NEWS VERBAND

14.06.2007

Börsenverein

Sortimente müsen sich profilieren

Konzentrationsprozess, Fall der Preisbindung in der Schweiz, veraltete Regelungen und VTO waren Themen, die SoA-Chef Heinrich Riethmüller in Berlin thematisierte.

Riethmüller skizzierte die Veränderungen, auf die sich der Buchhandel einzustellen habe: "Die Kunden orientieren sich neu, sie wollen Einkauf als Event erleben." Reagiere das Sortiment, habe es auch Chancen: "Wir alle wissen, dass die großen Filialisten andere Konditionen bekommen, aber sie bestimmen nicht allein, ob eine Buchhandlung Erfolg hat." Riethmüller bezeichnete die bisherige Partieregelung, die Verteilung der Portokosten und die Remissionsquote als nicht mehr zeitgemäß. Auch sei nicht einzusehen, dass Buchhandlungen mit der Weihnachtsschnellschiene per Telefon und Fax die Ware in zwei Tagen bekomme, der elektronische gesendete Auftrag jedoch erst Tage später eintreffe.
Beim VTO-Projekt bezeichnete er es als wichtig, dass sich die Sortimenter dort einbrächten: "Wir bewegen uns bei VTO auf einem neuen Gebiet, das wir nutzen sollten." Es müsse gelingen, die Kunden auf die Homepages der Buchhandlungen zu ziehen. "Wir müssen uns damit profilieren, dass wir Kunden Service und Orientierung bieten: Schließlich offerieren wir die Inhalte aller Verlage und nicht nur die eines einzigen Verlags."
Zum Verhalten der Sortimente beim Fall der Preisbindung in der Schweiz bemerkte der SoA-Vorsitzende, es erhöhe nicht die Glaubwürdigkeit einzelner Branchenteilnehmer, wenn sie in Deutschland die Wichtigkeit der Preisbindung betonten und in der Schweiz nach dem Fall der Preisbindung sofort mit Niedrigpreisen operierten. Dieter Wallenfels, der Preisbindungstreuhänder der Verlage, riet den deutschen Verlagen, günstigere Frankenpreise zu empfehlen, um die bislang überhöhten Frankenpreise zu senken und das Gefälle gegenüber den deutschen Europreisen zu vemeiden.

[...] Tags: Preisbindung, Schweiz, VTO

2 Kommentare

1. Klaus Linow, KLIO Buchhandlung Zürich 15.06.2007 16:41h www.klio-buch.ch
Die KLIO Buchhandlung in Zürich begrüsst die Empfehlung des Preisbindungstreuhänder der Verlage, Dieter Wallenfels, und hofft, dass die Verlage ihr folgen und die für Deutschland gebundenen Buchpreise auch für die Schweiz empfehlen..

Ueberhöhte Preise nein, Preisbindung ja! Mit diesem Credo hat sich KLIO seit Jahren exponiert: die ungleichen Preise waren die Ursache, dass es die Preisbindung für Bücher deutscher Verlage in der Schweiz schon lange vor dem bundesrätlichen „Nein“ nicht mehr gab. Sie führten zur Abwanderung der Kunden zu preisgünstigeren Anbietern in Deutschland und zu Einbussen für den Schweizer Buchhandel.

Jetzt haben wir die Freiheit die überhöhten Buchpreise abzuschaffen. Die KLIO Buchhandlung ist daran, dies für das ganze Sortiment zu tun. Aber wir brauchen die Unterstützung der deutschen Verlage, denn wenn wir preisgünstiger verkaufen wollen, müssen wir auch preisgünstiger einkaufen können. Dazu ist die Umsetzung der Empfehlung des Preisbindungstreuhänders der richtige Schritt.
2. Werner Zogg 19.06.2007 19:45h www.balmer-bd.ch
Seit Jahren hat man in der Schweiz bei den Verhandlungen mit dem schweizerischen Preisüberwacher mit gutem Grund die Preisüberhöhung verteidigt und seit Jahren hat selbst der Preisüberwacher dieser Überhöhung zugestimmt, wenngleich sie im Verlauf der Jahre deutlich zurückgenommen wurde. Bücher und Presserzeugnisse liegen gemäss einer Studie des Bundes, „Hohe Preise in der Schweiz. Ursache und Wirkungen“, Staatssekretariat für Wirtschaft, 2003, im vorderen Drittel jener Produkte, die am wenigsten überhöht sind! Ausser bei Tabak gibt es bei sämtlichen dargestellten Produktgruppen zumeist deutliche Preisüberhöhungen. Nach den Daten von Infras/Eurstat sind Bücher und Zeitungen sogar an dritter Stelle der am wenisten überhöhten Preise. Und seit jener Untersuchung haben etliche Verlage weitere, allerdings differenzierte Reduktionen der Preisüberhöhung vorgenommen.

