10.10.2007
Weiterhin optimistisch
Das Stimmungsbarometer im Sortiment zeigt weiter nach oben: Nachdem sich die Sortimenter bereits im zweiten Halbjahr 2006 deutlich optimistischer über ihre Umsatzentwicklung geäußert hatten, setzt sich dieser Trend im ersten Halbjahr 2007 fort: Die Situation wird im Vergleich zum Vorjahr deutlich besser beurteilt, und auch die Umsatzerwartungen der Buchhändler für die zweite Jahreshälfte sind positiv – ein Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage, die das IfH (Institut für Handelsforschung an der Universität zu Köln) zur Jahresmitte im Auftrag des Börsenvereins durchgeführt hat. Insgesamt 313 Buchhändler haben ihre Geschäftsentwicklung für den Zeitraum von Januar bis Juni 2007 beurteilt und gaben darüber hinaus eine Prognose für die weitere Umsatzentwicklung von Juli bis Dezember ab.
Klarer Aufwärtstrend
Nach dem Umsatztiefpunkt im ersten Halbjahr 2002 und nach einer erneuten deutlichen Schwäche im ersten Halbjahr 2006 ist bei den Umsatzeinschätzungen der Sortimenter seit einem Jahr wieder eine positive Stimmung erkennbar. Deutlich mehr als ein Drittel (38,6 Prozent) der Buchhändler sagen, dass sich ihr Umsatz von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbessert oder sogar stark verbessert habe. Dieser Entwicklung stehen 27 Prozent entgegen, die einen Umsatzrückgang verzeichnen – der niedrigste Wert in der Langfristbetrachtung seit dem Jahr 2000.
Allerdings zeigt sich noch immer ein – wenn auch vergleichsweise geringes – Ungleichgewicht zwischen Ost und West: Während in den alten Bundesländern 39,4 Prozent der Befragten von einer verbesserten oder sogar stark verbesserten Umsatzentwicklung sprechen, sind es in den neuen Bundesländern 35,5 Prozent. Vergleichbar ist das Gefälle bei den Buchhändlern, die angeben, dass sich der Umsatz verschlechtert beziehungsweise stark verschlechtert habe. In etwa die Waage hält sich in Ost und West dagegen die Zahl derjenigen, bei denen die Umsätze gleich geblieben sind (34,1 Prozent in West- beziehungsweise 35,5 Prozent in Ostdeutschland).
Auch der Blick auf die Lage der Sortimente führt zu einem etwas differenzierteren Bild der allgemein positiven Umsatzentwicklungen. Insbesondere Sortimenter in großstädtischen Hauptverkehrslagen konnten ein Umsatzplus verbuchen. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der befragten Buchhändler haben hier im ersten Halbjahr Umsatzsteigerungen erzielt, 25 Prozent verspürten keine Veränderung, 20 Prozent verzeichneten einen Umsatzrückgang. Demgegenüber sind es in Nebenverkehrslagen nur 45,8 Prozent, die positive Wachstumsraten erreichten.
In Klein- und Mittelstädten verändert sich dieses Bild zuungunsten der ansässigen Buchhändler. Hier gaben nur 26 Prozent der befragten Sortimenter ein höheres Umsatzniveau zu Protokoll. Gleichzeitig sprechen
34,9 Prozent davon, dass sie Umsatzrückgänge verzeichnet haben. Mehr als ein Drittel jedoch konnte die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum zumindest stabil halten.
Barumsatz nimmt zu
Lief im zweiten Halbjahr 2006 das Geschäft an der Ladenkasse noch schlechter als das Rechnungsgeschäft, zeigen die aktuellen Untersuchungsergebnisse, dass offenbar wieder mehr Kunden in die Buchläden gehen. Denn: Ein Drittel der befragten Sortimenter (30,1 Prozent) konnte steigende Barumsätze verbuchen. Und 6,1 Prozent sprechen sogar von einer starken Zunahme des Barumsatzes. Das Rechnungsgeschäft fiel dagegen nur bei einem Viertel der Sortimente (25,1 Prozent) besser aus als im ersten Halbjahr 2006, 5,9 Prozent sprechen von starken Zuwächsen beim Rechnungsumsatz.
Hat sich der Barumsatz insbesondere in Westdeutschland verbessert (37,3 Prozent gegenüber 31,6 Prozent in Ostdeutschland), zeigt sich beim Blick auf den Rechnungsumsatz beinahe ein Gleichgewicht: 31,1 Prozent der Sortimenter im Osten und 30,9 Prozent der Sortimenter im Westen blickten im ersten Halbjahr 2007 auf einen gestiegenen Rechnungsumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück.
Mehr Kunden im Laden
Die positiven Äußerungen der Buchhändler zur Umsatzentwicklung spiegeln sich auch in der Kundenfrequenz wider: 34,3 Prozent konnten mehr Kunden in ihrem Laden begrüßen als noch im ersten Halbjahr 2006. Die positive Entwicklung überwiegt, auch wenn immer noch 28,1 Prozent davon sprechen, dass weniger Kunden ins Geschäft gekommen sind. Bei der vorangegangenen Konjunkturumfrage lag dieser Wert allerdings noch bei 36,8 Prozent.
