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Guy Helminger: Von dem Kölner Autor ist vor Kurzem der Roman »Morgen war schon vorbei« (Suhrkamp) erschienenGuy Helminger: Von dem Kölner Autor ist vor Kurzem der Roman »Morgen war schon vorbei« (Suhrkamp) erschienen© Jürgen Bauer Klaus BittnerKlaus Bittner© Emmanuel van Stein

Guy Helminger über die Buchhandlung Bittner

»Man verlässt die Buchhandlung mit dem Glücksgefühl, der Tag heute habe sich durchaus gelohnt«, sagt Guy Helminger über die Buchhandlung Bittner in Köln. Verraten auch Sie uns, zu welchem Buchhändler Sie eine besondere Beziehung haben - direkt an dieser Stelle in Form eines Kommentars.

Als ich 1985 Heidelberg Richtung Köln verließ, war mir der Name Bittner bereits ein Begriff, weil ein Seminarkollege mir vom »Laden« in der Albertusstraße erzählt und mir vorausgesagt hatte, ich würde fortan meine Bücher dort kaufen, es gäbe in der Domstadt keine Alternative. (Unter uns gesagt, der Kommilitone hatte mir ebenfalls eine Kneipe, eine Bäckerei und eine Tankstelle empfohlen.) Aber was die Buchhandlung Klaus Bittner anbelangte, so merkte ich schnell, dass zwischen den Regalen ein Wind wehte, dem ich mich nur zu gern aussetzte.

Ich prüfte zuerst, ob es eine Lyrikecke gab, denn ich hatte gerade meinen ersten Gedichtband beendet und wertete alle Buchläden nach ihrem Sortiment an Gedichtbänden. Bei Klaus Bittner war ich baff. Er hatte nicht nur die internationale Riege der Jamben-Götter dort stehen, sondern auch die junge deutsche Szene, zudem, was Köln und Umgebung an Vers-Arbeit so her-gab. Das hat sich übrigens bis heute nicht geändert! Und das Beste ist, man kann mit ihm über diese Bücher reden, er kennt sich aus. Genau wie seine Mitarbeiter, die dem Kunden jederzeit mit ihrem Wissen, ihrer Leseerfahrung zur Seite stehen, wenn er es denn wünscht. Mir gefällt das außerordentlich, denn ich hasse nichts mehr, als in einen dieser riesigen Papiertempel zu kommen und nach der ersten einfachen Frage schon zu merken, dass es dem Verkäufer eigentlich egal ist, ob er Schuhe, Reißzwecken oder Bücher absetzt.
Bei der Flut an Veröffentlichungen, die jede Saison auf den Markt kommt, ist es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass man ältere Bücher bestellen muss; also ich weiß nicht, wie Klaus Bittner das macht, aber sehr oft findet sich bei ihm irgendwo dann doch das Gesuchte, und man verlässt die Buchhandlung mit dem Glücksgefühl, der Tag heute habe sich durchaus gelohnt. Literatur ist hier weder die hehre Kunst, vor der es zu verstummen gilt, noch die Ramschware, die keine Alternative zum Fernsehprogramm bietet, sondern schlichtweg ein Teil des Lebens selbst. Literatur wird hier nicht zelebriert, sie ist einfach, ist Literatur, so wie man selbst Mensch ist.

Wenn ich heute, mehr als 20 Jahre nach meinem ersten Besuch, die Buchhandlung betrete, schaut Klaus Bittner kurz von seinem Schreibtisch auf und begrüßt mich mit einem freundlichen und keineswegs ironiefreien »Hallo, Dichter«. Ich grinse zurück und widme mich den Buchreihen, oder wir reden über den Literaturbetrieb, den er besser kennt als ich, sprechen über Verlage, Preisvergaben oder die nächsten Lesungen, die er organisiert. Neben der Kasse liegen Literaturzeitschriften aus; ich sehe das »Schreibheft«, »Sinn und Form«, »sprachgebunden« … und denke, großartig, so muss es sein. Hier werde ich weiterhin meine Bücher kaufen, und sollte ich einmal umziehen und Köln verlassen, werde ich Klaus bitten, das Gleiche zu tun.

1 Kommentare

1. Rabbi8 10.10.2007 13:23h
Quatsch. Wenn ich bei Bittner bin, ist er regelmäßig derartig arrogant und selbstverliebt, dass ich schon Angst habe, das nächste Mal wieder hinzugehen. Ob er Anteile an Suhrkamp hält? Jedenfalls scheint er zu glauben, ER wäre die Literatur. Klar hat er gute Bücher im Regal. Aber obwohl ich Bücher liebe, gehe ich nur zu ihm, wenn ich mich ganz, ganz, ganz stark fühle. Ob das zur intellektuellen Sensibilität hoher Literatur passt - wohl mehr als eine Geschmacksfrage.

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