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26.03.2007

Gut besucht: Außerordentliche Mitgliederversammlung der BAG auf der Leipziger Buchmesse
BörsenvereinThema ist die Krise der BAG

BAG: Außerordentliche Mitgliederversammlung

Auf der Leipziger Buchmesse hat am Samstag die außerordentliche Mitgliederversammlung der BAG stattgefunden. 140 Buchhändler und Verleger (mit insgesamt 300 Stimmen) - und damit deutlich mehr als sonst - hatten den Weg nach Leipzig gefunden.

Hauptthema der außerordentlichen Mitgliederversammlung war die Krise der BAG. BÖRSENBLATT online berichtete live in wörtlichen Zitaten von dem Treffen in Leipzig. Hier das Sitzungsprotokoll:

Ulrich Ohm, BAG-Vorstand:
„Aufsichtsrat und Vorstand der BAG tragen politische Verantwortung. Das steht außerhalb der Diskussion. Die öffentliche Darstellung, der Vereinsvorstand hätte eine Verzögerungs- und Hinhaltetaktik betrieben, weise ich entschieden zurück.

Danke an den Vorstand des Börsenvereins, dass er der BAG Unterstützung zugesagt hat.

Wir wollen die Ausgangssituation 2005, die Überlegungen zu diesem Zeitpunkt offen vorstellen.

Zur Versammlung wurde form- und fristgerecht geladen und damit sind wir beschlussfähig. Der Börsenverein hat seine Darlehenszusage prolongiert. Wir brauchen Ihr Ja zu dem vorliegenden Vertrag der MVB sowie ein klares Meinungsbild für die Arbeit der kommenden Monate. Es gilt der Blick nach vorn."


Ralf Alkenbrecher, BAG-Vorstand:
"1998 haben wir den Einstieg in das Factoring-Geschäft beschlossen. Wir hielten das für eine sinnvolle Ergänzung des Portfoolios der BAG.

Zanolli wurde in kürzester Zeit der wichtigste Kunde. Es kam zur Abhängigkeit durch das schnelle Wachstum von Zanolli.

FGM erwirtschaftete 2003 und 2004 einen Gewinn von 0,7 Mio Euro.

Aus dem klassischen Factoring ergab sich eine Vorfinanzierung an Zanolli in Höhe von sechs Millionen Euro, die durch Forderungen in Höhe von 9,8 Millionen Euro gedeckt waren.

Aus der Vorfinanzierung gab es offene Forderungen von 11,5 Millionen Euro. Als Sicherungsübereignung diente ein Lager (15 Millionen Stück mit einem Buchwert von 15,3 Millionen Euro).

Die Realisierung der Forderungen war sehr schwer. Viele Geschäfte der Zanolli-Firmen wurden mit anderen Absprachen getroffen, als mit der FGM vereinbart war. Es gab Sonderkonditionen, zum Teil sogar 100-prozentiges Remissionsrecht. Auch die Zahlungsmoral einiger Gläubiger auf Handelsseite ist sehr zurückhaltend gewesen.

Ergebnis: Die Kostenseite hatte sich kontinuierlich gebessert und hatte sich nach Auflösung eines Zweitlagers in Dortmund (Oktober 2006) konsolidiert.

Der uns von der Geschäftsführung der ZMV und der BAG mehrmals mitgeteilte Wareneinsatz war jedoch nicht 65 Prozent des Umsatzes, sondern deutlich höher, nämlich ca. 150 Prozent des Umsatzes und wurde im Laufe des Jahres 2006 unzutreffend berechnet und ausgewiesen.

Fortgeschriebene Buchwerte waren deutlich zu hoch angesetzt.

Hinzu kam weiterer Abschreibungsbedarf, denn die Ware war 1,5 Jahre älter geworden - im MA-Bereich ist das eine beträchtliche Zeit."

Andreas Ringstmeier, Insolvenzexperte aus Köln, erläuterte den Überschuldungsstatus der BAG:

"Stand zum 30.11.2006: Verbindlichkeiten 18,041 Mio Euro zu einem Vermögen vvon 8,159 Mio Euro, also eine rechnerische Überschuldung in Höhe von 9,882 Mio Euro. Allein gegenüber den Banken gibt es Verbindlichkeiten in Höhe von 12,6 Mio Euro.

