14.10.2007
Autor: Sabrina Gab: Börsenblatt-Redakteurin
Rubrik: Auf der Messe
Der Umgang mit geistiger Verwirrung
Demonstriert wurde uns das Ganze anhand der Tintenblut-Ausgabe, die meine Kollegin auf dem Tisch neben uns abgelegt hatte. Das Gemeimnis steckt in einer kleinen Plastikfolie (leider hab ich keinen Fotoapparat zur Hand, ich hätte Ihnen die geniale Erfindung gerne vor Augen geführt). In dem Tütchen befinden sich nämlich sogenannte intelligente Textfinder Lesezeichen - kleine gelbe Zettel (früher hätte man Post its dazu gesagt), die man mit ihrem gummierten Ende genau an die Textstelle legen kann, wo man später mit dem Lesen fortfahren möchte. Soweit so gut, werden Sie denken. Das ist auch schon alles, kann ich Ihnen sagen. Und ich muss leider auch gestehen, dass ich dem Herrn, der mir und meiner Kollegin diese Neuheit präsentiert hat, nicht länger zuhören konnte. Sie ist gutmütiger und hat pflichtbewusst an den richtigen Stellen genickt, wenn auch etwas gequält. Ich kann so etwas nicht. Da ich nicht entkommen konnte, wollte ich mich wenigstens der aktuellen Nachrichtenlage widmen, weswegen ich ja auch eigentlich hier sitze - nein, wir sind kein Infopoint und nein, wir können auch nicht die klägliche Berichterstattung über die Messe in Funk und Fernsehen beeinflussen - das wurden wir nämlich kurz vorher von einem anderen Herrn gefragt (aber das nur am Rande (des Wahnsinns) ). Also, wo war ich (wo bin ich hier eigentlich?). Ich also, vom Lachkrampf gepackt, geh auf die Seite von Spiegel Online. Und was muss ich da lesen? "Geistig Verwirrter greift Bundespräsident Köhler an". Ja, was ist denn da blos los am letzten Messetag? Haben plötzlich alle die Kontrolle über sich verloren? Zum Glück konnte Köhlers Personenschutz den geistig verwirrten Mann überwältigen, der ihn von hinten umklammern wollte. Dem Bundespräsidenten ist nichts passiert. Jetzt weiß ich auch, warum hier soviel Standpersonal ist. Die sind alle nur wegen mir da - zu meinem Schutz, inkognito versteht sich.


2 Kommentare
Ich benutze diese Lesezeichen mittlerweile in meiner gesamten aktuellen Lektüre und finde die Dinger großartig! Sie ersparen mir, den Text zum Weiterlesen zu suchen. Es handelt sich übrigens nicht um Haftnotizzettel, die man irgendwo hinpappen kann, sondern um kleine Kärtchen mit gummierter Kante. Man steckt sie in den Mittelfalz des Buches an die Stelle, wo man später weiterlesen möchte. Bisher zeigten mir Lesezeichen nur die beiden zuletzt gelesenen Seiten. Selbst wenn ich anderntags weiterlas, mußte ich immer suchen, was ich zuletzt gelesen hatte. Insofern haben die "intelligenten" Lesezeichen (auf meiner Packung in Anführungszeichen!) tatsächliche meine Lesegewohnheiten geändert. Natürlich nur ein kleines aber sehr angenehmes Bißchen. Der Buchhandel bietet nur Seitenfinder, die 1 bis 3 Euro kosten. Mein teuerstes Lesezeichen fand ich kürzlich im "Lob der Lüge" aus dem C.H.Beck-Verlag: eine Quittung über juristische Fachliteratur mit schmerzhaft hohem DM-Betrag, die ich gerne für meine Steuererklärung gehabt hätte ...
Hallo Frau Gab! Ich bin der Auslöser Ihres BLOGs hier! Gleich mal vorweg: Für den "Friedenspreis des Deutschen Lesezeichen-Handels" werde ich Sie nicht vorschlagen. So sehr verwirrt erschienen mir die an Gläsern nippenden, zur
Messe rekrutierten "Buchhandelsbörsianer" auch nicht am Abend des vorletzten Messetags, als ich jemanden suchte beim Veranstalter der Frankfurter Buchmesse, um die TEXTFINDER-LESEZEICHEN vorzustellen. - Allerdings schlug mir so viel Langeweile entgegen, als ich mein Päckchen mit cleveren Lesezeit-Sparern präsentierte, daß ich nur mit dem Hinweis auf eine "Lesegewohnheit-Revolution" genug Interesse wecken konnte. Geistschaffenden müßte klar sein, daß es noch immer sehr viele Analphabeten gibt, folglich nicht die ganze Menschheit gemeint sein konnte. Recht viel Ignoranz und Geschreibsel am Wesentlichen vorbei, Frau Gab! Wie Ulf Simmroth treffend rüberbrachte auch noch falsch und irreführend. So viel Beschäftigung mit einem kleinen Organisationsmittel, das bisher alle begeisterte, die sich damit beschäftigten. Wie das? Kamen Sie mit dem dahinterstehenden Friedensengagement nicht klar, das mit diesen Lesezeichen um Aufmerksamkeit bittet? Zu viel Superlative in der drückenden Relativität des Buchmarktes mit bald mehr Autoren als Lesern? Wenn Sie nicht allzu verwirrt sind, können Sie ja mal was dazu sagen ... Trotz allem schöne Grüße vom Erfinder des "intelligenten" Lesezeichens, der sich der Winzigkeit der Erfindungshöhe bewußt ist. Das Loch in den Leitzordnern war aber auch eine große Erleichterung, auf die erst jemand kommen mußte.