Betrachtet man in diesem Zusammenhang, wie sich der Umsatz pro Kunde entwickelt hat, zeigt sich im Allgemeinen ein Aufwärtstrend im Vergleich zum Vorjahr: Bei 24,1 Prozent der Buchhändler hat sich der Umsatz pro Kunde erhöht, bei 28,8 Prozent verringert – eventuell ein Hinweis darauf, dass die Kunden preissensibler einkaufen. 47 Prozent der Sortimenter konnten gegenüber dem Vorjahr keine Veränderungen beim Umsatz pro Kunde feststellen.
Im Gegensatz zu der Umsatzentwicklung mit den Kunden, die direkt im Laden einkaufen, zeigt sich bei anderen Abnehmergruppen eine Verschlechterung der Umsatzentwicklung im Vergleich zu 2006. Insbesondere im Geschäft mit öffentlichen Institutionen, Bibliotheken und Schulen wird von den Buchhändlern ein Rückgang bemängelt. Bei der Betrachtung nach Abnehmergruppen schneiden die privaten Haushalte entsprechend der allgemeinen Tendenz am besten ab: 36,3 Prozent der befragten Sortimenter konnten einen verbesserten Umsatz mit privaten Haushalten verbuchen.
Beliebte Taschenbücher
Ein Umsatzträger im ersten Halbjahr 2007 war erneut das Taschenbuch: Fast 50 Prozent (48,1 Prozent) der Sortimenter verzeichneten hier Umsatzzuwächse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Beim Hardcovergeschäft liegt der entsprechende Wert lediglich bei 20,4 Prozent, gleichzeitig aber sechs Prozentpunkte über dem Wert des letzten Beobachtungszeitpunkts.
Interessant ist die Entwicklung beim Hörbuch. Waren es vor einem halben Jahr noch 41,7 Prozent der Befragten, die von steigenden Umsätzen mit Hörbüchern berichteten, sind es in der aktuellen Umfrage nur noch 32,7 Prozent – was zum Teil sicher darauf zurückzuführen ist, dass das Hörbuch in der Vergangenheit sehr hohe Zuwachsraten erzielt hatte und die Messlatte für die aktuelle Konjunkturumfrage entsprechend hoch lag.
Ein Blick auf die unterschiedlichen Buchgenres zeigt, dass Kinder- und Jugendbücher – auch wenn der aktuelle »Harry Potter VII« nach dem Beobachtungszeitraum erschienen ist – nach wie vor bei den Lesern beziehungsweise Käufern beliebt sind: Bei 38,4 Prozent der Buchhändler verbesserte sich der Umsatz mit dieser Warengruppe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, 17 Prozent sprechen von einer Verschlechterung.
Gleichzeitig erlebt die Belletristik einen Aufschwung. 30,8 Prozent der befragten Sortimenter geben eine verbesserte Umsatzentwicklung zu Protokoll. Auf Platz 3 des Genre-Rankings stehen Sachbücher und Titel zum Thema Hobby und Reise – 18,9 Prozent der Buchhändler haben damit mehr Umsatz erzielt.
Das Schlusslicht bilden Fach- und wissenschaftliche Bücher. Hier sprechen nur 8,8 Prozent der befragten Sortimenter von einer Verbesserung des Umsatzes, gleichzeitig mussten 32 Prozent Umsatzrückgänge hinnehmen.
Auch wenn die Einschätzungen aus dem Buchhandel wieder auf eine eher positive Geschäftsentwicklung hindeuten, wollen die befragten Sortimenter nicht untätig bleiben und ihre Geschäftsentwicklung weiterhin aktiv positiv beeinflussen. Etwa ein Drittel der Buchhändler überlegt, das Buchsortiment weiter auszubauen. Aber auch der Verkaufsraum soll neu gestaltet werden –
sicherlich um den zunehmenden Bedürfnissen der Kunden nach Ästhetik und Wohlfühlatmosphäre gerecht zu werden. 21,4 Prozent der Befragten geben dies zu Protokoll. Zudem denken die Sortimenter darüber nach, ihr Angebot um Non-Books zu erweitern (19,7 Prozent) und in die Mitarbeiterausbildung zu investieren (17,2 Prozent).
Darüber hinaus ist auch die Bestellbündelung von Bedeutung: 50,9 Prozent wollen entsprechende Maßnahmen ergreifen. Des Weiteren ist den Sortimentern der Internetauftritt wichtig. 37,5 Prozent der Befragten wollen im Netz aktiv werden – sicherlich ein wichtiges Instrument, um die zunehmend internetaffinen Leser zu binden. Außerdem denken knapp 20 Prozent der Buchhändler über eine Reduzierung ihres Teams nach – aber immerhin 6,5 Prozent streben eine Verstärkung des Mitarbeiterkreises an.
Positiver Ausblick
Auch die Umsatzerwartungen für das zweite Halbjahr sind überwiegend positiv: 36,2 Prozent der Sortimenter gehen von einer guten oder sehr guten Umsatzentwicklung aus, nur 11,2 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Mehr als die Hälfte der Befragten (52,6 Prozent) prognostiziert eine mittelmäßige Entwicklung. Bleibt abzuwarten, ob der im Oktober erscheinende »Harry Potter«-Band – der vermutlich auch diesmal wieder auf die allgemeine Kauf- und Lesefreude ausstrahlt – dazu führt, dass die positiven Erwartungen am Ende noch übertroffen werden.
(aus Heft 41 / 2007)
Christoph Kochhan