Insgesamt ergibt sich für die BAG ein Vermögen von 25,757 Mio Euro gegenüber Verbindlichkeiten von 30,162 Mio Euro. Unter dem Strich steht also eine Überschuldung von 4,4 Millionen Euro.

Die BAG hatte seinerzeit gegenüber der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) eine Mithaftung erklärt. Es gibt also einen Gesamtkreditrahmen bei der Fraspa für die BAG-Gruppe."

Ralf Alkenbrecher:
"4,5 Millionen von 15 Millionen Büchern sind noch auf Lager.

Wir gehen davon aus, dass die Zanolli-Insolvenz die Branche 10,8 Millionen Euro gekostet hat: 5,8 Mio Euro (alle Reserven der BAG), 1,4 Mio Euro Rangrücktritt der MVB, 1,5 Mio Euro Rangrücktritt des Vereins, 1,5 Mio Euro Überschuldung, 0,6 Mio Euro Rangrücktritt IBU."


Nach der Darlegung der Zahlung ist nun die Diskussion eröffnet:

Lorenz Borsche: "Bestehen die noch offenen Forderungen gegen Börsenvereinsmitglieder?"

Ralf Alkenbrecher: "Ja."

Thomas Bez: "Danke für die Offenheit bei den Zahlen. Welche Rolle spielte Herr Zanolli bei der Verwertung?"

Alkenbrecher: "Am Anfang hat er mitgeholfen, das Chaos zu sichten." Kosten aus der Verwertung sind deutlich höher als angenommen. Ich weiß nicht, ob nicht noch weitere Kosten auf uns zukommen. Heute kann und will niemand von uns Ihnen etwas versprechen, das wir nicht halten können."

Ludwig Dohse: "Warum stellt man jetzt den Handel mit den Büchern nicht ein? Zehn Cent pro Buch, das bringt doch nichts!"

Alkenbrecher: "Die ZMV arbeitet derzeit an einer schwarzen Null. Jeden Cent, den wir dort nicht realisieren, der fehlt wieder bei der BAG."

Dohse: "Wir werfen doch nur gutes Geld schlechtem hinterher."

Ringstmeier: "Ich dachte auch zuerst darüber nach, die ZMV sofort zuzumachen. Aber: Wir müssten die ZMV liquidieren. Das kostet auch Geld. Man kann nicht einfach den Schalter umlegen und hat mit einem Mal keine laufenden Kosten mehr. Und: Wenn wir unsere Bemühungen um eine Verwertung einstellen würden, würden die nicht realisierten Erlöse aus dem Warenlager nach oben schwappen. Das würde das Problem bei der BAG erhöhen."

Hermann-Arndt Riethmüller: "Es kann heute nicht darum gehen, Persönlichkeiten anzugreifen. Ich war selbst Aufsichtsrat der BAG und will nicht ausschließen, dass ich nicht gemerkt hätte, wohin der Kahn fährt. Bei der ZMV sind 490 000 Euro für die Ingangsetzung des Betriebes der ZMV angefallen. Das sind nichts anderes als Kosten. Ich möchte auch dafür plädieren, die ZMV so schnell wie möglich zu liquidieren. Wir verbrennen sonst nur noch mehr Geld. Allein vier bis fünf Millionen Euro des Verlustes sind durch die ZMV angefallen."