Unstreitig gibt es im Bereich der wissenschaftlichen Buchproduktionen am ehesten Probleme und etliche Verlage - was wir auch unterstützen - haben die Preise hier zurückgenommen. Es ist im Marketing eine Binsenweisheit, dass auf differenzierten Märkten differenziert vorgegangen werden muss. Eine pauschale Lösung ist längst obsolet. Aber genauso undifferenziert und de facto zerstörerisch wäre es, einfach auf allen Marktsegmenten die Preise abzusenken. Denn die Kosten der Marktteilnehmer in der Schweiz sind um längen höher als in Deutschland. (Auch Buchhändler zahlen die Preise für die anderen Produkte in der Schweiz!) Bei gleichem Preisgefüge müssten Konditionen gekürzt werden und es entstünde zusätzlich Druck. Der schweizerische Zwischenbuchhandel wäre am Ende und der Service würde drastisch reduziert. Ausgerechnet jenes zentrale Argument eines differenzierten Buchhandels, das man auf Grund mehrerer Untersuchungen als zentral ansehen muss für den Erfolg des Handels generell würde dadurch angegriffen. Warum, bitte sehr, haben die Discounter in der Schweiz nicht diesen Erfolg, den teurere Anbieter haben? Und ist der Erfolg des Grossbuchhandels vielleicht der Preis? – Mitnichten: Es sind Standort, Grösse, Service und Qualität der Auswahl etc. etc. Das ist in der Schweiz nicht anders als im deutschen Buchhandel. (siehe z.B. Füglistaller et al., Dienstleistungskompetenz und Dienstleistungscontrolling im Schweizer Buchhandel, Schlussbericht, Universität St.Gallen). Wer nur auf die Preisvergleiche bei ein paar Bestsellern starrt, der irrt gewaltig. Ansonsten irrten auch alle Verlage mit der jährlich ungeheuer grossen und differenzierten Produktion, die kein Discounter so differenziert anzubieten vermag wie der Fachbuchhandel.

Eins ist klar: Jene, die heute die Preise absenken um 10%, 15% oder gar 30% bei Bestsellern tun dies völlig unabhängig von der objektiven Preishöhe. Sie suchen nicht den objektiv richtigen Preis im Hinblick auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden. Was sie betreiben ist eine Preisabstandspolitik zu den Mitbewerbern, deren Luft dann umso dünner würde. Eine Ex Libris bietet objektiv das Sortiment eines Discounters und sie werden erfolgreich sein bei jenen Kunden, die damit zufrieden sind. (Nach einer Untersuchung aus England sollen das grade mal 6% der dortigen Kunden sein.) Auch Weltbild ist objektiv ein Discounter. Das ist aber nicht das zentrale Feld einer differenzierten Buchhandels- und Verlagslandschaft.

Der Empfehlung des Preisbindungstreuhänders - sollte dieses undifferenziert auf alle Prudktsegmente sich beziehen - muss deshalb im Interesse der Anbieter wie der meisten Sortimenter deutlich widersprochen werden. Denn genau das hört man nun von vielen Sortimentern in der preisbindungsfreien Schweiz, dass die Preissensibilität der Kundschaft im Ladengeschäft keineswegs ein Problem sei. Einige Sortimenter nutzen auch schon klar die Möglichkeit, die Preise anzuheben! Es wäre deshalb mutwillig und ein Bärendienst für die Erhaltung eines differenzierten Buchhandels, ausgerechnet nach Aufhebung der Preisbindung die empfohlenen Preise abzusenken. Kommt dazu, dass seit einem Jahr der Euro im Verhältnis zum Schweizer Franken in einer Weise steigt, die ihresgleichen sucht. Die Preisüberhöhung nimmt schon deshalb seit einem Jahr zusätzlich ab...

Wo man hingegen Herrn Linow zustimmen muss: Die Preisbindung gab es in der Schweiz nur sehr bedingt vor dem Fall der Preisbindung. Denn nicht nur Amazon konnte die Schweizer Preise unterbieten - auch viele deutsche Sortimenter haben sich institutionelle Kunden aus der Schweiz an Land gezogen und in Euro und ggf. mehrwertsteuerfrei beliefert. Insofern haben einige Anbieter nun die Chance ergriffen, im institutionellen Geschäft Kunden zurückzugewinnen. Das hat aber überhaupt nichts mit der absoluten Preishöhe zu tun, sondern mit der Möglichkeit der Schweizer, preislich ebenso attraktiv zu sein bei Grosskunden wie es ausländische Anbieter schon lange sein durften, da sie sich an keine Preisbindung zu halten hatten.

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.