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02.07.2007

© ADAC
Interview

"Wir konnten das Geschäft nicht mehr profitabel betreiben"

Nach tagelangem Tauziehen hat der ADAC-Verlag seine Tochter CartoTravel an Marktführer MairDumont verkauft. Ralf Ueding, Chef des Münchner ADAC-Verlags, erläutert im Interview mit boersenblatt.net die Gründe für den Verkauf.

Warum hat der ADAC-Verlag CartoTravel verkauft?
Ueding: Der Verkauf hat ausschließlich wirtschaftliche Gründe, wir konnten das Kartografiegeschäft einfach nicht mehr profitabel betreiben. Deshalb haben wir beschlossen, uns aus diesem Geschäft komplett zurückzuziehen.

Warum hat MairDumont den Zuschlag bekommen?
Ueding: Es waren mehrere Unternehmen im Rennen um den Kauf von CartoTravel, MairDumont hatte das beste wirtschaftliche Konzept und die beste Perspektive von allen. Für den ADAC und den ADAC-Verlag ist extrem wichtig, dass die ADAC-Kartografie auch in Zukunft im Markt ist. Wir haben lediglich entschieden, die Kartografie nicht mehr selbst zu erstellen und den Vertrieb durchzuführen. Es macht keinen Sinn angesichts der Marktsituation, in der wir stehen.

Der Erhalt der Arbeitsplätze spielte bei der Verkaufsentscheidung keine Rolle?
Ueding: CartoTravel befindet sich schon mitten in einem Restrukturierungsprozess. Wir wären jetzt ohnehin vor einem massiven Einschnitt in die Struktur des Verlags gestanden. Jedem Aspiranten war klar, dass der Verlag mit den vorhandenen Strukturen keine Zukunft hat. In keinem einzigen Angebot gab es eine Garantie für Arbeitsplätze, anders lautende Behauptungen sind reine Gerüchte.

Der Schock für die Mitarbeiter über den Verkauf war groß. Haben Sie der Restrukturierung des Verlags zu wenig Zeit gegeben?
Ueding: Ich kann die Reaktionen der Mitarbeiter menschlich gut verstehen. Der Entschluss für den Verkauf hat sich der ADAC wahrlich nicht leicht gemacht. Gleichwohl war das Tempo der negativen Marktentwicklung höher als unsere Bemühungen um die Restrukturierung des Verlags. Hier hätte es noch viel deutlichere Einschnitt geben müssen.

War der Strategiewechsel vor zwei Jahren, als der ADAC-Verlag 100 Prozent an CartoTravel übernommen hat, nicht entschieden genug?
Ueding: Im Nachhinein ist diese Frage wohl mit Ja zu beantworten. Ob das CartoTravel verkraftet hätte, steht auf einem anderen Blatt.

Wird das Bundeskartellamt den Kauf von CartoTravel durch MairDumont untersagen?
Ueding: Aus unserer Sicht wird es keine Probleme geben. Erstens handelt es sich nicht um den Zusammenschluss von zwei Wettbewerbern, denn der ADAC-Verlag verabschiedet sich aus diesem Feld. Zweitens treffen die Größenkriterien nicht zu, so dass ein Fusionskontrollverfahren unserer Ansicht nach nicht eingeleitet wird.

CartoTravel ist eine 100-prozentige Tochter des ADAC-Verlags – der weiter am Markt agiert?
Ueding: Der ADAC-Verlag wird auch nach dem Verkauf von CartoTravel mit seinen Produkten wie Reiseführer, Campingführer, Ski-Guide etc. am Markt sein. Nur die Kartografieprodukte werden von künftig von MairDumont vertreten.

4 Kommentare

1. V.Jochum 03.07.2007 13:58h
Es ist nicht zu fassen, wie der ADAC,der 2006 bester Arbeitgeber war, so mit seinen Mitarbeitern umspringt.
Die Äußerungen von Herrn Üding kann man nur als dummdreist bezeichnen.Entweder war man zu dumm, um die Lage eines Unternehmens, an dem man bereits viele Jahre beteiligt war, auch nur halbwegs richtig einzuschätzen, bevor man es zu 100% übernommen hatte. Wahrscheinlicher ist, dass man auf dreiste weise verschleiern will, dass man nach "Heuschreckenart" kurzfristig Geld machen wollte. Dies entspricht absolut nicht den Vorstellungen, die ich als ADAC Mitglied von diesem "Verein" habe. Ich werde deswegen meine Mitgliedschaft beenden und hoffe, dass dies möglichst Viele tun.
2. Wahnsinn 25.07.2007 06:59h
Wir konnten das Geschäft nicht mehr profitabel betreiben...

Wie kann man so einen Geschäftsführer weiter lassen ? Liebe Leute vom ADAC Verlag, auch bei Euch werden - zunächst für einen Teil - die Lichter ausgehen, während Eure Chefs jetzt schon Ausschau halten nach noch besser bezahlten Jobs - vielleicht sogar bei Mair...
3. Peter Schmolt 09.08.2007 05:33h
Es wundert mich, dass ADAC noch keinen Vertrieb hat. Polyglott und Iwanowski haben sich orientiert und sind schon aufgestellt. An sich müßte ja der, der die Schließung initiiert hat, auch der erste sein, der sich neu organsiert hätte, oder ???
4. Buchhändler 09.08.2007 16:20h
Wenn schon die Geschäftsführung nicht fähig ist, ztu verkünden, hier wisst ihr, was los ist: Ab dem 14.8. übernimmt Travel House Media den ADAC Vertrieb...Toll, nicht war ? Jetzt kann man Merian und ADAC bei einem Vertreter bestellen - darauf hat wirklich jeder gewartet...eine marktgerechte Notwendigkeit -ist zum totlachen !

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