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05.07.2007

Verlagskosten 2006: Veränderungen der Kostenarten gegenüber 2005 in % Umsatzentwicklung 1982 - 2006 in % Anteil der Kostenarten am Gesamterlös
Schnell-Umfrage

Sprung nach oben

Ein kräftiges Umsatzplus und leicht gesunkene Kosten: Das Jahr 2006 dürfte den Verlagen in wirtschaftlicher Hinsicht Freude bereitet haben. Und auch für 2007 zeichnet sich eine positive Entwicklung ab.

Der positive Trend bei der Entwicklung der Verlagsumsätze hat sich im vergangenen Jahr fortgesetzt. Nachdem die Verlage 2005 bereits ein Plus von 2,3 Prozent erwirtschaftet haben, konnten sie von Januar bis Dezember 2006 gar ein Umsatzwachstum von 3,5 Prozent für sich verbuchen. Damit hat der herstellende Buchhandel das dritte Jahr in Folge mit positiven Zahlen abgeschlossen. Das geht aus der neuen Schnell-Umfrage des Börsenvereins hervor, an der sich 440 Verlage – unterteilt in neun Größenklassen – beteiligt haben.

Allerdings konnten nicht alle Unternehmen gleichermaßen von der erfreulichen Entwicklung profitieren. Wie bereits im Vorjahr wurde die Gesamtveränderung maßgeblich von den Big Playern bestimmt. Die Unternehmen mit einem Umsatz ab 25 Millionen Euro aufwärts gewannen 4,5 Prozent hinzu. Dieses Ergebnis toppten lediglich die kleineren Verlage, die im Jahr zwischen 250.000 und 500.000 Euro einnehmen. Ihr Wachstum betrug stolze 15,3 Prozent. Nahe der Nulllinie pendeln die Buchproduzenten mit Umsätzen zwischen 2,5 und fünf Millionen Euro sowie diejenigen, die zwischen 12,5 und 25 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaften.

Für die fünf übrigen Größenklassen war die Umsatzentwicklung negativ. Den höchsten Umsatzrückgang von 5,6 Prozent mussten Verlage mit einem Jahresumsatz zwischen einer und 2,5 Millionen Euro verkraften. 2,5 Prozent weniger in den Kassen hatten die Kleinstverlage mit jährlichen Einnahmen von bis zu 125.000 Euro.

Betrachtet man die Spezialgebiete genauer, haben vor allem die Fach- und Wissenschaftsverlage zugelegt. Sie kommen auf ein Plus von 5,5 Prozent. Aufwärts ging es auch für Schulbuch- sowie Sachbuchverlage, die jeweils knapp drei Prozent wettmachen konnten. Gegen den Trend entwickelten sich die Kinder- und Jugendbuch- sowie Ratgeberverlage. Sie verloren im Vergleich zum Vorjahr rund ein Prozent.

Bücher haben im vergangenen Jahr ihre Stellung als Hauptumsatzbringer für die Verlage verteidigt. Mit 65 Prozent vom Umsatz bewegt sich ihr Anteil in etwa auf dem Niveau des Jahres 2005. Über alle Unternehmen hinweg betrug die Zuwachsrate im Buchgeschäft plus zwei Prozent (2005: plus 1,4 Prozent).

Auch hier wieder das gleiche Bild wie bei den Gesamtumsätzen: Die Veränderungen variieren in einer sehr breiten Spannweite, die von plus 15,6 Prozent bis minus 8,3 Prozent reicht. Über den größten Ausschlag nach oben können sich die Verlage der Größenklasse 250?000 Euro bis 500?000 Euro freuen. Mit dem heftigsten Ausschlag nach unten kämpfen Unternehmen der Größenklasse eine Million Euro bis 2,5 Millionen Euro. Wacker geschlagen haben sich die Großverlage, die ihren Buchumsatz im vergangenen Jahr um drei Prozent gesteigert haben.

Zwei weitere interessante Ergebnisse in Sachen Buchumsatz: Nach einem leichten Rückgang des Taschenbuchanteils im Jahr 2005 stieg dieser 2006 wieder leicht an – und liegt jetzt bei 32,3 Prozent. Und der Novitätenanteil am Buchumsatz kletterte auf 45 Prozent. Ein Indiz dafür, dass die Verlage die Produktion neuer Titel trotz des ohnehin schon hohen Novitätenausstoßes weiter forciert haben.

