19.07.2007
Autor: Ronald Schild: MVB-Geschäftsführer
Rubrik: How free is free?
How free is free?
Die andere Fraktion führt ins Felde, dass es ja durchaus (zumindest vordergründig) kostenfreie Angebote gibt, seine Bücher zu scannen, konvertieren und im Internet zu publizieren.
Eine Marktanalyse spricht eher für den ersten Ansatz: die Konvertierung selbst von gut aufbereiteten und digital vorliegenden Buchdaten in Inhalte, die im Internet präsentiert und gefunden werden können, ist selten unter $ 100 pro Titel zu haben. Es stellt sich die Frage: wie können Google und Co. dann eine solche Leistung dann kostenfrei anbieten? Wie sollen die enormen Anfangsinvestitionen sich refinanzieren? Diese Fragen müssen die Anbieter solcher kostenfreien Leistungen schon selbst beantworten. Für Verleger ist allerdings eine andere Frage wichtiger: behalten sie bei der Nutzung solcher – für den Moment – kostenfreier Angebote langfristig ihre Unabhängigkeit?
Egal, wie diese Fragen beantwortet werden: VTO kann die anderen Geschäftsmodelle nicht einfach ignorieren. Daher untersuchen wir seit einigen Wochen, wie wir die Kosten für VTO möglichst weit reduzieren können. Die grobe Richtung ist bereits vorgestellt worden, unproblematisch ist dieser Weg allerdings nicht. Die Konvertierung von PDFs in verwendbare Formate ist komplex, nur teilweise automatisierbar und damit kostenintensiv. Um hier Wege zu finden, diese Situation im Sinne einer Kostensenkung zu verändern, bin ich letzte Woche zu den Kollegen nach Indien geflogen, die für uns die technischen Umsetzung von VTO betreuen. Nach langen Diskussionen bis tief in die Nacht ist die Marschroute für die nächsten Monate klar: die Hauptpriorität wird darauf liegen, die Konvertierung weitestgehend zu automatisieren und damit die Kosten so weit wie möglich zu senken. Dass wir kurzfristig eine kostenfreie Konvertierung erreichen werden, ist unwahrscheinlich: die Input-Formate, die wir bekommen, sind zu heterogen, von medienneutraler Datenhaltung ist die Branche noch weit entfernt.
Mehr zu der Komplexität der Konvertierung werde ich im nächsten Blog berichten. Bis dahin dürfen Sie auf das neue Geschäftsmodell für VTO gespannt sein.


13 Kommentare
Hallo Herr Schild,
die Verlage, mit denen ich spreche, haben in ihrem Arbeitsablauf nicht die Art von PDF, die VTO benötigt. Für die Teilnahme an VTO muss daher erst das PDF (teilweise mühsam) erstellt werden. Wenn Sie hier relativ deutlich sagen, daß das Ergebnis
1. immer noch zu heterogen ist und
2. eigentlich gar nicht das gewünschte Format für die Verwendung in VTO ist,
warum sagen Sie dann nicht einfach den Verlagen, was das gewünschte Endformat für die Verwendung in VTO ist?
Hallo Herr Schindler,
das PDF ist nach wie vor der kleinste gemeinsame Nenner und das am weitest verbreitete Austauschformat. Natürlich wollen wir VTO in den Produktionsprozess integrieren und somit den Datenaustausch optimieren; allerdings ist die Datenhaltung derzeit so heterogen, dass dies einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben....
Viele Grüße
Ronald Schild
Hallo Herr Schild,
die Ankündigung, VLB und VTO zu kombinieren und dafür den Preis für im VLB gelistete Titel auf rd. 3 Euro anzuheben, nützt wieder nur den großen Verlagen, uns Kleinverlegern mit nicht einmal 50.000 Euro Umsatz aber nicht. Für uns ist ein Jahrespreis von mehr als 150 Euro ein erheblicher Kostenfaktor. Wenn dann noch Kovertierungskosten hinzukommen, dann ist die Existenz gefährdet. Gerade der Kostenfaktor war der Grund, weshalb ich nicht sofort auf VTO eingestiegen bin, denn in der Anfangsphase kostenfrei ist sehr hilfreich, aber wie sieht es in den Folgejahren aus. Kann es in Ihrem Interesse liegen, den Klein- und Kleinstverlagen den Garaus zu machen? Bisher war ich der Meinung, daß auch Sie uns Überlebenschancen einräumen und uns nicht permanent (finanzielle) Knüppel in den Weg legen.
