14.05.2007
Jahresbetriebsvergleich 2005Gegenläufige Bewegungen
Gestraffter und übersichtlicher: Der neue Betriebsvergleich des Sortiments sieht anders aus als in den vergangenen Jahren - ohne deshalb an Aussagekraft zu verlieren. Stattdessen haben Praktiker und Berater herausgearbeitet, welche Kennzahlen für den Buchhandel wirklich wichtig sind. Neue Informationen wurden mit aufgenommen, überflüssige Angaben aus dem Fragebogen verbannt. 211 Buchhandlungen aller Größenordnungen haben sich in diesem Jahr beteiligt. Die kompletten Ergebnisse werden erst 2007 in der nächsten Ausgabe von »Buch und Buchhandel in Zahlen« präsentiert. Das BÖRSENBLATT veröffentlicht vorab exklusiv ausgewählte Kennzahlen.
Nachdem der stationäre Buchhandel im Jahr 2004 eine Nullrunde beim Umsatz gedreht hatte, konnte er 2005 - über alle Größenklassen hinweg - ein Umsatzplus von 1,6 Prozent verbuchen. Dabei schnitten jedoch nicht alle Unternehmen gleichermaßen gut ab. Mit einem Plus von 3,3 Prozent legten die Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten das beste Ergebnis vor (siehe Tabelle). Ein Umsatzwachstum von 2,5 Prozent fuhren die Sortimente ein, in denen sechs bis zehn Personen arbeiten. Ein Miniplus von 0,3 Prozent konnten die Geschäfte mit elf bis 20 Mitarbeitern erzielen. Mehr als ein Fünftel des Umsatzes (22 Prozent) erwirtschaftete das Sortiment mit belletristischen Werken: Zehn Prozent davon entfallen auf das Hardcover, zwölf Prozent aufs Taschenbuch. In Kleinstbetrieben ist der Taschenbuchanteil mit 14 Prozent überdurchschnittlich hoch. Unter dem Durchschnitt liegen die Unternehmen mit 21 bis 50 Mitarbeitern, bei denen das Taschenbuch neun Prozent der Belletristik-Umsätze stellt.
Zweitstärkste Warengruppe waren die Sachbücher und Ratgeber, die 14 Prozent zum Umsatz beitrugen. Weniger Bedeutung hatte dieses Segment bei den Großbuchhandlungen. Dort erwirtschaftete es 2005 nur zehn Prozent des Umsatzes. Den dritten Platz teilen sich mit jeweils zwölf Prozent die Kinder- und Jugendbücher sowie Bücher rund um Schule und Lernen. Diese Warengruppen verkauften sich vor allen in kleineren Buchhandlungen gut. Für die größeren Buchhandlungen waren dagegen wissenschaftliche Fachbücher wichtige Produkte. Im Schnitt erzielten sie neun Prozent des Umsatzes. Dabei schwankt die Bandbreite zwischen sechs Prozent in den kleinen Sortimenten und 15 Prozent bei den großen Buchhandlungen. Der Umsatz, der über das Internet erwirtschaftet wird, ist nach wie vor gering - die Tendenz zeigt allerdings klar nach oben. 2004 lag der Anteil noch bei 0,8 Prozent, 2005 kletterte er immerhin auf ein Prozent, bei den Großbuchhandlungen sogar auf 2,3 Prozent. Gestiegen ist der Umsatz pro Mitarbeiter - nach einem Rückgang im Jahr 2004. Durchschnittlich 152 085 Euro hat jeder Beschäftigte im vergangenen Jahr erwirtschaftet. 2004 bewegte sich diese Kennzahl noch bei 148 812 Euro. Den höchsten Pro-Kopf-Umsatz verbuchen die Großbetriebe: Dort brachte es jeder Mitarbeiter auf 168008 Euro. Eine deutliche Differenz zum niedrigsten Wert von 145 284 Euro, der in den Elf- bis 20-Personen-Unternehmen erzielt wurde. Ganz schön wacker schlugen sich auch die Kleinbetriebe, die es auf 153 574 Euro pro Kopf brachten (2004: 149 730 Euro). Der Barumsatz je Quadratmeter Verkaufsraum belief sich auf 3 461 Euro. Die höchste Flächenproduktivität wurde mit 3 752 Euro bei den Unternehmen mit sechs bis zehn Mitarbeitern festgestellt - einen Euro darunter liegt die Kennzahl in den Großbetrieben. Mit 2 897 Euro findet sich der geringste Wert bei den Buchhandlungen, in denen zwei bis drei Personen arbeiten.