Mit festen Schritten kommen die Zeitschriften auf die Erfolgsspur zurück. Sie scheinen ihre Krise endgültig überwunden zu haben. 2005 war ein Plus von fünf Prozent zu notieren, im vergangenen Jahr lag die Steigerung immerhin bei 3,9 Prozent. Zum Gesamtumsatz tragen die Zeitschriften durchschnittlich 16,8 Prozent bei.

Klare Gewinner waren hier die Verlage mit Umsätzen zwischen 250.000 und 500.000 Euro. Sie brachten es auf ein ansehnliches Plus von rund 20 Prozent. Bereits 2005 hatte diese Größenklasse mit einem Zuwachs von mehr als 25 Prozent die Nase vorn. Ein überdurchschnittliches Wachstum von je 4,4 Prozent erzielten Verlage mit Umsätzen zwischen 2,5 bis fünf Millionen Euro sowie die größten Häuser ab einem Umsatzvolumen von 25 Millionen Euro. Weniger gut sah es bei den Größenklassen eine bis 2,5 Millionen Euro und 12,5 bis 25 Millionen Euro Umsatz aus. Für sie ergab sich ein Minus von rund 1,5 Prozent.

Den meisten Umsatz mit Zeitschriften, ca. 30 Prozent, generieren nach wie vor die Fach- und Wissenschaftsverlage. Mit elf Prozent gleichauf folgen Sachbuchverlage sowie Verlage, deren Schwerpunkt auf religiöser Literatur liegt.

Weiter auf Wachstumskurs befinden sich die Anzeigenerlöse. Nach einem Zuwachs von vier Prozent im Jahr 2005 nahmen sie 2006 sogar um 6,7 Prozent zu. Insgesamt machen die Anzeigenerlöse rund ein Zehntel des Gesamtumsatzes aus.

Die Umsätze mit audiovisuellen Medien bewegten sich 2006 bei ca. 203 Millionen Euro. Dies entspricht einem Anteil an den Verlagserlösen von 5,3 Prozent. Allerdings erzielt nur ein gutes Drittel der Teilnehmer an der Schnell-Umfrage überhaupt Umsätze mit dieser Art von Produkten. Die 67 Verlage, die sowohl für 2005 als auch für 2006 einen Umsatz mit audio­visuellen Medien angegeben haben, meldeten eine merkliche Umsatzsteigerung von 7,7 Prozent.

Kosten wurden gedrosselt

Auch wenn sich die Umsätze im Jahr 2006 positiv entwickelten, haben die Verlage ihr Geld nicht leichtfertig ausgegeben. Im Gegenteil. Sie traten in manchen Bereichen kräftig auf die Kostenbremse, beispielsweise in der Herstellung oder bei der EDV. Zwar stehen den Kostensenkungen an der einen Stelle Mehraufwendungen an anderer Stelle gegenüber – dennoch ergab sich am Jahresende 2006 geringfügiger Rückgang der Kosten von einem halben Prozentpunkt. 2005 waren die Kosten um 1,1 Prozent gestiegen.

Das meiste Geld verschlingt nach wie vor die Herstellung. 955 Millionen Euro wurden dafür im Jahr 2006 aufgewendet – immerhin 3,7 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der relative Anteil der Herstellkosten an den Verlagserlösen fällt mit 25 Prozent um zwei Prozentpunkte geringer aus als 2005. Je nach Größenklasse und Spezialisierung verlief die Entwicklung der Herstellkosten jedoch sehr unterschiedlich. Den Rotstift kräftig angesetzt haben die kleinen Verlage (Umsatz bis 125.000 Euro). Hier fielen die Kosten für die Herstellung um 13,8 Prozent. Eine zehnprozentige Reduzierung gab es in der Größenklasse von 250.000 Euro bis 500.000 Euro. In der Relation zum Umsatz steckten die religiösen Verlage und die Sachbuchverlage das meiste Geld in die Herstellung (36 Prozent des Umsatzes), danach folgen Kinder- und Jugendbuchverlage, die einen Wert von 33 Prozent erreichen. Mit rund 18 Prozent nehmen Ratgeber-, Fachbuch- und wissenschaftliche Verlage das wenigste Geld für die Herstellung in die Hand.