Lieber Herr Wolf,
die überwiegende Zahl von Verlagen profitiert von dem neuen Modell - unabhängig von Größe und Umsatz. Nicht nur kostenseitig durch die erhebliche Preisreduktion bei VTO und die Subventionierung seitens der MVB, sondern vor allem durch die deutlich verbesserten Vermarktungs- und Verkaufsmöglichkeiten, die das kombinierte Angebot von VLB und VTO bietet. Damit bietet die MVB gerade den kleineren Verlagen einen kostengünstigen Einstieg in die digitale Vertriebsschiene.
Viele Grüße
Ronald Schild
Lieber Ronald,
hierin liegt doch genau die Crux selbst für einen modernen Verlag, egal ob klein oder groß:
Obwohl natürlich alle Verlage in der einen oder anderen Form elektronisch layouten und drucken, ist es auch heute immer noch für die überwältigende Zahl an Verlagen ein großer Aufwand - selbst für die ganz ganz großen Namen - auf Knopfdruck ein "online-fähiges" PDF zu erzeugen, um an den neuen digitalen Promotions-Werkzeugen wie Amazon's Search Inside, Microsoft's Live Book Search oder Google Book Search teilzunehmen.
PDF ist zwar eines der am weitesten verbreiteten Datenformate, nur ist eben PDF nicht PDF. Viele Einzelheiten in einer Spezifikation müssen genau eingehalten werden, um optimal mit VTO, Amazon, Google und Co. zusammenzuarbeiten.
Man denke an Schnittmarken, Farbmarken, etc, die alle entfernt werden müssen; aus mehreren Dateien für einzelne Kapitel muß eine einzige Datei erzeugt werden; Dateinamen-Konventionen müssen eingehalten werden etc. Ein sehr großer Aufwand für jeden Verlag, egal ob 50 oder 5.000 Bücher im lieferbaren Programm.
Von einer echten Integrierung in die Produktionsprozesse sind die meisten Verlage noch sehr weit entfernt; das wird sich ganz sicher innerhalb der nächsten Jahre entscheidend erleichtern, nur: soweit ist der "Otto Normalverbraucher Verlag GmbH" noch nicht.
Genau aus diesem Grund haben sich "Google und Co." dazu entschlossen, Ihren Partnern diese "Konvertierung" abzunehmen und auch physische, gedruckte Bücher entgegenzunehmen. Natürlich geht auch das nicht kostenlos, aber der Mehrwert für den Verlag, auf einmal sämtliche Bücher (kostenfrei) bewerben zu können, und natürlich auch der Mehrwert für Google, mehr Inhalte durchsuchbar und findbar zu machen, sind erheblich und rechtfertigen dies.
Damit erübrigt sich für solche Verlage die Frage "Wieviele Bücher kann ich denn nun als Test nutzen; mein Budget zur Konvertierung ist auf X begrenzt..."
Gerade für kleinere Verlage, die mal eben nicht 150 Euro pro Titel ausgeben können, sind das zum Teil kriegsentscheidende Fragen.
herzliche Grüße!
Jens Redmer
Hallo Jens,
und genau in dem, was du beschreibst, setzte mal die Kritik von einzelnen BOeV-Akteuren ein: Bei einer Teilnahme an Google Prin^w Book Search bauen sie keinerlei eigene Kompetenz auf, wie sie mit der Digitalisierung umgehen können. Sie liefern einfach ihr Buch ab und sind dann den Marktentscheidungen eines (so habe ich das fast wörtlich nicht nur einmal vernommen) anonymen (*shudder*) US-amerikanischen (*grusel*) und auch noch branchenfremden (*yikes!*) Suchgiganten ausgeliefert, der die Daten wer-weiss-wo speichert, bearbeitet und sonst wo. Wenn diese Dinge wenigstens nicht geglaubt werden, dienten sie dennoch gerne als Horrorszenario für den GF der von Dir erwähnten Otto Normalverbraucher Verlags-GmbH.
Das Spannende ist, dass das, was mal als Unterscheidungsmerkmal skizziert wurde, nach meiner Wahrnehmung in dem real existierenden VTO so nicht mehr zu finden ist. PDF wird als Transportvehikel benutzt, bis die Daten intern in BookStore wieder in ein Bitmap gesetzt werden. Alle Metadaten wie das mapping von Text auf Seitenstelle werden (offenbar? - Ronald Schild möge mich korrigieren) nicht an die Verlage zurückgegeben, VTO lässt sich das Recht einräumen, seine Daten überall und durch jeden verarbeiten und speichern zu lassen. Ist ja auch eigentlich das praktische und würde nicht auffallen, wenn es da nicht diese Rhetorik gegeben hätte.
Mit der (gefühlten) Zusammenlegung von VLB und VTO oder zumindest der Zwangskoppelung der Teilnahme (oder wenigstens der Bezahlung) ist VTO ja nicht that kind of kostenlos geworden wie GBS es macht, man hat einfach nur die Quersubventionierung neu erfunden.
