Annette Pehnt über die Buchhandlung Schwarz in Freiburg
Manchmal wünscht man sich ja einen Buchhändler daher, der eine Mischung aus gütigem Deutschlehrer, Dachstubenpoet und Seelsorger sein möge, womöglich großväterlich, am besten vollbärtig, jemand, der uns an die Hand nimmt und uns in Zeiten des Zauderns zum Buch des Lebens führt. So einer ist Michael Schwarz nicht. Er ist ziemlich jung, glattrasiert, und ob er selber schon einmal der Lyrik gefrönt hat - man weiß nicht so recht. Auch das Zaudern ist seine Sache nicht, sondern er führt seit genau sechs Jahren mit seinem Team eine kleine, feine, literarisch orientierte Buchhandlung, die inzwischen in Freiburg einer der wichtigsten Treffpunkte für das Gespräch über Bücher geworden ist. Zur Eröffnung lag im Schaufenster nur Thomas Bernhards »Die Auslöschung«, zehnmal. Das war gewagt. Elitär will er ja nicht daherkommen, sagt Michael Schwarz, sondern für den Stadtteil da sein. Also finden sich bei ihm auch Ratgeber, Kochbücher, Kunstführer und Reiseliteratur (aber nur eine Regalwand) und eine veritable Kinderbuchecke. Ansonsten gibt es keinerlei Ramsch, keine Geschenkdosen oder Schlüsselanhänger, keine Plüschtierchen, keine Hintergrundbeschallung. Ab und zu steht mal ein Korb Äpfel neben der Theke, den Samowar hat er wieder abgeschafft. Absolut spinnwebenfrei. Denn in dieser Buchhandlung wird nicht gekuschelt und gekruschtelt, alles ist absolut spinnweben- und therapiefrei, man kommt als Leser. Vorn ein kleiner Tisch mit ausgesuchten Büchern, die nicht unbedingt gerade en vogue sein müssen, die hier überleben, wenn sie gefallen, auch Titel der vorletzten Saison. Zwischen Katharina Hacker, John Banville und Brecht-Lyrik findet sich auch eine fein illustrierte Geschichte der Speisebirne. Er wolle ein Literaturvermittler sein, sagt Schwarz, aber zum Glück sind seine Vorhaben absolut undidaktisch. Er lädt Autoren zu Lesungen ein, was nicht mehr selbstverständlich ist; dann werden die Büchertheken zur Seite gerollt, der Raum öffnet sich für bis zu 70 Leute, die oft auch kommen, Wein gibt es und Texte, oft auch Sperriges. Neulich haben sich Freiburger Autoren auf Schwarz' Anregung hin Texte im Großformat ausgedacht, die dann in der ganzen Stadt auf ausgedienten Wahlstellwänden zu lesen waren. Mit Event hat das wenig zu tun, viel aber mit Sprachlust, ob in gedruckter, gebundener, gelesener, käuflicher und unverkäuflicher Form. Und vor allem: Michael Schwarz redet nur über Bücher, die er auch gelesen hat. Fast immer. Wer kann das schon von sich behaupten?