Auf die Herstellkosten folgen die Personalkosten, die 23 Prozent des Umsatzes ausmachen. Bei den Kleinstverlagen ist der Anteil mit 17 Prozent am geringsten. Maximal erreicht er 29 Prozent – und zwar bei den Verlagen, die einen Umsatz zwischen einer und 2,5 Millionen Euro erwirtschaften.

Da die Anzahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent zugenommen hat, fallen auch die Personalkosten etwas höher aus. Sie sind um 1,9 Prozent gestiegen. Die geringsten Personalkosten (16 Prozent) müssen die Kinder- und Jugendbuch- sowie die Belletristikverlage aufbringen. Deutlich personalintensiver geht es bei den Fachbuch-verlagen zu. Hier liegt der Anteil der Personalkosten fast doppelt so hoch. Gleiches gilt für die Schulbuchverlage, die nahezu ein Viertel des Umsatzes in ihre Mitarbeiter investieren.

Merklich zugenommen (plus 4,5 Prozent) haben auch die Kosten für freie Mitarbeiter. Die Veränderungsraten reichen von minus 6,6 Prozent bei den Verlagen mit Erlösen zwischen fünf Millionen Euro und 12,5 Millionen Euro bis hin zu 58,8 Prozent bei den Kleinstverlagen.

Um auf ihre Produkte aufmerksam zu machen, haben sich die Verlage 2006 nicht lumpen lassen. Das zeigt die Steigerung der Werbekosten um 4,1 Prozent (2005: 7,6 Prozent). Ein Anzeichen dafür, dass es den Buchproduzenten wirtschaftlich wieder besser geht.

Verleger geben sich optimistisch

Anders als beim Umsatz wird das Jahresergebnis bei der Schnell-Umfrage nicht in absoluten Zahlen erfasst. Stattdessen wird von den Teilnehmern eine qualitative Einschätzung verlangt. Für das Jahr 2006 beurteilen die Befragten ihr Ergebnis nicht ganz so positiv wie im Vorjahr. Dennoch: Immerhin 36,3 Prozent gehen von einem besseren Ergebnis aus, 33,7 Prozent von einem schlechteren. Die größte Zuversicht herrscht bei den belletristischen sowie bei den Fachbuchverlagen. Dort liegt die Quote der Optimisten bei 44 Prozent.

Die größten Pessimisten sitzen in den Schulbuchverlagen. Hier rechnet niemand damit, dass das Ergebnis 2006 besser ausfällt als das des Vorjahres. Wenig Hoffnung auch bei den Verlegern religiöser Literatur: Nur 14 Prozent glauben, dass sie im Vergleich zum Vorjahr besser abgeschnitten haben.

Zu den Umsatzerwartungen für 2007 befragt, geben sich die Befragten recht optimistisch. Fast jeder zweite Verlag geht davon aus, dass sich seine Umsätze erhöhen werden. Der Anteil der Verlage, die sinkende Erlöse einkalkulieren, liegt mit knapp 15 Prozent ungefähr auf Vorjahresniveau.

Etwas weniger rosig sehen die Erwartungen aus, die an das Jahresergebnis gestellt werden. Der Anteil der Verlage, die auf ein besseres Ergebnis setzen, liegt bei rund 45 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das eine Steigerung um knapp sechs Prozent. Rund 40 Prozent der Befragten schätzen, dass ihr Resultat zum Jahresende unter dem Strich unverändert bleiben wird.

Weitere Ergebnisse der Schnell-Umfrage lassen sich in der aktuellen Ausgabe von »Buch und Buchhandel in Zahlen« nachlesen, die im Juli erscheint.


Träger der Schnell-Umfrage:
Verleger-Ausschuss des Börsenvereins

Teilnehmer:
440 Verlage mit einem Umsatzvolumen von 3,82 Milliarden Euro

Auswertung:
Mehr als 50 Seiten umfassender Report, exklusiv für die Teilnehmer an der Umfrage. Die Daten werden anonymisiert von einem Notariat ausgewertet und lassen keine Rückschlüsse auf den teilnehmenden Verlag zu

Informationen:
Rolf Nüthen, Verleger-Ausschuss des Börsenvereins
Telefon: 069 / 1306-327
E-Mail: nuethen@boev.de

(aus Heft 27/2007)

Christina Schulte

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