Karl-Peter Winters: "Wir sollten eine so schwierige ökonomische Situation im Interesse der Mitglieder lösen. Die bisherige Verwertung des Warenlagers hat den Erlös überstiegen. 4,5 Millionen Euro haben wir für die Verwertung ausgegeben. Das entspricht dem Betrag der Überschuldung. Wir müssen nun das zusätzliche Risiko durch die Verwertung der ZMV sehen. Wenn wir nicht 2,8 Millionen erzielen, erhöht sich die Überschuldung um diesen Betrag. Wir müssen heute darüber sprechen, welches Risiko BAG und Börsenverein mit der Weiterführung der ZMV eingehen. Es handelt sich um ein Darlehen an ein insolventes Unternehmen, das nur gegeben werden darf, wenn das hinreichend abgesichert ist. Wir können nicht erwarten, dass Börsenverein und MVB ein erhöhtes Risiko eingehen.
Die BAG ist ein Bankgeschäft. Das lebt vom Vertrauen seiner Kunden, von den Verlagen und den Buchhandlungen. Die Verlage sind bei der Stange geblieben. Aber viele zweifeln mittlerweile daran, dass das Geschäft noch sicher ist. Nun müssen die Risiken so schnell wie möglich minimiert werden.
Das ganze Clearing-Geschäft, das die BAG weiterhin betreiben will, hängt ganz und gar vom Wohlwollen der Fraspa ab. Wenn wir die ZMV nicht schließen, reichen die drei Millionen eventuell nicht aus. Dann haben wir irgendwann nicht bloß ein Überschuldungs-, sondern auch ein Liquiditätsproblem."

Karl-Udo Wrede: "Entweder schreiben wir die 2,8 Millionen Euro Warenlager ab, oder wir haben 2007 den Verlust. Was auch immer wir tun, wir werden einen weiteren Verlust aus der ZMV haben. Die Bitte an Sie: Trennen Sie sich so schnell wie möglich von der ZMV. Es wäre gut, wenn wir noch einen Euro dafür bekämen, dann hätten wir keine Einstellungskosten."

Norbert Schaepe: "Der BAG-Vorstand hat bereits den Beschluss gefasst, sich möglichst schnell von der ZMV zu trennen."

Karl-Udo Wrede: "Die BAG muss sich langfristig qualifizieren - und nicht einfach nur den Zahlungsverkehr übernehmen. Wir haben nur ein Interesse: das Wohl und Wehe unserer Branche im Auge zu behalten.
Was bedarf es, um ein Factoring-Geschäft auf die Beine zu stellen? Wir waren keine Fachleute und haben es nicht erkannt. Wir verstehen nichts vom Factoring, also sollten wir es lassen. Stattdessen sollten wir versuchen, das Clearing so zu organisieren, dass es in Zukunft gut funktioniert."

Stephan Jaenicke: "Ich bin schockiert von den Zahlen. Ich denke, das Problem ist durch folgende Punkte entstanden. Die BAG hat sich gleich zweimal auf gefährliches Gebiet begeben, beim Factoring und beim Modernen Antiquariat. Bei dem, was nach der Zanolli-Insolvenz passiert ist, muss man das wirtschaftliche Handeln der BAG in Frage stellen. Es wurden proportional ansteigende Kosten produziert. Auch ich würde darum bitten, die ZMV sofort abzustoßen.

Der Vertrag mit der MVB scheint mir geeignet zu sein, dass in Zukunft besser kontrolliert wird."

Andreas Ringstmeier: "Man muss über die Schließung der ZMV nachdenken. Aber man sollte den Versuch unternehmen, sie zu besseren Bedingungen zu verkaufen. Ich glaube aber, wir sollten heute hier darüber nicht entscheiden."

Lorenz Borsche: "Was kostet der Betrieb der ZVM im Monat?"
Norbert Schaepe: "Ca. 60 000 Euro fixe Kosten."

Uwe Fischer: "Ist der Betrieb der BAG gesichert durch das Darlehen oder kommt noch ein Rattenschwanz hinterher?"
Ralf Alkenbrecher: "Es ist nicht auszuschließen, dass weiteres Geld fließen muss."

Lorenz Borsche: "Die MVB ist Mitglied des BAG-Vereins und darf laut Satzung nicht gegen die Interessen anderer Mitglieder handeln."
Ronald Schild: "Wir haben unseren Pflichten voll entsprochen, denn wir retten den BAG-Verein vor der Insolvenz. Viel mehr kann man nicht tun in so einer Situation. Die fünf Prozent Avalzins sind keineswegs teuer oder überzogen."


