14.11.2007
Autor: Beatrice Kretzschmar
Rubrik: Studium
Die hochgezogene Augenbrauen… Oder: Buchhandel und Verlagswirtschaft – Was ist das?
Ich dachte mir das diese wenig erbaulichen Reaktionen eigentlich nicht zu überbieten seien, wurde aber mit meiner Entscheidung für das Buchhandel- und Verlagswirtschaftsstudium schnell eines Besseren belehrt.
Natürlich kommt jetzt wieder die gleiche Frage wie drei Jahre zuvor, aber diesmal antworte ich (durch die damaligen wenig euphorischen Reaktionen) nicht mehr ganz so überschwänglich: „Mmh…ich studiere Buchhandel- und Verlagswirtschaft.“ Und um der Frage nach dem „Was ist das?“ vorzubeugen füge ich meistens noch „Also Wirtschaft mit dem Schwerpunkt auf der Buch- und Zeitschriftenbranche.“ dazu.
Darauf hin tritt meistens kurzes Schweigen ein, man blickt in ein verwirrtes Gesicht, eine Augenbraue hebt sich skeptisch und man bekommt ein „Und was macht man dann damit?“ oder (noch ermutigender) „So was gibt es?“ zu hören.
Ganz langsam beginne ich mich zu fragen warum das so ist, weshalb man beim Thema Buchhandel immer auf derart verhaltene Reaktionen und hochgezogene Augenbrauen stösst. Haftet dem Buchhandel immer noch ein Hauch Verstaubtheit und Eigentümlichkeit an oder ist es die Angst davor dass ein Buchhändler oder Buchhandel- und Verlagsstudent unglaublich viel mehr wissen könnte als man selbst, weil er ja sooo viel gelesen hat?
Ich habe mich auf lange Erklärungen eingelassen, und meinen Gegenübern erklärt dass auch Buchhändler Dan Brown lesen, und nicht immer nur Thoams Mann. Das Buchhändler bei der Arbeit nicht in dunklen Ecken sitzen und sich in Bücher vertiefen, sondern stets lächelnd mit offener Körperhaltung auf die Kunden zugehen. Und ich habe versucht zu erklären dass zwischen den ersten Manuskript Seiten eines Autors und der super günstigen Taschensonderausgabe auf dem Ramschtisch vor der Buchhandlung viel Arbeit liegt, die (unter anderem) später von Buchhandel und Verlagswitschafts-Absolventen getan wird.
Die Antwort einer Freundin darauf: Sie hat mir mit hochgezogener Augenbraue ein Türschild geschenkt. Aufschrift: „Hier wohnt ein Bücherwurm“.
Soll man sich davon entmutigen lassen?
Beatrice Kretzschmar


2 Kommentare
auf keinen Fall entmutigen lassen sondern weiter machen und immer mehr Menschen überzeugen. Ich kann gut nachvollziehen wie es dir ging und immer noch geht. Habe ich doch die gleichen Fragen über mich ergehen lassen müssen - und dann immer noch ein .."Du...Buchhändlerin?? Sind die nicht alt und sitzen im dunklen Kämmerlein?" Also Kopf hoch und raus damit! Buchhandel und Verlagswirtschaft.. und was machst du?
Lieben Gruß
Kathi
als Absolvent des Stuttgarter Studiengangs kann ich das Geschriebene sehr gut nachzuvollziehen. Es ist teilweise erschütternd, wie schematisch ("Medizin" - "Maschinenbau" - "BWL"
In eine ähnliche Kategorie fallen auch die Kommentare gegenüber Bibliothekaren - die sitzen auch nur in dunklen Ecken und lesen.
Und, "Bücherwurm" ist besser als "Leseratte" - warum gibt es keine positiver assoziierte Tiere in der Branche? Lesekatze wär' doch mal was.
Viele Erfolg und liebe Grüße,
Konrad.