Kaum Veränderungen bei den Bestellwegen
Der Barumsatz je Barverkauf ist leicht gesunken - von 15,6 Euro auf 15,1 Euro. Die ausgabefreudigsten Kunden frequentierten die vier- bis fünfköpfigen Betriebe und ließen dort 15,9 Euro pro Einkauf zurück. Die sparsamsten Bücherliebhaber schienen sich in den Buchhandlungen mit elf bis 20 Mitarbeitern aufzuhalten. Sie gaben lediglich 14 Euro pro Barverkauf aus. Die Analyse der Bestellwege zeigt, dass die Sortimente zwei Drittel der Bestellungen direkt bei den Verlagen getätigt haben. 34 Prozent liefen über die Barsortimente. Dabei waren auch diesmal wieder erhebliche Abweichungen zwischen den Größenklassen festzustellen: Je größer die Buchhandlung, desto höher der Verlagsbezug. Während die Kleinstbuchhandlungen nur 60 Prozent der Ware direkt bei den Verlagen bestellt haben, waren es bei den Großbetrieben 77 Prozent. Das umgekehrte Bild ergibt sich beim Barsortimentsbezug. Kleinstbuchhandlungen haben 40 Prozent der Bücher über diesen Bestellweg bezogen, bei den Großbetrieben waren es nur 19 Prozent. Ein wenig verbessert hat sich, wenn auch auf niedrigem Niveau, der Lagerumschlag: Notierte diese Kennzahl im Vorjahr bei 4,8, so lag sie nun bei fünf. Am schnellsten drehten sich die Waren in den Großbuchhandlungen (5,5). Die Betriebe mit vier bis fünf Personen müssen sich mit einem Lagerumschlag von 5,3 nicht dahinter verstecken. Unterdurchschnittlich schnitten dagegen die Kleinstbetriebe ab - mit dem Wert 4,7. Dem Buchhandel ist es im vergangenen Jahr nicht nur gelungen, seine Umsätze zu steigern, sondern auch, die Kosten einzudämmen. Lag der Gesamtkostenanteil 2004 noch bei 32,8 Prozent des Umsatzes, so konnte er 2005 auf 32,2 Prozent reduziert werden. In den unterschiedlichen Größenklassen gab es indes sichtbare Abweichungen in beide Richtungen. Dabei gilt bis auf die Ausnahme der Buchhandlungen mit 21 bis 50 Beschäftigten: Je kleiner die Unternehmen, desto geringer die Kosten. Die Sortimente mit zwei bis drei Mitarbeitern wiesen einen Kostenanteil von 30,9 Prozent auf, bei den Betrieben mit 21 bis 50 Beschäftigten waren es 35,7 Prozent. Die größten Buchhandlungen sahen sich einem Kostenblock von 35 Prozent gegenüber. Die höchsten Kosten fielen für das Personal inklusive Unternehmerlohn an. 19,3 Prozent des Umsatzes wurden dafür aufgewendet (2004: 19,6 Prozent). Die geringsten Personalkosten sind bei den Kleinstbuchhandlungen aufgelaufen (17,6 Prozent). Gemeinsam an der Spitze lagen die Buchhandlungen mit elf bis 20 und mit 21 bis 50 Mitarbeitern. Sie brachten 20,4 Prozent des Umsatzes für ihr »Humankapital« auf. Damit wird erneut deutlich, dass gerade die kleinen Buchhandlungen an den Personalkosten sparen. Ein Blick auf den kalkulatorischen Unternehmerlohn untermauert diese These. Die großen Buchhandlungen setzen als kalkulatorischen Unternehmerlohn rund 54 000 Euro an, die kleinen dagegen gerade einmal die Hälfte (26 664 Euro). Ob diese Beträge tatsächlich in die private Kasse fließen oder ob sie nicht doch dafür eingesetzt werden, die Buchhandlung über Wasser zu halten, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen. Die Ergebnisse unterstreichen jedoch eindrucksvoll, dass die Gefahr der Selbstausbeutung wächst, je kleiner die Buchhandlung ist. Als zweitgrößter Kostenblock schlagen die Mietzahlungen zu Buche. Mit 4,3 Prozent sind sie im Vergleich zum Vorjahr (4,2 Prozent) nahezu konstant geblieben. Die höchsten Mietausgaben verzeichneten die größeren Buchhandlungen. Betriebe mit 21 bis 50 Beschäftigten investierten bis zu 5,4 Prozent ihres Umsatzes in die Miete - der Preis für große Flächen in bester Lage. Wenig Bewegung gibt es auch bei den Ausgaben für Werbung. 1,2 Prozent des Umsatzes war den Sortimentern das Trommeln in eigener Sache 2005 wieder wert. Wobei die Großbuchhändler mit 1,4 Prozent etwas lautere Töne angeschlagen haben. Die durchschnittliche Betriebshandelsspanne hat sich im Vergleich zu 2004 - trotz aller Bemühungen um effizientere Bezugsmodelle - um 0,5 Prozentpunkte verschlechtert und bewegte sich bei 31,5 Prozent. Den höchsten Wert erzielen erfahrungsgemäß die großen Buchhandlungen, bei denen mehr als 50 Personen in Lohn und Brot stehen. Dort betrug die Handelsspanne 35,3 Prozent. Mit 34,1 Prozent erreichten die Buchhandlungen mit 21 bis 50 Beschäftigten den zweitbesten Wert. Die Kleinstbuchhandlungen notierten unter der 30-Prozent-Grenze und mussten sich mit einer Handelsspanne von 28,7 Prozent begnügen. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Je größer die Unternehmen, desto höher die Handelsspanne.
