23.08.2007
Preiswende in Sicht
Während die Verbraucherpreise kontinuierlich steigen, bewegte sich der Preisindex Bücher des Statistischen Bundesamts von Februar 2006 bis Juli 2007 im Minusbereich. Die Schere zwischen Lebenshaltungskosten und Bücherpreisen geht schon länger auseinander – nachdem sich die Preisniveaus bis zum Jahr 2000 im Gleichschritt entwickelt hatten. Zwar stiegen beide Preisindizes auch von 2000 bis 2005 noch weiter, allerdings hielten die Preise für Bücher schon in diesen Jahren nicht mehr mit den Lebenshaltungskosten Schritt.
Würde man den Lebenshaltungskosten nicht den amtlichen Bücher-Index, sondern die Preisentwicklung entgegensetzen, die das Barsortiment KNV bei seinen Lieferungen ans Sortiment ermittelt hat – dann wäre die Differenz noch deutlicher. Diese Daten, im Zweifel näher am Markt als die amtlichen Zahlen, zeigen, dass der Durchschnittspreis der verkauften Bücher schon seit 2003 rückläufig ist. Auch Daten aus dem Filialbuchhandel belegen, dass der tatsächlich an der Kasse gezahlte Bücherpreis in den vergangenen Jahren gesunken ist.
In der Relation von Bücherpreisen und Lebenshaltungskosten zeichnet sich jetzt allerdings eine Wende ab. Während sich die Steigerung der Lebenshaltungskosten seit Monaten bei etwa 1,9 Prozent einpegelt, ist die »amtliche« Preisentwicklung bei Büchern im August wieder aus der roten in die schwarze Zone aufgestiegen. Freilich liegt auch das Plus von 0,3 Prozent im August immer noch weit unter der allgemeinen Teuerungsrate. Eine Schuld am Preisauftrieb muss sich die Buchbranche also noch lange nicht geben lassen.
Erste Anzeichen für eine Preiswende werden auch von Marktteilnehmern bestätigt. Filialbuchhandlungen melden im Juli erstmals seit Langem wieder einen leicht steigenden Durchschnittspreis pro Buch. Und im Barsortiment sollen sich seit Juni wieder anziehende Durchschnittspreise abzeichnen.
Die These: In umsatzschwachen Zeiten werden niedrigpreisige Bücher stärker nachgefragt, was den Durchschnittspreis nach unten drückt. In den Monaten Juni und Juli haben sich die Branchenumsätze wieder erholt – damit normalisiert sich auch die Preisstruktur wieder. Der Durchschnittspreis steigt.
Stimmt diese These, darf die Buchbranche im voraussichtlich umsatzstärkeren zweiten Halbjahr auf eine weitere Stabilisierung beim Preisniveau hoffen. Zumal im Oktober der neue »Harry Potter« auf die Waage kommt, der mit 24,90 Euro klar über dem Durchschnittsgewicht liegt.
Boris Langendorf
[...] Tags: Konjunktur, Langendorfs Dienst

