Antiquariat

08.11.2007In eigener Sache

Ausschluss Peter Mulzer

Aufgrund der Vorfälle in den vergangenen vier Wochen sehen wir uns leider gezwungen, den Antiquar Peter Mulzer aus unserem Internet-Forum boersenblatt.net auszuschließen. Torsten Casimir, Chefredakteur des BÖRSENBLATTS, richtet sich mit folgendem Text direkt an die Community:

Verehrte Nutzerinnen und Nutzer dieses Portals,

in unserer Abteilung „News/Antiquariat“ ist es zuletzt nicht immer zivilisiert zugegangen. Wir in der BÖRSENBLATT-Redaktion haben das lange toleriert und zugleich auf die Toleranz der Community gesetzt, immerhin liegen das Ruppige und das Lebendige oft nah beieinander. Für diese Vorgehensweise, die mir im Internet vernünftig erscheint, gibt es freilich Grenzen, insbesondere solche, die uns das Recht setzt.

In mehreren sogenannten threads der vergangenen Tage – so nennt die Szene ja diese Kaskaden von Rede und Widerrede, Attacke und Riposte – sind die Postings von Herrn Peter Mulzer mit ihrem enormen Umfang, ihrer Häufigkeit, ihrem oft fehlenden Sachbezug zur Meldung sowie leider auch ihren gelegentlich beleidigenden Inhalten für viele andere Diskussionsteilnehmer zur Belastung geworden; wir sind nach ausführlicher Beratung mit unserer Rechtsabteilung der Auffassung: zu einer nicht weiter hinnehmbaren Belastung.

Aus diesem Grund haben wir mit Schreiben von heute Herrn Mulzer seinen Ausschluss aus dem Internet-Forum boersenblatt.net mitgeteilt.

Das ist rechtlich ein einigermaßen trivialer Schritt, vor allem deshalb, weil wir uns nicht mehr für andere Möglichkeiten entscheiden konnten. Journalistisch hingegen halte ich ihn für hoch ambivalent, weshalb ich mich entschlossen habe, Ihnen am „Fall Mulzer“ (in dessen Eskalationsgeschichte manch einer sich nicht mit Ruhm bekleckert hat) meine ganz persönlichen Gedanken zur Mechanik dieser gescheiterten Kommunikation aufzuschreiben. Hier sind sie:

Peter Mulzer ist ein Internet-Diskutant mit abweichenden Verhaltensweisen, die sich leicht besichtigen lassen. Das böse Wort, früh in die selbstreferentielle Debatte um Stil und Benimm eingeführt, lautet „Foren-Troll“ (kannte ich bis dahin nicht, den Ausdruck, aber bitte). In der Folge daraufhin einsetzender ferndiagnostischer Bemühungen, die an Eifer und Schweregrad der Befunde zulegten, wurde Mulzers Verhalten über seine abweichenden Qualitäten hinaus an der einen oder anderen Stelle direkt pathologisiert. Mindestens mal insinuierend, zum Teil auch ausdrücklich attestierte man dem Beiträger Mulzer psychische Probleme. Der Gipfel der Verstiegenheit war ein Posting am Dienstag (von uns rasch wieder vom Portal genommen), in welchem nicht nur Mulzer seine Macke beschieden, sondern auch der BÖRSENBLATT-Redaktion in toto und mir in Person vorgeworfen wurde, wir seien Klickrate-Profiteure eines Wahnsinnigen, den wir wie einen Tanzbären durch die Manege schliffen.

Das ist allerdings ein charmantes Zertifikat über einen menschenverachtenden Journalismus, von dem wir bis dahin nicht wussten, dass er von uns betrieben wird. Besten Dank dafür noch einmal an dieser öffentlichen Stelle!

Herrschaften, so geht es nicht.