BAG-Struktur völlig überholt

Hermann-Arndt Riethmüller: "Das BAG-Vereinsmitglied MVB hat keineswegs gegen seine Pflichten als Mitglied verstoßen. Der Börsenverein hat die Pflicht, im Umgang mit anderen Firmen die kaufmännische Sorgfalt zu beachten. Wir haben die Risiken heute schon mehrmals angesprochen, bis die BAG aus der ZMV-Geschichte heraus ist. Mir geht es um die Bitte, dem Vertrag zuzustimmen. Der Vertrag, aus der Not geboren, stellt eine Chance für die Zukunft der BAG da. Wo war die Kontrolle in den vergangenen Jahren? Sie wurde nicht ausreichend wahrgenommen! Warum? Weil die BAG-Struktur, wie sie im Moment ist, vollständig überholt ist.
Das Zahlungsclearing, das immer so gerne als Milchkuh hingestellt wird, ist keine Milchkuh. Es steht vielmehr in den kommenden Jahren vor vielen Herausforderungen - was das Vertrauen der Banken angeht, aber auch, was den Strukturwandel der Branche betrifft. Viele Buchhandlungen und Verlage sind nicht mehr auf die BAG angewiesen. Im Augenblick haben wir nur das Zahlungsclearing, nicht aber Online-Banking. Warum gibt es bis heute keine Web-Services? Warum bekommen wir keine Liquiditätsvorschau? Wenn es um Vertrauensschutz geht, gebe ich mein Vertrauen lieber an eine Firma des Börsenvereins als an ein anderes Unternehmen innerhalb oder außerhalb der Branche."

Karl-Udo Wrede: "Wenn ein Unternehmen zehn Millionen verliert, können wir uns mit so einem Betrag nicht einfach abfinden. Unabhängig von den Emotionen will ich darauf hinweisen, dass der Vorsteher es geschafft hat, die entscheidenden Leute an einen Tisch zu bekommen und das Darlehensangebot zu erarbeiten. So einen Vertrag hätte Ihnen sonst keiner gegeben. Dieser Vertrag, so wie er dort ausgehandelt worden ist, ist ein Kollegenvertrag. Meine Bitte an Sie: Stimmen Sie dem Vertrag zu! Wir sollten heute eine große Mehrheit für diesen Vertrag erreichen. Noch haben wir keine Probleme mit der Fraspa, und das hat nur damit zu tun, dass der Börsenverein dort auch seine Konten hat. Nur so kann die Bank den Kreditrahmen weiter aufrecht erhalten."

Volker Neumann: "Es fällt schwer, einem Vertrag zuzustimmen, der mehrmals modifiziert wurde. Bei dem Bedingungen nachverbessert oder nachverschlechtert wurden. Sie stehen jedoch an der Wand und wir können deshalb nur diesem Vertrag zustimmen."

Jochen Mende: "Wesentlich Gründe, die gegen den Vertrag sprechen, sind bislang nicht eingebracht worden. Die wenigsten hier im Raum kennen die Elemente. Wir müssen auf die einzelnen Punkte sehr genau schauen. Entweder wir bringen in den nächsten Monaten drei Millionen Euro auf, oder die BAG als unabhängige Institution ist Geschichte. Ich glaube, wir müssten dann höhere Belastungen auf Verlags- und Sortimentsseite akzeptieren. Ich kenne die Preisgestaltung der MVB in anderen Bereichen.
Mein Anliegen ist: Wir drängen den Börsenvereinsvorstand, dem man für seine Entscheidung vom 5. Januar nicht genug danken kann, dazu, die Darlehenszusage noch bis zu den Buchhändlertagen aufrecht zu erhalten."

Norbert Schaepe: "Der Verein steht mit dem Rücken zur Wand."

