HINTERGRUND LANGENDORFS DIENST

28.06.2007

Der Kaufrausch kommt

Die Konsumschwäche ist überwunden, lautet das Ergebnis einer neuen Studie. Danach ist mit einem umsatzstarken zweiten Halbjahr zu rechnen.

»Wo bleibt welcher Aufschwung?«, fragte ein Teilnehmer am Umsatztest Mai von Langendorfs Dienst. Diese Frage stellen sich viele Einzelhändler angesichts der Prognosen für andere Wirtschaftsbereiche, die positiv ausfallen – obwohl Steuern und Abgaben die Deutschen seit Januar mit 15 Milliarden Euro per saldo zusätzlich belasten und der private Verbrauch im ersten Quartal dieses Jahres um 1,4 Prozent unter dem des Vorquartals lag.

Entsprechend sehen die Einzelhandelsumsätze aus (Grafik unten). Der Vorzieh-Effekt vor der Mehrwertsteuererhöhung beflügelte zwar einige Branchen, hat aber Ende 2006 nur ein müdes Plus gebracht. Umso tiefer das Loch Anfang 2007, das auch die Ostergeschäftsmonate März und April nicht ganz füllen konnten: Nach vier Monaten lag der Einzelhandelsumsatz laut Statistischem Bundesamt immer noch um 0,4 Prozent unter Vorjahr.

Kein Grund zur Sorge, meinen die Experten der HypoVereinsbank (HVB), die eine Studie mit dem Titel »Deutscher Konsum kommt zurück« erstellt haben (www.hypovereinsbank.de, Rubrik »Research«). Darin erklären die Banker, dass es sich bei dem Konsumloch Anfang 2007 nur um eine technische Korrektur nach den vorgezogenen Käufen 2006 handele. Im zweiten Halbjahr 2007 könne der Konsum endlich zur Wachstumsstütze der deutschen Konjunktur werden, im nächsten Jahr sogar zum Wachstumstreiber.

Wie das? Gewiss, die höhere Mehrwertsteuer und weitere Änderungen in diesem Jahr sind für die Konsumenten eine Belastung. Doch dem steht eine Mehrzahl an positiven Faktoren gegenüber. Die augenfälligste Unterstützung kommt vom Arbeitsmarkt. Nach den durch viele Neuerungen verzerrten Statistiken von 2005?/?06 zeigt sich jetzt eine echte Erholung. Die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse sind seit Januar 2006 um 700000 gestiegen, und in diesem Jahr dürften noch 300000 weitere Stellen geschaffen werden.

Sichere Arbeitsplätze

Diese gute HVB-Prognose wird vom Arbeitsmarktbarometer gestützt, das der Personaldienstleister Manpower vierteljährlich ermittelt. Dabei wird nach den Beschäftigungsabsichten im bevorstehenden (also diesmal dem dritten) Quartal gefragt, und von einer repräsentativen Zahl deutscher Unternehmen meldeten 17 Prozent Einstellungs- und nur drei Prozent Entlassungsabsichten. Der Saldo von plus 14 Punkten ist der beste Wert seit 2003, dem Beginn dieser Erhebung für Deutschland.

Ins Bild passt eine n-tv-Umfrage von Ende Mai, nach der nur noch 15 Prozent der Deutschen angeben, Angst um ihren Arbeitsplatz zu haben. Neben den - wegen der zahlreicheren Jobs - steigenden verfügbaren Einkommen sind auch sichere Arbeitsplätze eine psychologische Hilfe für mehr Konsum.

Als zweitwichtigsten Bestimmungsfaktor für den Konsum-trend nennt die Studie die aktuelle Lohnrunde. Und hier stellen die Banker zum ersten Mal seit acht Jahren die Aussicht auf ­einen »wahrnehmbaren Anstieg der realen Effektivlöhne« fest.

Angstsparen zu Ende

Hilfreich dürften darüber hinaus die Erhebungen zum Konsumklima sein, die den Konsumenten vor Augen führen, dass etwas mehr Kaufrausch durchaus im Trend liegt. Laut GfK (Grafik Mitte) und Icon hat sich zuletzt sogar die Anschaffungsneigung von ihrem Mehrwertsteuer-Absturz erholt, während die Erwartungen an die Entwicklung der allgemeinen Konjunktur und des eigenen Einkommens geradezu erstaunliche Höhen erreichen.

Störend für den Konsum könnte sich noch auswirken, dass die Sparquote im ersten Quartal wieder spürbar gestiegen ist. Gewiss werde der Vorsorgebedarf die Sparquote auch weiter hoch halten, meinen die Experten, dafür werde aber die Sicherheit der Arbeitsplätze das »Angstsparen« beenden, sodass der Effekt der Sparquote als neutral zu werten ist.

Viele Einflüsse also, die dem Konsum zugutekommen und die höheren Belastungen im zweiten Halbjahr und 2008 überkompensieren dürften. Demnach sind umsatzstarke Monate in Sicht.

Boris Langendorf

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