖRSENBLATT online: Die Reihe war stark durch Enzensberger geprägt. Was wird sich verändern?
Naumann: Sowohl Klaus Harpprecht als auch ich haben eine Vorliebe für angelsächsische Literatur. Das wird sich im Programm niederschlagen. Daneben gibt es eine Fülle von jungen deutschen Autoren, die wir verlegen werden.

BÖRSENBLATT online: Enzensberger hat mit ausgefallenen Titeln, zuletzt dem Humboldt-Projekt, immer wieder überrascht. Sie sind nun zu zweit und müssen sich abstimmen. Bleibt da das Abseitige auf der Strecke?
Naumann: Die beiden Herausgeber sind autonom in ihren Entscheidungen über ihren Programmanteil. Der Verlag verzichtet auf ein Vetorecht, geht aber davon aus, dass wir die Interessen, auch die kaufmännischen, des Verlags im Sinn haben. Das haben wir.

BÖRSENBLATT online: Wer wird die Gestaltung übernehmen?
Naumann: Es gibt im Augenblick einen Wettbewerb, der ist noch nicht entschieden. Klar ist aber, dass es keinen totalen Bruch mit der bisherigen Gestaltung geben wird.

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