Deutsche Buchpreise im Ausland

Im Inland haben sich der Deutsche Buchpreis (dbp) und der Preis der Leipziger Buchmesse bereits einen Namen gemacht. Über die Auswirkung deutscher Literaturpreise im Ausland diskutierten Literaturexperten am Eröffnungstag der 2. Frankfurter Literaturbiennale. VON FB

Auf dem Podium: (v. l.) Nenad Popovic, Felicitas von Lovenberg, Petra Christina Hardt,  Jean Matten und Martin Lüdke

Auf dem Podium: (v. l.) Nenad Popovic, Felicitas von Lovenberg, Petra Christina Hardt, Jean Matten und Martin Lüdke © Frauke Breuer

Felicitas von Lovenberg (Jurorin dbp), Martin Lüdke (Juror Preis der Leipziger Buchmesse), Nenad Popovic (Gründer des Verlags Durieux, Zagreb) und Jean Matten (Éditions Gallimards, Paris) sprachen gestern Abend im Frankfurter Literaturhaus über das Thema „Preis und Leistung“. Die Moderation leitete Petra Christina Hardt (Suhrkamp Verlag). Die deutschen Literaturexperten zeigten sich überzeugt, dass Auszeichnungen aus dem eigenen Land auch die Verkaufszahlen der Preisträgertitel im Ausland und das Lizenzgeschäft deutlich ankurbeln würden. Kritikerin Felicitas von Lovenberg führte als Beleg ihrer These Arno Geigers dbp-Preisträgertitel „Es geht uns gut“ (39 ausländische Lizenzen) von 2006 und Katharina Hackers Roman „Die Habenichtse“ (dbp 2007, 14 verkaufte Lizenzen) an. Juror Martin Lüdke kritisierte, dass Literaturpreise in erster Linie ein Marketinginstrument der Verlage seien. Gerade der Zeitpunkt der Preisverleihung, die jeweils auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig statt findet, zeuge von der reinen Nutzenrechnung für die Verkaufszahlen. Ein Vorwurf, den Suhrkamp-Lizenzchefin Petra Hardt vehement zurück wies. Im Zentrum stehe der Nutzen für den Autor. Schließlich sei bisher noch kein Verlag „durch das Lizenzgeschäft reich geworden,“ andererseits verändere „sich jedoch das Leben der Autoren durch den Lizenzverkauf auf nachhaltige Weise,“ so Hardt. Gallimard-Lektor Jean Matten zweifelte insgesamt die Tragweite der Bedeutung deutscher Literaturpreise im Ausland an: „In Frankreich gibt es fast täglich einen neuen Preis.“ Diese inflationäre Menge an Preisen habe im eigenen Land das Ansehen von Auszeichnungen deutlich geschmälert. Mattens Meinung nach fänden in Deutschland ausgezeichnete Bücher zwar schneller die Beachtung von französischen Literaturkritikern und Verlegern und hätten somit größere Chancen, in das Verlagsprogramm aufgenommen zu werden. Im Buchhandel dienten sie jedoch nicht als Verkaufsargument. Ein ähnliches Bild zeige sich in Kroatien, bestätigte Verleger Nenad Popovic aus Zagreb. Internationale Literaturpreise hätten hingegen eine weit reichende Wirkung. Popovic plädierte für eine „Entnationalisierung der Buchpreise“. Nur so könne eine übernationale Debatte über die Qualität von Büchern geführt werden, sagte er im Literaturhaus. Eine Idee, die bei seinen Diskussionspartnern auf wenig Unterstützung stieß.

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