HINTERGRUND BRANCHENZAHLEN

25.10.2007

Jahresbetriebsvergleich 2006

Jeder Euro zählt

Betriebsvergleich In vielen Buchhandlungen lässt das Betriebsergebnis auch 2006 zu wünschen übrig. Unter dem Strich stehen rote Zahlen – was auf Dauer nicht durchzuhalten ist.

Die Analyse betriebswirtschaftlicher Kennzahlen gehört für die meisten Buchhändler nicht unbedingt zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Trotzdem stellen sich zahlreiche Sortimenter regelmäßig den nüchternen Fakten des Geschäfts: 186 Unternehmen aller Größenordnungen haben sich 2006 am Jahresbetriebsvergleich beteiligt, den das Institut für Handelsforschung gemeinsam mit dem Börsenverein durchführt. Das BÖRSENBLATT publiziert vorab exklusiv ausgewählte Kennzahlen; die kompletten Ergebnisse werden 2008 in der nächsten Ausgabe von »Buch und Buchhandel in Zahlen« veröffentlicht.
Nachdem der stationäre Buchhandel 2005 ein Umsatzplus von 1,6 Prozent verbuchen konnte, sah es für die Sortimenter 2006 weniger erfreulich aus. Über alle Größenklassen hinweg ergab sich ein Minus von 1,2 Prozent (siehe Tabelle). Dabei ist es nur einer Größenklasse, nämlich den Buchhandlungen mit zwei bis drei Beschäftigten, gelungen, ihre Umsätze zu steigern – wenngleich das Plus lediglich ein halbes Prozent betrug.
Die höchsten Einbußen verzeichneten die Betriebe mit 21 bis 50 Mitarbeitern, die ein Minus von 4,4 Prozent hinnehmen mussten. Sichtbar weniger umgesetzt haben auch die Geschäfte mit vier bis fünf Mitarbeitern: Am Jahresende war ein Minus von 2,2 Prozent zu konstatieren.
Als Hauptumsatzbringer der Teilnehmer am Betriebsvergleich erwiesen sich 2006 einmal mehr die belletristischen Werke. Sie erwirtschafteten 22 Prozent vom Gesamtumsatz. Zehn Prozent davon entfallen – wie bereits 2005 – auf das Hardcover, zwölf Prozent aufs Taschenbuch. In den kleinsten Buchhandlungen ist der Taschenbuchanteil mit 14 Prozent besonders hoch. Unterdurchschnittlich fällt der Wert in Läden mit 21 bis 50 Mitarbeitern aus – dort stellt er nur acht Prozent der Belletristik-Umsätze.
Bei der zweitwichtigsten Warengruppe liegen Sachbücher?/?Ratgeber und Schule und Lernen gleichauf. Beide Segmente kommen jeweils auf einen Umsatzanteil von 13 Prozent. Sachbücher?/?Ratgeber spielen die größte Rolle in Kleinstbuchhandlungen (15 Prozent des Umsatzes). Weniger gefragt sind sie in den größeren Buchhandlungen mit 21 und mehr Mitarbeitern (elf Prozent).
Die Warengruppe Schule und Lernen ragt mit einem Umsatzanteil von 15 Prozent bei den Unternehmen mit sechs bis zehn Beschäftigten heraus. Eine deutlich geringere Rolle spielt sie in den Großbuchhandlungen mit 21 bis 50 Mitarbeitern (acht Prozent).
Auf dem dritten Platz liegen die Kinder- und Jugendbücher, mit denen elf Prozent der Einnahmen erwirtschaftet werden. Besonders relevant ist die Literatur für den Nachwuchs in den Buchhandlungen mit bis zu fünf Mitarbeitern. Dort sorgt diese Warengruppe für zwölf Prozent des Umsatzes. In den Großbuchhandlungen liegt der Umsatz­anteil der Kinder- und Jugend­bücher dagegen nur bei acht Prozent.
Der Umsatz pro Mitarbeiter hat sich – parallel zur rückläufigen Umsatzentwicklung – ebenfalls verringert. Durchschnittlich 150?017 Euro hat jeder Beschäftigte im vergangenen Jahr erwirtschaftet. 2005 brachte es ein Mitarbeiter noch auf 152?085 Euro. Den höchsten Pro-Kopf-Umsatz verbuchten die Großbetriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern. Dort hat jeder Angestellte 165?508 Euro erwirtschaftet. Ganz anders sieht es in der Größenklassen mit 21 bis 50 Beschäftigten aus. Sie bildet bei dieser Kennzahl das Schlusslicht mit einem Wert von 141?160 Euro pro Mitarbeiter. Gut behauptet haben sich die Zwei-bis-Drei-Personen-Unternehmen (155?988 Euro).
Der Barumsatz je Quadratmeter Verkaufsraum ist im Vergleich zu 2005 leicht gestiegen und bewegte sich bei 3?489 Euro. Die höchste Flächenproduktivität erreichten Großflächen mit mehr als 50 Mitarbeitern. 3?813 Euro flossen in dieser Betriebsgröße pro Quadratmeter in die Kasse. Am anderen Ende der Skala stehen die Geschäfte mit 21 bis 50 Mitarbeitern. 3?251 Euro bringt dort jeder Quadratmeter ein.
Der Barumsatz je Barverkauf hat im vergangenen Jahr eine leichte Aufwärtstendenz gezeigt. Notierte diese Kennzahl 2005 bei 15,10 Euro, so betrug sie 2006 15,50 Euro. Das meiste Bargeld pro Einkauf ließen die Kunden in den Betrieben mit 21 bis 50 Mitarbeitern zurück: Sie gaben dort 19,30 Euro aus. 17 Euro Bares waren den Kunden die Einkäufe in den kleineren Buchhandlungen mit bis zu drei Mitarbeitern wert. In den Läden mit elf bis 20 Beschäftigten zeigten sich die Käufer eher knauserig – lediglich 12,90 Euro wanderten dort über die Ladentheken.

