HINTERGRUND LANGENDORFS DIENST

19.07.2007

Die Messlatte liegt hoch

Monatelang sind die Stimmungsbarometer gestiegen, jetzt sacken viele Kurven wieder ab – zum Glück noch kein Signal für das Ende des Aufschwungs.

So behände in den ersten Monaten des Jahres die Stimmungsindikatoren angestiegen sind, so auffällig sind jetzt die leichten Abknicker in vielen Kurven. Sollte die gute Stimmung enden, bevor überhaupt der erste Aufwärtstrend beim Buchhandel ankommt? Die Antwort erfordert eine nähere Betrachtung der wichtigsten Indizes. Wenn der Ifo-Geschäftsklima-Index in seiner Juni-Ausgabe um 1,6 Punkte zurücksetzt, so geschieht dies auf immer noch hohem Ni­veau. Der meistbeachtete Stimmungspegel der deutschen Wirtschaft steht aktuell bei 107 Punkten, also eindeutig besser als der Durchschnitt des Jahres 2000, den der Ifo-Index mit 100 markiert. Und 2000 war ein Boomjahr.

Auch der zweite wichtige Wirtschaftsklima-Indikator, der bei Finanzexperten abgefragte ZEW-Index Konjunkturerwartungen, hat im Juni einen Knick und liegt unter seinem historischen Mittel. Schlechte Stimmung? Nein. Das hat den einfachen Grund, dass die Lage-Komponente zu gut ist. Lässt sich die aktuelle Lage kaum verbessern, dann sind zwangsläufig die Erwartungen begrenzt. Das bedeutet konkret: Im Juni nannten 89 Prozent der Experten die aktuelle Lage »gut«. Wenn dann fast drei Viertel meinen, dass es so schön bleibt wie zuletzt und dazu 24 Prozent sogar eine weitere Steigerung erwarten, ist das herausragend. Doch beim Erwartungs-Index reicht es eben nur für plus 20 Prozentpunkte. Kein Vergleich mit Erwartungswerten aus schlechten Zeiten, in denen man meinte, dass es eigentlich nur besser werden könne.

Einzelhandel frustriert

Wenn die Stimmung im Einzelhandel von lichten Höhen zuletzt wieder auf neutrales Niveau abgesackt ist, dürfte das damit zusammenhängen, dass seit Monaten vom Aufschwung die Rede ist, der den Fundamentaldaten nach in anderen Bereichen auch längst eingesetzt hat, sogar am Arbeitsmarkt. Nur die Einzelhandelsumsätze krebsen weiter vor sich hin: Die bis Mai übermittelten Daten sind nicht zum Jubeln. Das Statistische Bundesamt hat beim Einzelhandelsumsatz ein Minus von 0,8 Prozent ausgemacht. Der HDE sieht im ersten Halbjahr einen Umsatzstillstand. Der Textilhandel hat in diesem Zeitraum plus ein Prozent errungen. Als Konsumaufschwung ist das nicht überzeugend.

Was aber nichts an der Prognose ändert, dass der Konsum mit der üblichen Phasenverschiebung noch nachzieht. Der HDE rechnet für das zweite Halbjahr schon mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent, die Wirtschaftsforschungsinstitute sehen erst 2008 einen Aufschwung bei den Konsumausgaben voraus.

Schließlich die Kunden: Das Icon-Konsumbarometer weist mit seinem Juni-Wert gleichfalls einen Knick auf. Allerdings ist auch hier das Niveau hoch, die Konjunkturerwartungen sind kaum mehr zu steigern, und die Erwartungen an die Einkommensentwicklung sind optimistisch, gestützt von guten Meldungen rund um den Arbeitsmarkt.

Das Beste kommt noch

Alles ganz normal also, Icon nennt den Kurvenknick »eine Verschnaufpause«, und die GfK erklärt zu ihrem jüngsten Konsumklima-Index, dass die besten Zeiten für den Konsum erst noch kommen. Richtigen Weitblick zeigt da der Buchhandel, der stimmungsmäßig in letzter Zeit eher Nachzügler war. Im Juli aber ist das von Langendorfs Dienst ermittelte LD-Barometer, der Geschäftsklima-Index des Sortimentsbuchhandels, wieder über die Marke 100 geklettert, die den Ausgleich zwischen positiven und negativen Voten anzeigt. Nach 97 Punkten im Juni steht das Barometer jetzt beim Wert 101.

Besonders erfreulich: Endlich sind die Erwartungen wieder besser als die Einschätzung der aktuellen Situation. Zwar nur um einen Prozentpunkt und damit unterhalb der Signifikanzgrenze – aber nach 14 Monaten, in denen es umgekehrt war, ist dies ein positives Signal. Schon zur Jahresmitte hat der Buchhandel einen Umsatzvorsprung gegenüber dem fußballgeschädigten Vorjahr. Wenn sich zu den zwei »Potter«-Launches jetzt auch noch eine allgemeine Konsumbelebung gesellt, sind das gute Gründe für einen weiteren Stimmungsanstieg.

Boris Langendorf

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