Die so zahlreichen Antiquariats-Kommentare, über die ich mich meistens sehr freue, sind ziemlich lebendig, oft witzig, manchmal etwas grob, nicht selten bringen sie Anregungen und sogar Einsichten. Wir in der Redaktion haben den Eindruck: eine echte Plattform für Meinungsbildung und auch Interessenmanagement. Wir verhehlen unseren Stolz darüber nicht, diese Bühne für Sie alle gebaut zu haben. Peter Mulzer, der Vielschreiber, der Auffällige, der „Troll“, hat zu dieser schönen Buntheit bei weitem nicht nur Hässliches beigetragen. Jeder, der nicht komplett voreingenommen liest, wird das hier und da sehen und einräumen.

So trennen wir uns mit dem notwendig gewordenen Ausschluss Mulzers nicht nur von dem Quälgeist, als welcher er einer zunehmenden Zahl von Community-Mitgliedern erscheint, sondern auch von dem produktiven Störenfried, der zur Lebendigkeit des Portals beigetragen hat. Und wir blicken auf eine ausufernde Debatte, die in ihren weniger gelungenen Passagen als ein Geschäft von Ausgrenzung und Stigmatisierung sich zu erkennen gibt.

Das ist es, was ich mit Ambivalenz meine. Damit kein Missverständnis bleibt: Mulzer ist selbst schuld, dass er hier nicht weiter schreiben darf. Er hat unsere Bitte um Mäßigung, Fairness und Sachbezug nicht gehört – nicht hören wollen, nicht hören können, wer weiß das schon.

Die klimatischen Verhältnisse auf diesem Portal liegen nun ab sofort wieder in Ihrer aller Hände. Bitte sehr!

Torsten Casimir

Anzeige

23 Kommentar/e

1. Herbert Meinke 08.11.2007 10:28h

Herzlichen Dank für die angenehm unaufgeregte Begründung des Ausschlusses - und zweitens für den Akt an sich.

2. Antiquariat Marcus Haucke 08.11.2007 13:57h

In einem anderen „Forum“, deren Stimmführer die Ausschließung von Mulzer maßgeblich betrieben haben, hatte ein Kollege mit diesen Worten, die Ausschließer ermutigen wollen. Zitat:
„Das ist wie die Problematik, jemandem, der die Demokratie abschaffen will und dies untersagt bekommt, auf demokratischem Weg dieses klarzumachen, wenn der sich auf sein demokratisches Recht beruft, für die Abschaffung der Demokratie einzutreten."

Meine Antwort von gestern, will ich hier noch einmal wiederholen:
Sehr geehrter Herr H., das ist genauso falsch, wie es sinnfern ist (Zitat oben). Wer einen öffentlichen Platz (Forum) bewacht (moderiert) ist der Offenheit verpflichtet, die Demokratie wollen diejenigen abschaffen, die Ausschlußverfahren anstrengen. Gegen diese! hat ein fairer und demokratischer Moderator einzuschreiten.
Mulzer, dem ich ganz für mich, auch undemokratische Absichten unterstellte und unterstelle, ist den Herren Ausschließern bisher in seinem Ausschließlichkeitsanspruch gleich gewesen, jetzt hat er vielleicht etwas gelernt, was die Herren L. noch nicht gelernt haben.
Wer Beifall haben möchte, muß sich den Buhrufern stellen, selbst wenn diese grundsätzlich Buh rufen. Der letzte Beitrag von Mulzer trifft vielleicht sogar einen Nerv, den Ausschließlichkeitsanspruch der Rolltreppenfahrer, der sich in dieser Presseverlautbarung auch ein wenig selbst feiern möchte!? Wer sich das nicht sagen lassen will, dem ist der Beifall von Jeannine, und Jaqulin, und Janet (mit ihren „das war aber schön für einen Dienstag, ich wünsche ganz ganz viel Erfolg und liebe...") Strafe genug.
Mit freundlichen Grüßen
Marcus Haucke

Übrigens, schauen Sie sich doch mal die Beiträge in dem Aus dem Antiquariatsforum vor Mulzer an, da wollten die, welche jetzt am lautesten protestieren gar nichts von diesem Forum wissen. Ich fand diese grotesken Auftritte, ohne sie zu lesen, brüllend komisch.