Barsortimente gewinnen leicht hinzu

Bei der Analyse der Bestellwege ergeben sich nur geringe Verschiebungen. 65 Prozent der Bestellungen laufen direkt über die Verlage, 35 Prozent werden über die Barsortimente abgewickelt (2005: 34 Prozent). Bei dieser Kennzahl zeigen sich erfahrungsgemäß erhebliche Abweichungen zwischen den Größenklassen: Je größer die Buchhandlung, desto höher der Verlagsbezug. Während die Zwei- bis Drei-Mann-Betriebe nur 53 Prozent ihrer Bücher direkt beim Verlag ordern, sind es in den Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern 80 Prozent.
Genau entgegengesetzt sieht es naturgemäß beim Bezug über das Barsortiment aus: Fast die Hälfte ihrer Bestellungen erledigen die kleinen Betriebe über diesen Bezugsweg. Bei den Großbuchhandlungen ist es lediglich ein Fünftel der Aufträge.
Eine Kennzahl, die Buchhändlern und Betriebsberatern Jahr für Jahr Kopfzerbrechen bereitet, hat sich auch 2006 kaum nach oben entwickelt. Der Lagerumschlag bewegt sich mit 5,1 (2005: 5,0) nach wie vor auf niedrigem Niveau. Am schnellsten (5,3) drehen sich die Waren in den Vier- bis Fünf-Personen-Buchhandlun­gen, gefolgt von den Großflächen (5,2). Am langsamsten rotiert die Ware in den Unternehmen mit 21 bis 50 Beschäftigten. Sie bringen es auf einen Lagerumschlag von 4,3.
Während es den Teilnehmern am Jahresbetriebsvergleich 2005 gelungen war, erfolgreich den Rotstift anzusetzen und ihre Kosten zu senken, sah dies 2006 anders aus. Notierte der Anteil der Gesamtkosten 2005 noch bei 32,2 Prozent des Umsatzes, so verschlechterte sich dieser Wert im vergangenen Jahr auf 32,6 Prozent. Deutliche Abweichungen nach oben und nach unten lassen sich bei dieser Kennzahl herauslesen. Den massivsten Kostenblock (34,5 Prozent) weisen die Großbuchhandlungen aus. Gleich dahinter rangieren die Sortimente mit 21 bis 50 Beschäftigten (34,2 Prozent). Die geringsten Kosten fallen bei Buchhandlungen an, bei denen sechs bis zehn Personen arbeiten. Hier liegt die Quote bei 32,2 Prozent vom Umsatz.
Als Kostenblock Nummer eins schlagen die Personalkosten inklusive Unternehmerlohn zu Buche. 19,5 Prozent des Umsatzes und damit etwas mehr als 2005 wurden dafür aufgewendet. Die geringsten Personalkosten sind bei den Kleinstbetrieben aufgelaufen (18,1 Prozent). Als Spitzenreiter erwiesen sich die Sortimente mit 21 bis 50 Mitarbeitern: 21,4 Prozent des Umsatzes kostet das Personal dort. An diesen Zahlen zeigt sich einmal mehr, dass gerade die kleineren Buchhandlungen versuchen, ihre Kosten für die Beschäftigten möglichst gering zu halten.
Ein Blick auf den kalkulatorischen Unternehmerlohn spricht Bände: Durchschnittlich wird er mit 69?806 Euro angesetzt. Die Chefs der kleinen Buchhandlungen genehmigen sich aber nur 21?788 Euro – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 2005, als noch 26?664 Euro berechnet wurden. Daraus lässt sich schleißen, dass die Unternehmer sich umso stärker selbst ausbeuten, je kleiner die Buchhandlung ist.
Als zweitgrößter Kostenfaktor fallen die Mieten ins Gewicht. Mit 4,1 Prozent lag diese Kennzahl aber leicht unter dem Vorjahreswert (4,3 Prozent). Die höchsten Mietzahlungen – der Preis für die großen Flächen in bester Lage – leisten die gro­ßen Buchhandlungen. 5,2 Prozent des Umsatzes sind es bei Geschäften mit 21 bis 50 Mitarbeitern, 4,9 Prozent bei den noch größeren Buchläden.
Die Kosten für Werbung haben sich im vergangenen Jahr leicht erhöht. 1,3 statt 1,2 Prozent des Umsatzes wurden dafür ausgegeben. Großbuchhändler machten am meisten Geld für Werbeaktivitäten locker (1,5 Prozent).
Die durchschnittliche Betriebshandelsspanne hat sich im Vorjahresvergleich leicht verbessert. Sie beträgt 31,8 Prozent vom Umsatz (2005: 31,5 Prozent). Offensichtlich sind die Bemühungen um effizientere Bezugsmodelle nicht umsonst gewesen. Die höchste Handelsspanne weisen unverändert die Großbuchhandlungen auf. Sie kommen auf 35,5 Prozent. Mit 29,9 Prozent liegen die Zwei- bis Drei-Personen-Betriebe deutlich darunter. Sie sind das Schlusslicht in puncto Handelsspanne.