Betriebsergebnisse nicht zufriedenstellend
Die rückläufige Handelsspanne war es dann auch, die eine Verbesserung der Betriebsergebnisse im vergangenen Jahr verhindert hat. Die erreichten Kostensenkungen konnten die schlechtere Handelsspanne nicht kompensieren. So fiel das Betriebsergebnis auch im Jahr 2005 in fast allen Größenklassen negativ aus. Der durchschnittliche Wert lag wie im Vorjahr bei minus 0,8 Prozent des Umsatzes. Allerdings haben einige Buchhandlungen sogar ein zweistellig negatives Betriebsergebnis vorgelegt - was den Durchschnitt bei der Auswertung entsprechend nach unten gedrückt hat. Rentabel wirtschafteten lediglich die Großbuchhandlungen, die auf ein Ergebnis von 0,3 Prozent kamen. Eine Ausnahmerolle spielen auch die Buchhandlungen mit elf bis 20 Beschäftigten. Sie brachten es beim Betriebsergebnis immerhin auf eine schwarze Null. Den schlechtesten Wert verbuchten erneut die Kleinstbuchhandlungen - mit einem Betriebsergebnis von minus 2,2 Prozent.
Ein Hoffnungsschimmer: 2004 waren es noch minus drei Prozent gewesen. Einen unterdurchschnittlichen Wert verzeichneten auch die Buchhandlungen mit 21 bis 50 Beschäftigten. Sie kamen auf ein Minus von 1,6 Prozent (2004: minus ein Prozent). Umsatzsteigerung, Kostensenkung, Verringerung der Handelsspanne: Das sind wichtige Entwicklungen, die sich aus dem Betriebsvergleich ablesen lassen. Auch wenn zwei dieser drei Faktoren für sich gesehen positiv sind, reicht das nicht aus, um das Ruder insgesamt herumzureißen. Bei den zahlreichen negativen Betriebsergebnissen stellt sich daher die Frage, wie solche Buchhandlungen ihr Überleben auf Dauer sichern.
Jahresbetriebsvergleich 2005
Auftraggeber:
Börsenverein
Beauftragtes Institut:
Institut für Handelsforschung
an der Universität
Köln
Teilnehmer: 211 Sortimentsbuchhandlungen
der unterschiedlichsten Größenklassen. Die
Unternehmen haben ihr individuelles Auswertungspaket
bereits im Sommer erhalten.
Erhebungszeitraum:
Januar bis Dezember
2005
Weitere Informationen:
Alexander Kleine
Sortimenter-Ausschuss des
Börsenvereins
Telefon: 069/ 13 06-306,
E-Mail: kleine@boev.de
Informationen zum Betriebsvergleich anderer Einzelhändler: Die vollständige Branchendokumentation mit allen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ist als CD-ROM beim Institut fuür Handelsforschung in Köln erhältlich
KOMMENTAR
Vorbild Möbel
Die Umsätze haben sich nach oben entwickelt, die Kostenspirale dreht sich nicht weiter. Eigentlich ein gutes Zeichen fuür den Sortimentsbuchhandel. Wäre da nicht die Handelsspanne, die mit ihrer ruückläufigen Tendenz eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage verhindert, weil sie die positiven Faktoren überkompensiert. Die Handelsspanne, die den Rohertrag ins Verhältnis zum Umsatz setzt und auch Positionen wie Bezugskosten enthält, gibt Anlass zum Nachdenken. Möglicherweise schlagen die verschiedenen Ansätze zur Rationalisierung der Warenbeschaffung noch nicht überall so deutlich durch wie erhofft. Dass hier ein großes Potenzial liegt, die Geschäfte der Buchhändler wirtschaftlicher zu gestalten, daran zweifelt niemand mehr. Was bleibt, ist ein schwacher Trost beim Blick über die Branchengrenzen. Im Vergleich zu anderen Segmenten des Einzelhandels schneiden die Buchhändler beim Betriebsergebnis noch relativ gut ab. Der Lebensmitteleinzelhandel etwa hat mit einem Betriebsergebnis von minus 4,2 Prozent zu kämpfen. Beim Schuheinzelhandel ist der Wert mit minus 4,1 Prozent kaum besser. Am besten von den sieben untersuchten Branchen kommt der Möbeleinzelhandel davon. Er schafft es mit plus 1,1 in den positiven Bereich – schwarze Zahlen. Ein Beispiel für rentables Wirtschaften, von dem man wünschte, dass es auch im Buchhandel Schule machen kann.
Der nächste Betriebsvergleich erscheint im August!
Autorin: Christina Schulte
[...] Tags: Jahresbetriebsvergleich