PS: Es tut mir leid, daß Sie, Herr Casimir, vor diesen „Hinaufgelangten“ kapituliert haben. Dieser Akt ist nicht nur zu bedauern, er zeigt, daß "Speakers-Corner" in Deutschland unmöglicher geworden ist. Ein Gedicht von Karl Kraus, welches ich heute zufällig las, soll Ersatz sein für nötige Schärfe, es heißt „Weg damit!“:
Die ihr errungenes Gut geschändet habt,
bezwungenes Böses nicht beendet habt,
der Freiheit Glück in Fluch gewendet habt;
Hinaufgelangte, die den Wanst gefüllt,
vor fremden Hunger eigene Gier gestillt...

3. Versandantiquariat Georg Koch, München 08.11.2007 14:37h

Sehr geehrter Herr Casimir und Kollegen,

ich habe durchaus Verständnis dafür daß man jemandem, der einem auf die Nerven geht, die Tür weist, wie es auch daß Recht jedes Gastgebers ist, einen unerwünschten Gast, auszuladen.

Mulmig wird mir jedoch angesichts einer Begründung, die jemanden "abweichendes Verhalten" von einer unausgesprochenen Norm attestiert und diesen für "Wahnsinnig" erklärt. Da frage ich mich doch zunächst : Ist das nicht eine Anmaßung? Sind Antiquare Psychiater oder haben sie zumindest ein entsprechendes Gutachten erstellen lassen? Und selbst wenn der Koll. Mulzer psychisch gestört ist, ist man dann legitimiert, ihn deshalb auszusperren? Ist das dann nicht besonders unmenschlich?
Noch mulmiger wird mir bei dem Gedanken daß das an Verfahrensweisen erinnert, wie sie in totalitären Systemen üblich sind. Gerade in Deutschland sollte man doch besonders sensibel sein.
Angesichts solcher Begründungen halte ich den Ausschluß des Koll. Mulzer für sehr bedenklich

4. Torsten Casimir 08.11.2007 16:10h

Hallo? Unmissverständlicher konnte ich es nicht schreiben, dass mir gerade diese Tendenzen zur Stigmatisierung und Ausgrenzung eines - rein deskriptiv gemeint - Auffälligen Unbehagen bereitet haben. Also bitte: Versuchen Sie doch noch einmal eine Lesarten-Bildung zu meinen Gunsten. Denn es ist, wie Sie sich vorstellen können, gar nicht mal vergnügungssteuerpflichtig, wenn einem in dieser durchweg unerfreulichen Causa nun auch noch jemand totalitaristische Neigungen zuerkennt.

Leute, Leute, wie wäre es künftig mit etwas kleinerer Münze...

5. Arnulf Liebing 08.11.2007 16:56h www.paliebing.de/palstart.htm

Hallo Herr Casimir,
da gab es doch im forum einen sehr prktikablen Vorschlag: Bringen Sie von den Kommentaren immer den letzten zuerst, dann muss man sich nicht durch alles hindurchlesen. Die Mulzerschen Beiträge - eben weil sie nicht immer und nicht nur nerviges Geschwafel sind - wanderten so immer weiter weg. Man muss sie nicht lesen, wenn man nicht will.
Aber auch verworrene meinungen sind von der Meinungsfreiheit gedeckt. Man muss sich doch den Stiefel nicht anziehen, wenn Herr M. 'mal ausfällig wird.

6. thomas ehlers-schirr 08.11.2007 18:00h

sehr geehrte redaktion, ich beglückwünsche sie zu ihrer mutigen, aber einzig richtigen entscheidung. das haben sie richtig gemacht !!

7. Jeannine Rathjen 08.11.2007 19:03h

Sehr geehrter Herr Casimir,
um Ihre Aufgabe beneide ich Sie wirklich nicht. :-)
Meinen Respekt vor Ihrer Entscheidung haben Sie jedenfalls. Zumindest hatten wir den längsten Thread Ihres Forums eingeleitet....
Herzlichst
Jeannine Rathjen


"Wer sich das nicht sagen lassen will, dem ist der Beifall von Jeannine, und Jaqulin, und Janet (mit ihren „das war aber schön für einen Dienstag, ich wünsche ganz ganz viel Erfolg und liebe...") Strafe genug."

