HINTERGRUND LANGENDORFS DIENST

22.02.2007

Barometer lässt hoffen

Beim Geschäftsklima sind Wirtschaft, Konsumenten und Einzelhandel dem Buchhandel voraus. Aber das könnte sich schon bald ändern.

Die Wirtschaft freut sich über den Aufschwung und sorgt sich nicht mehr wegen der Wachstumsdelle zu Anfang dieses Jahres: Diesen Eindruck gewinnt, wer die Geschäftsklima-Indizes der Unternehmen verfolgt. Der meist beachtete Stimmungspegel, der Ifo-Geschäftsklima-Index, hat zwar im Januar nach dem »Mehrwertsteuer-Schock« einen kleinen Knick bekommen, bewegt sich aber weiter auf komfortabel hohem Niveau. Und das Institut erwartet, »dass die Konjunktur nach einem leichten Dämpfer zu Jahresbeginn im Laufe der nächsten Monate wieder Fahrt aufnehmen wird«. Am morgigen Freitag, wenn Ifo die Februar-Ausgabe seines Indexes veröffentlicht, wird sich diese Erwartung hoffentlich bestätigen.

Ein anderes Stimmungsbarometer ist der ZEW-Index Konjunkturerwartungen. Dafür befragt das Mannheimer Institut ZEW monatlich gut 300 Analysten und institutionelle Anleger, also Leute, die die Wirtschaftsentwicklung intensiv beobachten, ohne selbst an der Werkbank zu stehen.
Nachdem die weltweite Konjunkturlage im zweiten Halbjahr 2006 geschwächelt hatte und die Mehrwertsteuererhöhung das Ende aller Aufschwunghoffnungen zu markieren schien, sehen die Finanzexperten die Situation inzwischen deutlich gelassener. Der 2006 abgestürzte Erwartungs-Index ist seit November auf Erholungskurs und hat schon wieder positives Terrain erreicht, die Optimisten sind wieder in der Mehrheit.

Der Buchbranche nahe steht die Druckindustrie, die sich zuversichtlich zeigt. Seit September 2006 bewegt sich der Geschäftsklimaindex Druck auf historisch hohen Werten, mit Tendenz nach oben. Zuletzt waren die Erwartungen wieder besser als die Einschätzung der aktuellen Lage.

Konsumenten: gefasst

Die Indizes zum Konsumklima wiesen in der jüngsten Zeit eine hohe Anschaffungsbereitschaft aus – wobei jedoch klar war, dass dieser Auftrieb dem »Vorzieh-Effekt« der Mehrwertsteuererhöhung geschuldet und damit zeitlich befristet war. Die Anschaffungsblase ist denn auch gleich im Januar bei den Indizes von GfK und Icon-Institut geplatzt – was bei den Propheten keineswegs das Ende des Optimismus einläutet.

Denn zugleich haben sich andere, für das Klima wichtigere Komponenten der Verbraucherstimmung wieder verbessert: die Erwartungen an die Konjunktur und an Entwicklung und Sicherheit des eigenen Einkommens. Zudem hat die Angst vor hohen Preissteigerungen abgenommen. Diese positiven Aspekte überlagern beim Icon-Konsumbarometer schon jetzt den weggebrochenen Anschaffungsdrang – der Index geht in die Höhe.

Notorisch schlecht gelaunt zeigte sich in den vergangenen Jahren, ungeachtet aller Schwankungen der Konsumentenlaune, der Einzelhandel. Auch aktuell ist der BBE-Index Einzelhandelsklima unter den Stimmungs-Indizes der Wirtschaft ein Nachzügler, aber immerhin: Er macht den Anstieg doch mit. Die Einzelhandelskurve arbeitet sich von unten langsam an die Marke 100 heran, bei der positive und negative Einschätzungen ausgeglichen sind. Mit aktuell 96 Punkten ist der Index davon gar nicht mehr so weit entfernt. Was man leider von dem Unter-Index Freizeit, Bildung, Unterhaltung nicht sagen kann. Dieses Segment, dem man den Buchhandel zurechnen muss, dümpelt vor sich hin. Ein kleiner Erholungsansatz ist im Keim erstickt worden.

Taten müssen folgen

Auf so erschreckend niedrigem Niveau gründelt die Buchhandelsstimmung zwar nicht, doch das LD-Barometer erreicht auch nicht die Höhe des durchschnittlichen Einzelhandelsklimas. Der Februar-Barometerstand hat sich gegenüber Januar sogar wieder um einen Punkt auf 90 verschlechtert. Grund ist die Lageeinschätzung – kein Wunder nach der schwachen Umsatzentwicklung im Januar.
Dabei muss es aber nicht bleiben. Wenn sich der Optimismus der übrigen Wirtschaft bestätigt, die Konsumenten ihrer wachsenden Zuversicht Taten folgen lassen und sich die Erwartung nicht allein auf den neuen »Potter« reduziert, dann gibt es guten Grund für ein besseres Geschäftsklima 2007 auch im Buchhandel.

Boris Langendorf