Karl-Peter Winters: "Ich hatte gehofft, wir würden uns diesem Thema nicht so emotional nähern. Die BAG befindet sich in einer existenziellen Krise. Nicht nur wegen der Überschuldung, sondern weil sie sämtliche finanziellen Reserven aufgebraucht hat. Wenn die ZMV verkauft wird, kommt wenigstens ein bisschen Geld in die Kasse. Es sind zehn Millionen Euro an Vermögenswerten verbrannt worden.
Es wird eine klare Daten- und Vertrauensschutzgarantie geben. Wer dann immer noch nicht dem Vertrag zustimmt, der muss die Insolvenz der BAG auf seine Schultern nehmen."

Lorenz Borsche: "Niemand hier im Raum hebt ein Scheck über drei Millionen Euro hoch. Die Entscheidung für mich jetzt: Ganz klar ja!"



Mehrheit der BAG-Mitglieder votiert für den Darlehensvertrag

Bei der nun folgenden Abstimmung wurde bei drei Gegenstimmen und etlichen Enthaltungen für den Darlehensvertrag mit der MVB gestimmt.


Diskussion um die Zukunft der BAG:


Nach der Abstimmung wird nun über das Kölner Modell diskutiert. Es sieht unter anderem vor:

Vertraulichkeit und Schutz der Daten wird gewährleistet.

Die BAG wird ein eingenständiges Unternehmen der Holding, gleichberechtigt neben AuM und MVB.

Die Beteiligungsverhätlnisse sollen auf Grundlage einer Unternehmensbewertung in drei Jahren abschließend geregelt werden. Bis dahin sollen die Anteile im Verhältnis 75:25 Prozent (Sperrminorität) verteilt werden.

Rudolph Braun-Elwert: "Sperrminorität ist nur eine Sperrminorität. Die Unabhängigkeit der BAG ist damit ganz klar aufgegeben. Es ist mit dem Ziel gearbeitet worden, dass die BAG ihre Unabhängigkeit verliert. Bei diesem Modell ist die aktive Tätigkeit der BAG aufgegeben worden. Sie kann nur wiedererlangt werden, wenn die Mitglieder auch zahlen."

Manfred Keiper: "Welchen Einfluss hat künftig der Börsenverein auf die BAG? Ich bin nicht informiert, welche Möglichkeiten bestehen. Ich denke, dass dieses Informationsdefizit uns die Entscheidung schwer oder unmöglich macht. Sie führt auch dazu, dass es Misstrauen gegen den Verband gibt."

Jochen Wörner: "Welche Summe ist bei dem Wertgutachten herausgekommen?"

Martin Schürmann: "Die BAG ist 6,7 Millionen Euro wert."

Bernd Weidmann: "Ich möchte für neues Vertrauen werben. Wir sind sowohl Mitglieder der BAG als auch des Börsenvereins. Wir sollten auch Vertrauen in uns selbst haben, dass wir das nun schaffen. Wir können doch als Börsenvereinsmitglieder auf den Hauptversammlungen unsere Interessen einbringen. Daher bin ich eindeutig für diesen Kölner Vorschlag."

Lorenz Borsche sucht nach einem Weg, aus der Überschuldung herauszukommen, ohne dass ein Darlehen überhaupt fließen müsse: "Wenn die Mitglieder keine 800 Euro in Cash hergeben müssen, aber in unterschiedlicher Abstufung bestimmte Anteile zeichnen und die BAG sich in der Lage sieht, darauf einen kleinen Zinsfuß auszugeben (und die Mitglieder das Vertrauen haben, dass dieser Wechsel gar nicht in Anspruch genommen wird), dann wäre das doch ein alternatives Modell."

Und ein weiterer Vorschlag von Borsche: "Ein Teil der zehn Millionen muss wieder her. Es wird nicht möglich sein, diese wirklich sehr freundlichen Bedingungen eines genossenschaftlichen Vereins aufrecht zu erhalten. Mir wäre ein Modell am liebsten, bei dem die Mitglieder nur unmerklich belastet werden. Dann könnte der BAG-Verein in Zukunft wieder ein gesunder Verein werden."

Jochen Mende: "Diese Versammlung sollte den BAG-Vorstand beauftragen, Vorschläge zu finden, die eine eigenständige BAG ermöglichen, zum Beispiel Umlage oder Genussscheine. Dies könnte zurückgezahlt werden, wenn die BAG wieder die finanziellen Mittel hat."