Aua, Herr Haucke. War das etwa eine kleine "Spitze"? So etwas habe ich aber schon wirklich besser gelesen. Es ist also eine Strafe für die, denen ich Glück wünsche.... Das spricht für mich schon für sich. Tja, und "Liebe", scheint dann ja auch bei Ihnen dazugekommen zu sein...

Ist es eigentlich zwingend Notwendig, Arrogant zu werden, wenn einer in das Gebrauchtbuchgeschäft möchte?! In dieser Branche scheint es Typen zu geben, die jeden betreuten Wohnen alle Ehre bereiten würde.

Mag sein, dass ich grade Majestetsbeleidigung betreibe... na.. und? Das ist mit völlig egal. Ich verkaufe Bücher, so wie viele andere hier auch. Und klar lerne ich noch. Aber zumindest lebe ich vom Bücher verkaufen. Zumindest verkaufe ich im Internet und schreibe nicht nur darüber.

Wenn ich hier nicht schon zwei Antiquare kennengelernt hätte, die tatsächlich Bodenhaftung halten, dann würde ich wohl an der gesamten Branche zweifeln.
Aber das schöne ist ja, dass sich auch mit wenigen Kontakten in dieser Branche recht gut Geld verdienen lässt.
Am Ende zählt der Preis und die Qualtät der Ware im Internetverkauf. Egal in welcher Preislage!!

Und nun können Sie sich wieder in Ihren Lyrischen Ergüssen ergehen. Bestimmt kommt Ihnen auch wieder unser Annoymer Freund zu Hilfe.

Sorry, für dieses lange Posting, aber dass musste ich einfach mal loswerden. Zum Thema Mulzer ist von mir alles gesagt.

8. ludwig karl 08.11.2007 19:06h

@ Herrn Casimir:

der Terminus "abweichendes Verhalten" ist in der Soziologie und verwandten Disziplinen eindeutig konnotiert und wird v.a. im Zusammenhang mit Drogenkonsum und Gewaltkriminalität in Verbindung gebracht. Insofern ist Herrn Koch (4) auch aus einer anderen Blickrichtung zuzustimmen.

Als Nicht-Antiquar und Nur-Leser möchte ich die journalistische Begründung des Ausschlusses von Herrn Mulzer in Zweifel ziehen:

Sie sprechen selbst von "Eskalationsgeschichte" und nehmen dann aber gerne die zu Beleidigungen geeigneten Kommentare der Aufheizer auf.

Dass Herr Mulzer einen eigenen Diskussionsstil hat, muss nicht jeder gut finden, aber es hätte seitens der Redaktion sicher andere Wege gegeben, das Problem zu lösen (vgl. Beitrag 6).

Insgesamt hinterlässt der Ausschluss von Herrn Mulzer einen schalen Nachgeschmack, nicht nur, weil es nur den Provozierten getroffen hat und nicht ebenso die Provokateure, sondern auch, weil das Gefühl nicht weichen will, dass hier einer ausgeschlossen wurde, weil er einfach nur unbequeme Meinungen - sicher manchmal unpassend, aber von einem hohen Kenntnisstand ausgehend - äußerte.

9. Horst-Werner Dumjahn 08.11.2007 19:43h www.dumjahn.de

Lieber Herr Casimir,

danke, Sie haben die einzig richtige Entscheidung getroffen - und diese obendrein auch noch sehr "cool" begründet. Lassen Sie sich nicht beirren. Herrn M. ist ja schon zu einem früheren Zeitpunkt (vor seinem damaligen Ausschluß) empfohlen worden, ein eigenes Forum zu eröffnen. Aber so? Sich immer nur "anzuhängen", das zeugt von wenig Marketingkenntnissen, denke ich!