Ein Zyniker könnte nun einbringen, daß das neue Preismodell von VTO/VLB eigentlich eine Wette gegen den Erfolg von VTO ist, da es sich für die MVB erst dann lohnt, wenn möglichst wenige Verlage auf die aktive Teilnahme an VTO verzichten. Mir fehlen dafür Zahlen, um mich dem anzuschließen.
Grüße ,
Mathias
Der letzte Absatz enthält einen sinnentstellenden Fehler und mir fehlt der Edit-Button: "möglichst viele Verlage" sollte es heissen.
Hallo Herr Schild,
ich habe in den letzten beiden Tagen mit ca. 15 Dissertationsverlagen gesprochen, die folgende Konstellation haben:
- viele Titel
- wenig verkaufte Exemplare pro Titel
- pdfs umsonst und bereits durchsucht bei der Deutschen Bibliothek komplett und umsonst hinterlegt, weil von den Prüfungsordnungen der Unis so gefordert
Und die Reaktion dieser von mir kontaktierten Verlage war bis auf einen einzigen überall gleich: Die Titel die älter sind als 2 bis 3 Jahre werden alle aus dem VLB rausgenommen um sich die Zwangsgebühr zu sparen.
Von den angefragten Disertationsverlagen mit einer Gesamtzahl von ca. 30000 Titeln war nur ein einziger Verlag interessiert VTO zu testen, die restlichen Verlage werden radikal Titel streichen, obwohl diese weiterhin lieferbar sind.
Ich prophezeihe es hier und würde Wetten in beliebiger Höhe entgegen nehmen.
VTO wird ein riesiger Misserfolg, denn es ist schlechter als Google Books und kostet ein Vielfaches.
Gleichzeitig wird das VLB einen Titelschwund ungeahnten Ausmaßes erleben und damit noch schlechter, als es jetzt möglicherweise schon ist.
Ich werde VTO nicht probieren, ich werde testen, was passiert, wenn ich alle Bücher aus dem VLB abmelde. Möglicherweise ist der Umsatzverlust geringer als die Gebühren? Dann hätte sich die Ankündigung der Zwangsgebühr für VLB und VTO auch für mich gelohnt :-)
Kann mich meinem Vorredner nur anschließen, Wo ist eigentlich der Edit Button? Ich würde die VLB Gebühren gerne editieren, 3 Euro für Papiermeldung pro Jahr und 0,10 Euro für elektronische Meldung per ONIX. Schon jetzt wird quersubventioniert.
Grüße
Wolfgang Engel
Hallo Wolfgang Engel,
haben Sie/hast Du bei der Gelegenheit die Kollegen nach ihren Erfahrungen bei GBS und Amazon befragt? Man könnte ja annehmen, daß durch die relativ freie Verfügbarkeit des Textes durch die DNB (zwar nicht warhnsinnig offensiv promoted, aber für die Zielgruppe wohl findbar) eine Volltextanzeige der Arbeit (bei entsprechenden Nutzungsrechten) dort möglich und ggf. sogar sinnvoll wäre.
Spannend wäre dabei auch die Frage, ob die Autoren am Ende sogar an einer solchen Bewerbung direkt und indirekt verdienen würden und daher von selbst bei dem Verlag ihrer Wahl nach solchen Aktionen fragen.
Mathias
Hallo Mathias,
ich habe die Kollegen gefragt. Je nach Thema des Sortimentes ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Bei Verlagen mit Thema Chemie und Physik, oder Naturwissenschaften allgemein wird das pdf bei der DNB gefunden, da der dort hinterlegte Volltext (wir nutzen die DNB als Sicherheitskopie für unsere Druckdateien) ja von Google durchsucht und indiziert wurde. Bei der DNB erfolgt eine Volltextanzeige und die Dateien sind auch alle im Google Cache. Sehr praktisch, da dann die Suchworte im html farbig hinterlegt sind.
Die Sache mit den Aktionen habe ich nicht ganz verstanden. Es ist so, dass über 90% unserer Autoren bei Kontaktaufnahme die Rechte an der Internetversion bereits an die Uni abgetreten haben um den Titel vorläufig führen zu können. Aus diesem Grund sichern wir uns auch die Rechte garnicht. Es sind auch andere Verlage nicht mehr an den Rechten für die pdfs interessiert. Ich prophezeihe weiterhin, dass es in 5 Jahren Pflicht geworden ist, ein pdf der Doktorarbeit beim Prüfungsamt abzugeben.
