HINTERGRUND BRANCHENZAHLEN

14.06.2007

Kundenstruktur: Anteil am Umschlag / Inland Bündelung Bestellstruktur: Anteil an den Bestellungen Sendungsstruktur: Anteil der Packstücke Transportwegestruktur: Anteil an allen Packstücken
Logistikumfrage

Im Eiltempo zum Kunden

Der Lagerumschlag ist niedrig, die Remissionsquote hoch – das sind die unerfreulichen Ergebnisse. Die aktuelle Erhebung des Ausschusses für den Zwischenbuchhandel hält aber auch gute Nachrichten bereit, etwa zum Thema Bündelung.

»Es gibt in unserer Branche logistisch noch vieles zu optimieren, um langfristig Renditevorteile zu garantieren«: Dieses Fazit zieht Matthias Heinrich (Brockhaus Commission) aus der diesjährigen Logistikumfrage. Der Vorsitzende des Ausschusses für den Zwischenbuchhandel stellt die jüngste Erhebung, die im Auftrag seines Gremiums durchgeführt wurde, an diesem Freitag bei den Buchhändlertagen in Berlin vor.
An der Logistikumfrage haben sich neun Verlagsauslieferungen mit einem Gesamtumschlag von 2,287 Milliarden Euro beteiligt. Der Umschlag je Teilnehmer lag bei 254 Millionen Euro. Auch wenn zwei Unternehmen weniger dabei waren als 2006 – laut Heinrich »ein Zeichen der Konzentrationsprozesse oder von geringerer Bereitschaft, Daten zur Verfügung zu stellen« –, repräsentieren die teilnehmenden Verlagsauslieferungen ca. zwei Drittel des Markts.

Sortiment verliert Anteile

Ein Blick auf die Kundenstruktur, klassifiziert nach Vertriebs­kanälen, zeigt, dass der stationäre Handel mit 58,8 Prozent einmal mehr den größten Anteil am Umschlagsvolumen hat – den Export eingerechnet. Allerdings mussten die stationären Buchhändler gegenüber 2005 mehr als einen Prozentpunkt abgeben. Geschnappt haben können sich dieses Stück vom Kuchen auch die Wettbewerber auf den Nebenmärkten. Deren Anteil stieg von 0,57 Prozent auf 0,72 Prozent. Ebenfalls zugegriffen haben der Online- und Versandhandel inklusive Weltbild. Hier kletterte der Satz von 4,55 Prozent auf 4,86 Prozent.
Einen höheren Anteil am Umschlag sicherten sich auch die Verlage im Direktabsatz. Ihre Quote stieg von 5,46 Prozent auf 5,77 Prozent. Die ausländischen Nachfrager legten von 9,5 Prozent auf 9,94 Prozent zu. »Diese Ergebnisse entsprechen weitestgehend den Erwartungen«, bilanziert Heinrich. Man könne sie so interpretieren, dass mehr Verlage die Online-Händler direkt und nicht mittelbar über die Barsortimente beliefern. »Zudem scheinen die zunehmenden Lieferungen an die Endabnehmer zu Lasten der klassischen Schienen zu gehen.«
Betrachtet man nur den Umschlag im Inland, fällt der Anteil des stationären Handels mit 65,29 Prozent deutlich höher aus. Wenngleich auch hier der Rückgang um einen Prozentpunkt zu konstatieren ist.
Ein Sorgenkind der Branche ist der Lagerumschlag, der sich seit Jahren auf sehr niedrigem Niveau bewegt. 2006 hat er sich mit einem Wert von 1,29 kaum verändert (2005: 1,31). »Offensichtlich werden immer noch sehr viele Bücher auf Halde produziert und kaum Makulierungen vorgenommen«, so die Einschätzung des Ausschuss-Vorsitzenden.

Remissionen sind Kostentreiber

Eine weitere Kennzahl, die Anlass zur Diskussion gibt, ist die Remissionsquote. Gemessen am Umsatz hat sie sich 2006 auf 7,25 Prozent erhöht. 2005 waren es noch 6,81 Prozent. Für die steigende Remissionsquote hat Heinrich verschiedene Erklärungen parat: »Die Nebenmärkte gehören auf der Kundenseite zu den Gewinnern – hier gelten aber auch die aggressivsten Remissionsquoten.« Zudem sorgten Geschäftsaufgaben und Insolvenzen für »aufgezwungene« Remissionen. Doch ungeachtet solcher Gründe sind die Remissionen spartenübergreifend der höchste Kostentreiber, wie Heinrich betont: »Daher ist diese Entwicklung nicht nur bedauerlich, sondern unter dem Aspekt der Rationalisierung sogar desaströs.« Jeder lege dabei drauf.
Von der Möglichkeit, ihre Aufträge zu bündeln, haben die Kunden der Auslieferungen 2006 nur unwesentlich mehr Gebrauch gemacht als 2005. Die Positionen pro Rechnung erhöhten sich von 5,76 auf 6,05. Die Zahl der ausgelieferten Exemplare pro Position hat sich kaum verändert (2005: 6,91; 2006: 6,8). Leicht zugenommen hat die Anzahl der Exemplare pro Rechnung: Nach 39,77 im Jahr 2005 lag sie im Folgejahr bei 41,1. »Die Bezugsoptimierung greift, allerdings nicht in einem erfreulichen Maß«, meint Heinrich. Warenwirtschaft und Just-in-time-Bemühungen der Kunden sorgten für kleine Stückzahlen. »Auch der Long-tail-Effekt greift. Punktuell ausgelöste Besorgungsgeschäfte der Internethändler sorgen für größere Streueffekte im Bestellvorgang.«

