HINTERGRUND MEINE LIEBLINGSBUCHHANDLUNG
Georg M. Oswald© Isolde Ohlbaum

Georg M. Oswald über Amazon

»Ein bisschen anstößig« findet Georg M. Oswald, dass er seine Bücher bei Amazon sucht. Verraten auch Sie uns, zu welchem Buchhändler Sie eine besondere Beziehung haben - direkt an dieser Stelle in Form eines Kommentars.

Auf Lesereisen bin ich schon in vielen Buchhandlungen gewesen, die meine Lieblingsbuchhandlungen sein könnten, wenn sie denn erreichbar für mich wären. Natürlich gibt es auch in München schöne Buchhandlungen, aber keine ist in meiner Nähe.
Ich hätte so gerne einen »Buchhändler meines Vertrauens«, einen Verbündeten, der mein Bücherregal so gut kennt wie sein eigenes und weiß, was er mir zeigen muss, um mich einzufangen, ohne dabei aufdringlich zu sein. Seine Buchhandlung dürfte kein Umschlagplatz für Gedrucktes, sondern müsste eine bizarre Landschaft voller versteckter, unbekannter Schätze sein.
So wie die Basis-Buchhandlung in Schwabing in den 70er und 80er Jahren. Ich ging noch zur Schule damals, meine Freunde und ich sparten Geld, und dann fuhren wir dorthin, um ganze Nachmittage in der Buchhandlung und im Antiquariat zu verbringen. Es ging nicht einfach darum, Bücher auszuwählen und zu kaufen. Wir erforschten Regal für Regal und lernten auf diese Weise ganze Kontinente der Literatur kennen oder erhielten zumindest eine Ahnung davon, wo sie lagen und wie wir sie err
eichen ­konnten.
Die Bücher, für die wir uns am Ende entschieden, waren nicht nur ein paar Titel, die wir mitnahmen, sie waren Vorboten, Versprechen, die uns sagten: »Hinter jedem von uns stehen 100 andere und hinter jedem von diesen 100 weitere. Sucht und findet sie!« Das taten wir, wir hatten keine Angst, uns ­dabei in Beliebigkeit zu verlieren, wir hatten die Freiheit, aus­zuwählen, was immer wir ­wollten.

Schön und romantisch

Wenn wir nach Stunden solchen Suchens und Findens die Buchhandlung verließen, war ich wie betäubt von der Schwere der Eindrücke, die ich empfangen hatte. Bei der Lektüre wirkten sie wochenlang nach, bis zum nächsten Besuch. Tja, das war schön und wildromantisch – heute sieht die Sache sehr viel nüchterner aus.
Alte Bücher suche ich im ZVAB, neue bei Amazon. Ich weiß, das ist ein bisschen anstößig, aber ich muss zugeben, Amazon ist längst nicht so eine kalte und technische Angelegenheit, wie es das Klischee will. Die ausgetüftelten Empfehlungsfunktionen können einen beim Surfen in Regionen führen, in die man sonst nie gekommen wäre.
Schon gar nicht in einem »Only-Crichton-and-King-Bookstore« wie es ihn bei den Simpsons, und nicht nur dort, gibt. Für die alten Basis-Erlebnisse ist das kein Ersatz, aber ich habe oder nehme mir leider auch nicht mehr die Zeit, ganze Nachmittage in einer Buchhandlung zu verbringen. Vielleicht sollte ich das mal wieder tun.

3 Kommentare

1. Michael Stock 20.09.2007 14:02h Lieblingsbuchhandlung
Meine Lieblingsbuchhandlung ist die Buchhandlung Vaternahm in Wiesbaden.
Ansonsten´helfen mir die Empfehlungen aus der ARD-Sendung "Druckfrisch" (Sendung ist leider viel zu kurz), aus "Lesen" und aus dem Perlentaucher (absolut unverzichtbar).
2. Zentral Antiquariat Leverkusen 21.09.2007 14:27h
Noch mal Zentral Antiquariat Leverkusen: Zum obigen Artikel. Was heißt anstößig? Ungenügend!
Ich verbiete meinen Kunden nicht, in die anderen Buchhandlungen zu gehen, denn damit es die vielen verschiedenen Buchhandlungen und Antiquariate gibt, dafür sind wir Buchhändler ja noch da. Aber ich wünsche mir von meinen Kunden, daß sie mich nicht vergessen und mich unterstützen, damit ich sie unterstützen kann, indem sie regelmäßig bei mir reinschaun, oder bestimmte Bücher erst bei mir nachfragen. Nur so kann ich weiterexistieren. MfG Christine Weihermüller-Curylo (Ich gebe zu Amazon kann ich nicht leiden)
3. Redaktion Literaturtipp.com 21.09.2007 16:44h http://www.literaturtipp.com
Ohne amazon würde es Literaturtipp.com nicht mehr geben - ohne Buchhandlung (Bücher Heymann in Hamburg-Eppendorf) würde es mich als Rezensentin gar nicht geben.

Obwohl auch ich oft auf amazon schimpfe - zu unpersönlich, zu fehlerlastig - ist und bleibt diese Internetbuchhandlung unsere erste Wahl. Wir haben es 2 Jahre mit Libri versucht und sind gescheitert, weil Libri viel zu unbekannt ist, unsere Leser dort einfach nicht bestellten.
Ich kann Herrn Oswald nur bestätigen: Als Recherchepool ist amazon unverzichtbar - genauso wie die Besuche in einer Buchhandlung, die für mich auch heute noch so oft es geht dazu gehören. Und: Ich kenne viele, die so zweigleisig fahren und dies gar nicht anstößig finden. amazon ist einfach praktisch - die Atmosphäre in einer Buchhandlung schlicht unersetzbar.

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