Antiquariat

05.10.2007Online-Buchhandel

ZVAB-Studie „Antiquariate im Internet“ aktualisiert

Die von Michael Jean Gschrei im Auftrag der Online-Plattform ZVAB erstellte Studie „Antiquariate im Internet“ steht jetzt in einer 3., aktualisierten Fassung kostenlos zur Verfügung.

Gschrei schätzt das Marktvolumen des deutschen Antiquariatsmarkts auf circa 300 bis 350 Millionen Euro pro Jahr. Zu seinen fünf „Thesen für die Zukunft“ zählt unter anderem: „Die Anzahl der marktbestimmenden Anbieter wird gleich bleiben oder durch Fusionen abnehmen. Kleine Anbieter und Newcomer haben praktisch keine Chance. Die Eintrittshürden (barriers to enter) sind zu hoch.“ (These 1)

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2 Kommentar/e

1. Peter Mulzer 05.10.2007 15:53h www.zuraltenzeit.de

In dieser Studie wird ein uralter Irrtum weiter kolportiert - daß es für die deutschsprachigen antiquarischen Bücher einen "Weltmarkt" geben könne. Das ist natürlich ausgemachter Unfug. Der deutschsprachige Altbuchmarkt bleibt auf sein altes Kerngebiet eingegrenzt, eine Ausweitung ist völlig unmöglich und undenkbar. Man wäre den Verfassern solcher Studien dankbar, mit dieser unsinnigen Denkschiene in Richtung "Weltmarkt für deutschsprachiges Antiquariat" endlich einmal aufzuhören.

Dem Verfasser scheint auch unbekannt zu sein, daß der Hauptgrund für den stagnierenden Absatz von Millionen alter Bücher in der bibliographischen Unkenntnis der allermeisten Benutzer begründet ist. Er geht sehr blauäugig an die Kernfrage des ZVAB heran, wenn er flott daherschreibt: "Der Suchprozess ist für den geübten Internet-Benutzer bei allen Plattformen recht einfach angelegt". Wir können die bleierne Riesenwalze ZVAB in ihren unbeweglichen älteren Schichten erst dann wieder in Gang bekommen, wenn wir eine Methode finden, mit der der Sammler und Nutzer w i s s e n kann, wie es in dem älteren Bücheruniversum aussieht.

Die bisherige retrobibliographischen Erschließungstechniken des ZVAB sind ungewöhnlich stümperhaft und ganz untauglich.

Kleinere Korrekturen wären hin und wieder angebracht; so übernimmt der Verfasser den töricht-dümmlichen Begriff (von Focus, wen wunderts) des "wissensorientierten" Kunden: (Online-Handel) "Hier betätigen sich... vor allem wissensortientierte Buchkäufer..." (S.3), oder er bindet uns lustige Bären auf wie: "Eher weniger gefragt bleiben Bücher zu den Themen Sport, Erotik oder Auto" (S.6).

Insgesamt ist die Studie für ihre Zahlenangaben ganz verdienstlich, dagegen wird sehr fühlbar, daß kein Antiquar, sondern ein blutiger Altbuch-Laie am Werk war.

2. RF Meyer 05.10.2007 18:20h www.meyerbuch.com

Eine Studie, die nicht auf gründlichen eigenen Erhebungen des Autors basiert, sondern auf dem Zahlenmaterial Dritter, das zusammengeklebt wurde – und die fröhlich die daraus resultierenden Widersprüche weitergibt: Seite 6: Online-Handel 20% des Umsatzes, dagegen Seiten 5 & 20: 55%.
Die sich aus den Verkäufen über Zvab etc. ergebende „annualisierte“ Statistik auf Seite 12 möchte ich nicht so ganz ernst nehmen, hierbei handelt es sich um dürftiges Ausgangsmaterial, das aufgeblasen wurde und dessen Erhebungskriterien nicht mitgeteilt werden.
Wenn man für solch Geschreibe (hier fallen mir insbesondere die Punkte 4 und 5 ins Auge: welch ein Sammelsurium an Allgemeinplätzen, wunderschön: „Neben Neukundengewinnung wird auch Stammkundenbindung eine wichtige Rolle spielen.“ O, ja!) sein Geld hinauswerfen will, na fein, aber wessen Geld ist das letztlich?
Und als Werbung für das Zvab wohl ebenfalls nicht recht brauchbar, da zu offensichtlich aufgetragen.
Gruß, RF Meyer

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