Rauf mit der Handelsspanne

Weil sich die Handelsspanne leicht verbessert hat und die Erhöhung der Gesamtkosten diese Aufwärtsentwicklung nicht »aufgefressen« hat, ist das Betriebsergebnis ein klein wenig positiver ausgefallen als 2005. Dennoch liegt es mit minus 0,7 Prozent des Umsatzes immer noch im roten Bereich. Am rentabelsten wirtschaften die Großbuchhandlungen, die sogar ein positives Ergebnis vorweisen können. Ein Prozent des Umsatzes bleibt bei ihnen »hängen«. Anders sieht es in Buchhandlungen aus, bei denen vier bis fünf Personen in Lohn und Brot stehen: Mit minus 1,8 Prozent schneiden sie mit Abstand am schlechtesten ab. Ihnen auf den Fersen folgen die Buchhandlungen mit zwei bis drei Mitarbeitern – ihr Betriebsergebnis beträgt minus 1,5 Prozent. Unterdurchschnittlich fällt der Wert mit minus 1,2 Prozent auch bei den Buchhandlungen mit 21 bis 50 Mitarbeitern aus.
Rückläufige Umsätze, steigende Kosten, eine höhere Handelsspanne: Wenigstens eine wichtige Kennzahl des Betriebsvergleichs lässt eine positive Entwicklung erkennen – was sich in einem leicht verbesserten Betriebsergebnis niederschlägt. Dennoch: Um in die schwarzen Zahlen zu kommen, reicht das nicht aus. Runter mit den Kosten, rauf mit der Handelsspanne – daran muss der Buchhandel noch intensiver arbeiten. Nur so rückt das Ziel näher.

Jahresbetriebsvergleich 2006
Auftraggeber:
Börsenverein
Beauftragtes Institut:
Institut für Handelsforschung an der Universität Köln
Teilnehmer:
186 Sortimentsbuchhandlungen der unterschiedlichsten Größenklassen. Die Unternehmen haben ihr individuelles Auswertungspaket bereits im Sommer erhalten.
Erhebungszeitraum:
Januar bis Dezember 2006
Weitere Informationen: Alexander Kleine, Sortimenter-Ausschuss des Börsenvereins, Telefon: 069?/?1306-306, E-Mail: kleine@boev.de
Informationen zum Betriebsvergleich anderer Einzelhändler:
Die vollständige Branchendokumentation mit allen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ist als CD-ROM beim Institut für Handelsforschung in Köln erhältlich

Christina Schulte

[...] Tags: Betriebsvergleich

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