20.09.2007
Kein Absturz zu befürchten
Der Blick auf die deutschen Stimmungskurven zeigt seit einigen Wochen keine richtige Aufschwungstimmung mehr. Ist es mit dem Konjunkturhoch vorbei, bevor die Konsumenten überhaupt wach werden? Schon der wichtigste Anzeiger des Verbraucherbefindens, der GfK-Konsumklimaindex, sackt plötzlich wieder nach unten. Anders als im Frühsommer bewegt sich dieser Index nun auf niedrigerem Niveau. Die Erwartungen der Verbraucher an die Entwicklung der Konjunktur und des eigenen Einkommens haben sich schon wieder reduziert. Und der Aufstieg der Anschaffungsbereitschaft aus den Tiefen des Januar ist auch ins Stocken geraten.
Die GfK begründet den stockenden Verlauf ihres Index damit, dass die Konsumenten-Psyche sensibel auf die steigenden Preise für Milch und Brot reagiert. So sehr, dass die Fortschritte am Arbeitsmarkt und die damit verbundene höhere Einkommensentwicklung und -sicherheit verdrängt werden. Der zweite Konsum-Index, das icon-Konsumbarometer, hat zwar seinen Höchststand noch gehalten, sendet aber dennoch eine ganz ähnliche Botschaft aus.
Die Stimmung der Konsumenten hat sich anscheinend wieder erholt, nur setzen diese das (noch) nicht in konkrete Anschaffungen um. In das Bild einer sich abschwächenden Grundstimmung passen die Institutsprognosen zum Wirtschaftswachstum 2007 und 2008, die seit wenigen Wochen reihenweise zurückgenommen werden. Zuletzt von KfW, OECD und dem Kieler Institut für Weltwirtschaft.
Zuverlässige Kennzahl
Dass die aktuelle Konjunkturlage dennoch keinen Anlass gibt, jetzt schon den Abschwung auszurufen, zeigen nicht nur die Lage-Komponenten der Stimmungsindices, sondern die fundamentalen Wirtschaftsdaten. Allen voran die Auftragslage der Maschinenbauer. Sie spüren schon heute die Konjunktur, die erst morgen die übrige Industrie erreicht.
Die Auftragseingänge beim Maschinenbau sind ein Frühindikator hoch zwei. Und diese Kennzahl zeigt Monat für Monat unentwegt nach oben. Zwar weisen die Zuwachsraten in den letzten zwölf Monaten einen leicht abnehmenden Trend aus, aber es sind eben immer noch stolze Zuwachsraten, vielfach im zweistelligen Prozentbereich.
So lange es hier nicht abwärts geht, müssen wir um Konjunktur und Konsum nicht besorgt sein. Es steht kein Absturz vor der Tür, auch wenn sich einige Stimmungskurven jetzt nach unten neigen.
Boris Langendorf