Karl-Udo Wrede: "Die BAG-Mitglieder legen eine hohe Kreativität an den Tag, um etwas zu retten, das 6,7 Millionen Euro wert sein soll, obwohl es pleite ist. Dass es einen unabhängigen Gutachter geben soll, der bereit ist, diese 6,7 Mio Euro zu unterschreiben, das verstehe ich einfach nicht.

Die zehn Millionen Euro Verlust konnten nur entstehen, weil alles sehr intransparent war. Diese Struktur ist dafür verantwortlich, dass wir erst heute darüber sprechen können. Daher müssen wir an die Strukturen."

Ludwig Dohse: "Wir haben erhebliches weiteres Risiko aus dem Zanolli-Geschäft. Wir blenden auch aus, dass die BAG einen erheblichen Investitionsrückstand hat, der weiterer Liquidität bedarf. Wir sollten uns um eine weitere Professionalisierung bemühen."

Thomas Bez: "Ein Teil der Beiträge folgt hier doch dem Motto "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass". Bankgeschäfte müssen durch Eigenkapital hinterlegt sein. Wir brauchen Eigenkapital für das Geschäft und die Investitionen. 800 Euro pro Mitglied reichen da nicht aus. Eine Bank, die kein Kapital hat, zu der kommen nicht sehr viele Kunden."

Volker Neumann: "Die BBG-Holding ist eine Struktur, die die Wirtschaftsbetriebe dem Einfluss der Mitglieder entzieht."

Herrmann-Arndt Riethmüller: "Die BAG hat zehn Millionen verbrannt. Die BBG-Holding hat einen zweistelligen Millionenbetrag auf ihren Konten. Wir geben die BAG als selbständiges Unternehmen in ein kerngesundes Wirtschaftsunternehmen. Und die Wirtschaftsaktivitäten werden immerhin kontrolliert von den Börsenvereinsmitgliedern über die Gremien."

Norbert Schaepe: "Die Standpunkte sind nun abgesteckt. Wird man dem Kölner Modell zustimmen oder möchte man Alternativen ausarbeiten und vorbereiten, dass sie in Berlin abgestimmt werden sollen?"

Matthias Kierzek: "Das Angebot des Börsenvereins ist sehr honorig. Ich bin jedoch irritiert durch das Gutachten. 6,7 Millionen Euro sind ein Phantasiewert. Das als Forderung zu nehmen, die aus dem BAG-Kreis kommt, scheint mir sehr kühn. Auch in den Eingangsworten von Herrn Ohm hätte ich mir ein wenig mehr Demut gewünscht.
Niemand hat hier Schuld zugewiesen, das finde ich gut."

Karl-Peter Winters: "Ich wäre nicht traurig, wenn die BAG auf die Beine käme. Ein Investor könnte jedoch nicht die Erträge aus der BAG ziehen, die nötig sind, um den Kaufpreis zu finanzieren."

Volker Neumann: "Wir sind einem Betrüger aufgesessen. Das ist kein Strukturproblem der BAG. Das kann auch woanders passieren."

Rudolph Braun-Elwert: "Gibt es eine Initiative, die auch umgesetzt wird?Dazu muss eine Befragung der Mitglieder erfolgen. Ich halte die Selbständigkeit der BAG für ein hohes Gut und denke, dass die Mitglieder dieses auch zu schätzen wissen."

Hermann-Arndt Riethmüller: "Der Vorstand soll Anträge formulieren und im Börsenblatt rechtzeitig veröffentlichen, dass die Versammlung auch über Anträge bestimmen kann."

Zweite Abstimmung: Der Vorstand wird beauftragt, bis zur nächsten Mitgliederversammlung des BAG-Vereins bei den Buchhändlertagen in Berlin Überlegungen für alternative Zukunftsmodelle auszuarbeiten. Das wurde mit großer Mehrheit bei drei Gegenstimmen und etlichen Enthaltungen beschlossen.

DOI: 10.1391/BBL-Online.20070326-BAG

csch/cas

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