Ansonsten: Ich wünsche Ihnen weiterhin ein erfolgreiches Wirken für diese unsere Branche.
Ihr Horst-Werner Dumjahn
Dumjahn: Das Eisenbahn-Antiquariat

10. Gerburg Kortenbruck 08.11.2007 20:29h

Sehr geehrter Herr Casimir,
Sie haben es sich nicht leicht gemacht und richtig entschieden.
Ob es " journalistisch "richtig begründet ist,vermag ich
nicht zu sagen.
Ich fand Herrn Mulzers Ausführungen, andauernd wiederholt , nach einer gewissen Zeit nur noch ermüdend.
Bin wohl auch nur eine Jeaninejanete( Gruß an Frau Rathjen)
Freundliche Grüße
Gerburg Kortenbruck
Gerburg kortenbruck

11. Roman Heuberger 08.11.2007 21:23h www.antiquariat-heuberger.de

Die Entscheidung der Redaktion wurde mit Sicherheit nicht leichten Herzens getroffen, sie war letztendlich folgerichtig und wäre auf Dauer auch garnicht zu vermeiden gewesen. Leidvolle lange Erfahrungen dazumal in der Hess-Runde haben gezeigt, wie ein Forum allmählich zur Absurdität wurde durch das Agieren eines Einzigen, der zwar Kenntnisse über unsere Branche aufzuweisen hat, aber durch sein permanentes zumeist provozierendes Verhalten Reaktionen nicht nur billigend, sondern vorsätzlich in Kauf genommen hat. Die Folge war natürlich die, daß dann umgehend ins Persönliche übergeleitet wurde und sich alles schnell hochschaukelte. Die eigentlichen Themen, um die es ursprünglich ging, blieben völlig auf der Strecke. Mit seinem dauernden verbalen Hakenschlagen (das kann er gut), dem ständigen Themenwechsel und einer Taktik, immer vom Hölzchen aufs Stöckchen kommend hat Herr Mulzer im Grunde genommen versucht, alle anderen nach seiner Pfeife tanzen zu lassen.

Im Beitrag 4 werden Bedenken gegen den Ausschluß geäußert, da dieses Verfahren an totalitäre Systeme erinnere. Also bitte: da wurden doch wohl die Verhältnisse geradezu umgedreht. Wenn sich in einem Forum, das für jeden geöffnet ist und an dem jeder das Recht hat, sich zu äußern und dies auf Dauer erstickt wird durch das geradezu diktatorische (jawohl!) und sogut wie alles anderere unterdrückende Verhalten eines Einzelnen, wird doch wohl noch der Anspruch auf das Hausrecht gerechtfertigt sein dürfen.

Die im Beitrag 2 aufgestellte Behauptung, in Deutschland sei "Speakers Corner" nun unmöglicher geworden, ist einfach nicht richtig. Das Gegenteil ist der Fall. Herr Mulzer selbst hat doch dieses Podest in deutlich erkennbarem Ausschließlichkeitsanspruch besetzt. Nun haben die anderen auch eine Chance.

Die bisher auf Herrn Casimirs Erklärung erfolgten Reaktionen zeigen übrigens, daß hier auch ohne Herrn Mulzer recht kontrovers, vielleicht auch streitbar diskutiert wird. Vielleicht ein wenig bunter als bisher. Wäre schön.

Roman Heuberger

12. G. Nervt 09.11.2007 00:05h

Liebe Frau Rathjen,

nachdem Sie mich schon quasi zu einem Beitrag genötigt haben, möchte ich tatsächlich auch kurz Stellung nehmen:

Zunächst, und nehmen Sie dieses bitte nicht persönlich, gibt es eine (mehr oder minder) alte Weisheit:
"Wenn Kekse reden, dann sollten Krümel schweigen."

Was möchte ich Ihnen damit sagen?