Als ehemaliger Wissenschaftler finde ich es auch sinnvoll in diesem Bereich (Dissertationen, Habilitationen etc.) die pdfs als Volltexte umsonst ins Netz zu stellen. Die Dissertationsverlage die es betrifft haben sich ja in den letzten Jahren darauf eingestellt und leben mehr von der Dienstleistung ein "schönes" Buch zu gestalten.
Amazon ist kaufmännisch gesehen ein Desaster und weil die Leute bei Amazon zu **** sind und nicht merken, dass sie das so wie bei Ebay machen müssten, wird sich das auch nicht ändern. Ich empfehle meinen Kunden, selbst ein Buch bei Amazon einzustellen. Wenn es dort jemand findet und es gekauft wird, freut sich mein Autor und er oder sie hat auch kein Problem dem Finanzamt zu erklären, warum kein Rechungsbetrag mit den eingehenden Überweisungen übereinstimmt und wohin die luxemburgische Mehrwertsteuer zu fließen hat.
Wir Dissertationsverleger hegen den Verdacht, dass sich unsere Bücher aufgrund der zitierten ISBNs in Papers verkaufen und weil manchmal besonders aktive Profs dabei helfen eine Rezension an auffälliger Stelle zu platzieren. Ich finde den Test spannend, ob sich auch Bücher verkaufen, wenn sie nicht im VLB stehen.
Grüße
Wolfgang
Wir haben vor einigen Monaten das VTO-Angebot eingehend geprüft und für uns entschieden, es nicht in Anspruch zu nehmen, es gibt andere, bessere und billigere Möglichkeiten (Crawler-fähige PDFs auf der eigenen Website, DDB, Google usw ...).
Die Zwangskopplung von VTO und VLB ist für uns schlicht eine Preiserhöhung um etwa 150 %. Bei einer Backlist von knapp 3000 Titeln würde das VLB für uns um etwa 5000 Euro (p.a.!) teuerer. Notabene ohne Zusatznutzen!
Ein wenig erinnert mich das an die Geschichte des Microsoft Internet Explorers: Andere boten bessere, effizientere und preiswertere (bis hin zu kostenlosen) Alternativen ... Die - sachlich auch hier nicht sinnige - Zwangsheirat mit Windows war der verzweifelte wie legendäre Versuch eines Quasimonopolisten. Unabhängig von der kartell- und wettbewerbsrechtlichen Beurteilung - diese steht im vorliegenden Fall ja noch aus: Ein G'schmäcke hat die Sache immer.
Ich denke die Zwangskopplung ist auch für das VLB langfristig höchst ungeschickt: Statt die Katalogkosten gegen Null zu bewegen, treibt man sie hoch und engt damit die Auswahl ein statt sie zu erweitern. Schade ums VLB.
VTO: Wer es will: Gerne. Wer nicht: Nein danke. Lasst doch die Kunden 8hier: Verlage) entscheiden, was sie jeweils möchten!
Hallo Herbert,
spätestens ab Deinem Posting stellt sich die Frage, ob eine Firma oder Initiative oder eine Gruppe in der Lage wäre, ein Produkt oder Projekt zu stemmen, das die Funktionalität von VLB günstiger (bzw. für Verlage und Nutzer kostenfrei) erledigen kann.
Ausgehend von der DNB-Nationalbibliographie plus einem zusätzlichen Lieferbarkeitsflag, welche Daten würden denn da noch fehlen und welche Zugangsmöglichkeiten zum Datenbestand?
Hallo Matthias,
darf ich fragen wie du "betroffen" bist von der VTO-VLB Geschichte?
Welche Daten fehlen:
- Rabattpreisangabe (weil kleine Verlage oft nicht 35% Rabatt geben können oder wollen, gerade wenn die Autoren 30% bekommen und die Druckkosten 25% ausmachen)
- eine Art "Urlaubsfeld" für den Verlag vermisse ich beim VLB und das kann man natürlich auch nicht einbauen. Es gibt sehr viele "Einmann"verlage und es ist echt nervig 2 Wochen in den Urlaub zu fahren und irgendwelche Reklamations- und Doppelbestellungen zu bearbeiten.
Ich denke die Firma die mit G anfängt und mit oogle aufhört könnte das machen, denn die Lieferbarkeitsdaten könnte man ja zu den Buchpdfs dazupacken. Amazon könnte theoretisch auch stemmen, aber die sind ja zu ****, denn die können ja nichtmal eine korrekte Abrechnung liefern. Auch KNV und Libri könnten das stemmen, bzw. die machen das ja eigentlich schon "Weitergeleitete Bestellung von LIBRI....", aber wollen das eben nicht "offiziell" machen. Verstehen muss man das aber nicht.
Grüße
Wolfgang