Zahlreiche manuelle Bestellungen

Das elektronische Bestellwesen, das den Buchhändlern von den Verlagsauslieferungen immer wieder ans Herz gelegt und vom Buchhandel dennoch zu wenig genutzt wird, hat den vollständigen Durchbruch immer noch nicht geschafft. Das zeigt sich darin, dass die Bestellstruktur noch stark von manuell zu verarbeitenden Aufträgen geprägt ist. So kletterte der Anteil der Bestellungen, die händisch per Fax, E-Mail oder Telefon weiterzubearbeiten sind, von 33,58 Prozent auf 33,81 Prozent: »Da aber die Endkundenlieferungen zugenommen haben, kann man davon ausgehen, dass hier die Online- oder Mailbestellungen der Privatkunden abgewickelt werden«, resümiert der Geschäftsführer der Brockhaus Commission.
Rückläufig sind die Reiseaufträge, auch wenn sie immer noch bei 28,7 Prozent liegen (2005: 31,11 Prozent). »Die klassischen Reisekunden gehen in den Filialisten auf«, konstatiert Heinrich. »Diese bestellen in der Regel online ohne Vertreterbesuch.« Den Anteil, der bei den Reiseaufträgen wegfällt, dürften sich die Bestellanstalten der Barsortimente gesichert haben. Sie konnten von 29,82 Prozent auf 32,48 Prozent zulegen. Die Bestellungen via IBU gingen von 5,49 Prozent auf 5,01 Prozent zurück.
Unverändert hoch ist die Anzahl der Packstücke mit einem Gewicht von unter zwei Kilo. Wie die Umfrage zeigt, bringen 38,73 Prozent der Sendungen weniger als zwei Kilo auf die Waage. Heinrich geht jedoch davon aus, »dass sich die Kleinsendungen wohl nicht im buchhändlerischen Verkehr befinden«, sondern vor allem Lieferungen an Privatkunden betreffen.
Addiert man die Sendungen bis fünf Kilogramm, so ergibt sich ein nahezu unveränderter Anteil am Auslieferungsvolumen von 54,2 Prozent. Ein Rückgang ist bei den Paketen zwischen fünf und zehn Kilo zu verzeichnen. Deren Anteil reduzierte sich von 14,68 Prozent auf 14,39 Prozent. Zulegen konnten die schweren Pakete zwischen zehn und 20 Kilogramm. Sie machen 26,57 Prozent der Packstücke aus (2005: 25,72 Prozent). »Dies ergibt sich aufgrund der durchschnittlich höheren Exemplarzahl je Rechnung«, interpretiert Heinrich die Werte. Die Zahl der Schwerstsendungen mit mehr als 20 Kilogramm nimmt dagegen ab. Statt bei 5,36 Prozent lag ihr Anteil nur noch bei 4,84 Prozent.

Die Post verbucht Zuwächse

Bei der Transportwegestruktur wurden die Zahlen einerseits auf der Grundlage des Gewichts der Lieferungen erhoben, andererseits auf Basis der Zahl der Packstücke. Bei beiden Berechnungen ist der Büchersammelverkehr ganz klar der Transportweg Nummer 1. Bei der Zahl der Packstücke rangiert er mit 40,86 Prozent (2005: 42,58 Prozent) vor der Post, die es auf einen Anteil von 38,24 bringt (2005: 36,89 Prozent). Hier liegt der Schluss nahe, dass der höhere Postanteil zu Lasten des Büchersammelverkehrs geht. Heinrich führt den Zugewinn bei der Post nicht zuletzt darauf zurück, dass die Lieferung an Privatkunden zunimmt. Die Post transportiert allerdings nicht nur Kleinsendungen, sondern konnte offenbar auch bei den anderen Größenklassen zulegen, wohl auch aufgrund der vielen Firmenkunden, die direkt bei den Verlagen bestellen.
Zieht man das Gewicht als Grundlage heran, erreicht der Büchersammelverkehr mit 53,17 Prozent eine noch höhere Dominanz – obwohl er im Vergleich zu 2005 auch auf dieser Basis einen Prozentpunkt abgeben musste. Die Post spielt hier mit einem unveränderten Wert von rund zehn Prozent eine weniger tragende Rolle. Wichtiger ist die Fracht, mit rund 30 Prozent der zweitwichtigste Transportweg.
»Setzen wir alle unsere Bündelungsoffensiven fort – auf Lieferanten- und auch auf Handelsseite«, appelliert Heinrich an die Branche. »Das wird uns langfristig ein Überleben beziehungsweise ein gesünderes Weiterleben garantieren.«

(aus Heft 24/2007)

Christina Schulte

[...] Tags: Umfrage, Logistik

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.