03.05.2007
»Unser kulturelles Erbe«Buchrestaurator
Was muss ein Buchrestaurator können?
Schäfer: Ein guter Restaurator braucht ein gehöriges Maß an Geschicklichkeit und Geduld. Ebenso darf es ihm nicht an naturwissenschaftlichem und technischem Verständnis für historische Buchtechniken und Materialien mangeln. Formal setzen wir den Gesellenbrief zum Handbuchbinder voraus, zukünftig aber auch das Abitur. Wir wollen die Ausbildung an der Fachakademie in nächster Zeit auf akademisches Niveau anheben. In München beginnen alle drei Jahre sechs Buchrestauratoren ihre Ausbildung an der Fachakademie.
Hat dieser Beruf auch im Internet-Zeitalter eine Zukunft?
Schäfer: Sicherlich. Das materielle Buch hat im Internet-Zeitalter eine besondere Qualität. Und vom konservatorischen Aspekt her ist es sinnvoll, alte oder seltene Drucke einzuscannen und zunächst am Bildschirm einzusehen. Insofern kann die Digitalisierung unterstützend eingesetzt werden, um Originale zu erhalten.
Bisher handelt es sich um eine dreijährige Ausbildung, wie ist diese gegliedert?
Schäfer: Die Hälfte der Zeit ist für die praktische Restaurierung von alten Drucken, von Siegeln und Pergamenturkunden vorgesehen. In diesen Fächern wird von Anfang an mit Originalen aus den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek gearbeitet. In der übrigen Zeit unterrichten wir theoretische Fächer mit naturwissenschaftlichen, materialkundlichen und buchhistorischen Inhalten. Die Absolventen starten als staatlich geprüfte Restauratoren ins Berufsleben.
Und wie geht es dann für sie weiter?
Schäfer: Wir haben bisher 30 Restauratoren ausgebildet, die unmittelbar nach dem Abschluss überwiegend an staatlichen Institutionen arbeiten - meist als Angestellte in Restaurierungswerkstätten. Die wenigen Selbstständigen verdienen ihr Geld häufig in Großstädten bei Archiven und Bibliotheken.
Wer sind ihre Auftraggeber?
Schäfer: Die Bereitschaft von privater Seite, Bücher restaurieren zu lassen, hat in den letzten Jahren leider abgenommen. Ein Grund ist sicherlich die insgesamt schlechte Wirtschaftslage. Erfreulich ist aber, dass immer wieder Privatleute Buchpatenschaften übernehmen und damit zur Erhaltung der Bestände der Staatsbibliothek beitragen.
Was verdienen angestellte Buchrestauratoren?
Schäfer: Das Einstiegsgehalt im öffentlichen Dienst liegt in der Regel bei ca. 2.300 Euro, das entspricht nach dem aktuellen Gehaltsmodell der Tarifgruppe 9. Um verantwortungsvoll Kulturgut restaurieren zu können, braucht man eine lange Ausbildungszeit und reichlich Erfahrung. Deshalb verdienen Restauratoren auch
mehr als Buchbinder.
Interview: Steffi Hugendubel-Doll
[...] Tags: Restaurator, Berufsbilder