Sehen Sie: Hier diskutieren überwiegend gestandene Kolleginnen und Kollegen über die Feinheiten des Handels mit antiquarischen Büchern. Wie gesagt: über die Feinheiten. Nach einem oft viele Semester dauernden Studium, sei es nun in vergleichender Religionswissenschaft, in Theologie, in Philosophie oder was auch immer, haben sich diese Kolleginnen und Kollegen auch beruflich ihrer privaten Leidenschaft hingegeben: dem Buch, und oft auch: der deutschen Sprache.
Es ist deshalb, und auch dieses nehmen Sie bitte nicht persönlich, manchmal sehr schmerzhaft, wenn dann in einem Forum wie diesem von "Majestetsbeleidigung" zu lesen ist. Nein, es geht mir nicht um den von Ihnen angestrebten Inhalt des Wortes, es geht mir um etwas ganz anderes: Ihr Umgang mit der deutschen Sprache, die von vielen von uns als ein hohes Kulturgut angesehen wird, ist zumindest zeitweise von zweifelhafter Natur. Und deshalb kann ich unmöglich auf eine hohe Wertigkeit des Inhaltes Ihrer Beiträge schließen, wenn schon unsere Sprache eine solche Demütigung erfahren muß.
Und nochmals: was möchte ich Ihnen damit sagen?
Der Handel mit antiquarischen Büchern ist ein sehr altes Gewerbe. Und wie bei den meisten alten Gewerben hat sich auch hier über die Jahrhunderte eine gewisse Art der Konversation durchgesetzt: Die Antiquare sind in ihrer Mehrheit freie und streitbare Geister. Individuen mit einem sehr hohen Maß an Individualität, eine gewisse Kautzigkeit nicht unbedingt ausgeschlossen. Aber es sind Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik und Kultur.

13. RF Meyer 09.11.2007 07:57h www.meyerbuch.com

“Use every man after his desert, and who should ‘scape whipping?”
Hamlet, II, ii

14. Günter Schladming 09.11.2007 08:16h

[Satire Anfang]
Und noch was, liebe Frau Rathjen,
auch ich habe mehrere Studiengänge mühevoll abbrechen müssen, bevor ich mich dem Antiquariatsgeschäft hingeben konnte, und dabei ist mir jegliche Toleranz und Großzügigkeit abhanden gekommen. Deshalb halte ich es für unerträglich, daß jemand mit lediglich Mittlerer Reife das Maul aufreißt und sich auch nur zu technischen Belangen unseres Gewerbes äußert und dabei den Untergang des Abendlandes betreibt. Ach, Sie haben nur auf einen Bericht über Ihre Dienstleistung reagiert und hätten die alten Männer hier im Forum sonst ganz unbehelligt gelassen? Da hat die Redaktion versehentlich die Büchse geöffnet …
[Satire Ende]

15. Jeannine Rathjen 09.11.2007 11:06h

Verehrtes G.Nervt,

irgendwie kenne ich die alte Weisheit so nicht. Es scheint sich da eher um die Vermischung zweier Sprüche zu handeln.. Aber da Sie ja ohnehin nicht mit Ihrem realen Namen schreiben möchten, brauchen Sie natürlich auch keine Peinlichkeit zu scheuen.

Zu Ihren Posting ist zu sagen: Für mich unterscheiden sich die Krümel und Kekse im Umsatz!!! Um mehr geht es im Onlinegeschäft nicht! Ich vertreibe Bücher, nahezu aller Preisklassen, wenn ich sie angeboten bekomme. Das Internet ist mein Geschäft, und die "Datenumwandlung" hat immerhin für einen schönen Wirbel gesorgt.
Und nur noch so nebenbei: Wenn wir Krümmel aus dem Amazonforum und auch aus dem Geizmonster nicht Werbung für diese Plattform gemacht hätten, wäre hier auch weiterhin schweigen im Walde. Bis auf natürlich die Abhandlungen eines gesperrten Antiquars.

Vieleicht sollten Sie sich damit abfinden, dass wir im 21. Jahrhundert leben, und jeder, aber wirklich jeder, mit Büchern handeln darf und auch kann.
Ich würde Ihnen gern zeigen, dass selbst die 8 Jährige Tochter meines Nachbarn, ein Gebrauchtbuch einstellen kann. Und das unter Berücksichtigung aller Vorgaben des ZVAB. Alles eine Frage der Software, und der Ware.

Es stört Sie meine Sprache? Damit müssen Sie wohl leben. Stimmt ich habe kein Abitur, nicht erfolglos studiert oder etwas ähnlich Ehrenhaftes vorzuweisen. Dafür bin ziemlich ehrgeizig und absolut erfolgsorientiert. Meine Sprache ist das Ergebnis meiner Sozialisierung. Auf der Straße hatten wir leider keine Streetworker, die uns etwas besseres beibringen konnten.

Der Inhalt kann also keine Wertigkeit besitzen, wenn ich die deutsche Sprache vergewaltige? Aua...

Aber wenn dem so ist, dass Leute wie ich es nicht wert sind, gehört zu werden, dann ist dies auch egal. Denn wir besitzen die Technik, über die Sie sich dann mit anderen Antiquaren zusammen aufregen dürfen. Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis auch wir über teurere Bibliotheken stolpern, oder andere Antiquariate aufkaufen.

Dann werde ich mal Kekse futtern gehen, und das ganze mit einen Kaffee runterspülen.

Absolut ohne jegliche Hochachtung
Krümmel

Herr Schladming, vielen Dank für Ihren Klasse Beitrag. Wir haben wirklich herzlich gelacht. Danke!!!

16. Volker Gollenia 09.11.2007 12:00h

Glückwunsch zur richtigen Entscheidung, lieber Herr Dr.Casimir. Allen, die hier PM nachtrauern, kann ich nur empfehlen, seinen Namen mal zu googeln. Foren-Troll ist da m.E. deutlich zu nachsichtig.

17. Heidulf Hauke 09.11.2007 12:49h

Herr (Kollege?) G.nervt

So sehr ich Ihre Verbitterung über die Richtung des sozialen Wandels verstehen kann, so unwidersprochen möchte ich Ihre unmaßvolle Metapher Keks/Krümel lassen.

Es zeugt schon von einem sehr überzogenen Maß an Standesdünkel, sich noch dazu anonym (feige!?) derart herablassend zu äußern und Gemeinplätze zu beanspruchen.

Zur Erinnerung, wir befinden uns im 21. Jahrhundert, die Welt ist durch das Internet einer der größten Änderungen der sozialen Gefüge und Kommunikationsformen unterworfen, wenngleich man durchaus das Bild des mittelalterlichen Marktplatzes bemühen kann, auf dem Sie in wenigen Gehminuten den Armen, der die Hand aufhält, den aufstrebenden Geschäftsmann mit der entsprechenden Portion Bauernschläue und die erhabene Intelligentia beobachten konnten.

Hier und heute im Internet empfehle ich Ihnen als eine durchaus egoistische (im positiven Sinne) Maßnahme, das erhabene Häuptchen zu heben, die Nase zu rümpfen WEGzulesen und damit ganz automatisch zu schweigen.

Sie finden sicherlich genug Refugien, in die Sie sich zurückziehen können um mit Ihresgleichen fachzusimpeln und Ihrer Kultur zu frönen ! Das Internet kann, genauso wie der mittelalterliche Marktplatz, solch' Separationen nicht leisten, muss es auch nicht.

Übrigens, Randbemerkung, Frau Rathjen hat in einem ganz anderen Bereich Weltklasseleistungen vollbracht, von denen der gemeine ungelenke (Entschuldigung, das war jetzt verkürzt) Antiquar nur träumen kann. Herr G.nervt, jedermann ist ein Krümel und ein Keks in Personalunion und darf sich niemals ausschließlich als Keks zu Erkennen geben. den auch Sie haben Krümel, Herr Keks...

Es stünde dem Stand der Antiquare gut zu Gesichte, dem Wort friedliche Koexistenz, eine neue, ganz sympathische weil bescheidene Bedeutung zu geben.

Nachdenkliche Grüße

18. Heidulf Hauke 09.11.2007 12:56h

Im Übrigen, und das zum Thema Mulzer, konnte man auch beim nun ausgeschlossenen Herrn Mulzer die neuen Praktiken des WEGlesens üben. Ehrlich gesagt, und auch hier haben wir es mit einem typischen neuzeitlichen Interneteffekt zu tun, halte ich es für ausgesprochen gefährlich, nein falsch, PM ausschließlich anhand der Kenntnis seiner Person über das geschrieben Wort zu beurteilen und Ihn mit ungesichertem Google-Halbwissen in eine bestimmte Ecke zu stellen !

19. Volker Gollenia 09.11.2007 15:11h

Hier wird niemand in eine Ecke gestellt, sondern hier stellt sich jemand permanent und penetrant in den Mittelpunkt. Provokation um der Provokation willen, bis hin zur Unappetitlichkeit. Die Summe der Informationen führt zu einem Gesamtbild, das Internet ist da sicherlich nur ein Teil. Letztlich ist auch dieses Forum Teil des Internets. Leider führen solche Aktionen und Provokationen immer wieder zum Erfolg und zu eifrig herbeieilender Kavallerie - im Namen der Demokratie und anderer schnell hervorgeholter Grund- und Basiswerte. Weglesen kommt vor Wegschauen oder erst danach? Ignorieren als Grundsatz? Was nicht sein darf ist nicht? Nein Danke! Nun denn, genug der falschen Aufmerksamkeit für einen Provokateur, der auch bei Veranstaltungen oder Versammlungen mit seiner Art schlußendlich des Saales verwiesen würde.

20. bergziege 09.11.2007 15:32h

Was die Rechtschreibung betrifft, so stellt sich die Frage: Krümmel oder Krümel. Oder Krühmel, wie Goethe sich noch erlauben durfte.

21. Jeannine Rathjen 09.11.2007 16:32h

Sehr geehrter Herr Gollenia,
ich denke Sie haben Recht. Und um den ganzen für mich ein Ende zu setzen, werde ich mich mal lieber weiter um meinen Verkauf kümmern, und mich zu den anderen Krümeln zurückziehen.
Somit dürfte dieser Schwachsinn dann hoffentlich auch ein Ende haben. Und das Niveau steigt dann bestimmt auch ganz schnell wieder an. Damit schalte ich mich ab.

Mit freundlichen Grüßen
Rathjen

Nochmals Dank an den Altonaer Kollegen für den Tip, ich habe mich tatsächliche festgelesen :-) Viel Glück in Hamburg!!!!

22. Antiquariat Marcus Haucke, Berlin 09.11.2007 16:57h

Das hätten Sie nicht betonen müssen, das sieht ein Blinder mit Krückstock, natürlich geht es Ihnen nicht mehr um Demokratie, oder Basis- und Grundwerte, selbst die von mir favorisierte Fairness, da können Sie sich diesmal einig mit den Giaqlins und Jeanins* sein, stört nur bei Ihrer „kleinen Geschäftigkeit“. Ihnen geht es, wie diesen, um penetrantes Product placement, dümmliche Betriebsamkeit, Herr Casimir nennt es viel zu fein „Interessenmanagement“. Sie rufen den Narren, wenn er Ihnen als Ausrufer nützt und provozieren ihn und hetzen ihn ins Wahnhafte (provozieren den Provokateur) und lassen ihn dann vom Saaldiener wieder entfernen.
Du kannst einzig mit dem Guten
Dauernd gut Geschäfte machen;
Schlechte schuften und verbluten,
Schwindler jubeln und verkrachen. (Lebensregel von Frank Wedekind). Ade Marcus Haucke aus Berlin

*Natürlich kriegt Ihre 8jährige Nachbarsgöre eine ordentliche Titelaufnahme hin, denn bei den Kindern und den Irren gibt es Elastizität und natürliche Neugier, ganz ohne Laufgitter und schon gar nicht mit Ihrem uninspirierten, nur auf Effektivität schielenden, Machenschaften. Also Nachbars Krümel ja, Sie aber nicht!

23. bergziege 09.11.2007 17:29h

ja, ja, bla, bla.

Kommentar schreiben

Wir bitten um sachliche Kommentare zum Thema.

Ihr Kommentar


Sie haben noch kein Login oder Passwort ? Hier können Sie sich registrieren