Such- und Vertriebsplattform Ocelot.de
Klepp fand bald Interessenten unter mittleren und kleinen Verlagen, die sich von der zusätzlichen Netzpräsentation einen Kick für ihre Backlisttitel versprachen. Auch vergriffene Bücher werden auf diese Weise digital wieder nutzbar. Heute sind neben Campus die Verlage Christoph Links, Peter Hammer, Lukas, Passagen, Mabuse und Ludwig mit Programmsegmenten, Reihen oder Einzeltiteln vertreten.
Inhaltlich liegen sie meist auf einer Linie, die von Politik und Zeitgeschichte über Medizin, Philosophie und Religion bis zu Soziologie reicht. Pro Tag stöbern zwischen 50 und 150 Nutzer in den Buchseiten. »Der Abverkauf wird durch unsere Plattform spürbar befördert«, sagt Klepp. Vor allem Studenten nutzten das Internet zunehmend als Primärquelle. Zwar wirke jede kostenpflichtige Leistung noch immer als Hemmschwelle. Doch je vielfältiger das Netzangebot werde, umso schneller akzeptiere man auch Registrierung und Kosten.
Sucht man im Netz zum Beispiel nach der »Geschichte der Ethnologie« von Werner Petermann, die 2004 bei Peter Hammer erschien, stößt man nach Amazon auch auf Ocelot.de. Hier wird der 1.081 Seiten starke Titel zunächst mit Cover und Kurzinfo vorgestellt, ein Bestell-Button für das Buch lenkt zum Verlag. Wer zuvor in dem Titel lesen will, kann entweder über Schlagwörter im Volltext recherchieren oder einzelne Abschnitte am Bildschirm lesen.
3,68 Euro für ein Kapitel
Der Reader, identisch mit dem virtuellen Lesegerät bei Campus, zeigt die freien und kostenpflichtigen Seiten an - im Beispielfall sind nur Titel, Impressum und Inhaltsverzeichnis kostenlos. Die Zugriffsrechte definiert der Verlag. Für das Lesen des Vorworts (drei Seiten) schlagen acht Cent, für das erste Kapitel (132 Seiten) 3,68 Euro zu Buche. Das exklusive Leserecht gilt nach Registrierung des Nutzers sechs Monate. Als weitere Nutzungsform wird der Download des gesamten Buches als PDF angeboten (Preis: 44,93 Euro). Für das gebundene Buch sind 59,90 Euro zu bezahlen. Die Nachfrage wächst - wenn auch zögerlich. Der Christoph Links Verlag etwa bietet nicht nur seine Forschungsreihen zu Birthler-Behörde und DDR-Gesellschaft an, sondern nutzt das Online-Fenster auch für seine Vorschauen und weitere Buchtitel. Frithjof Klepp würde seine Plattform gern auf wenigstens 1.000 Titel bringen. Auch Belletristikverlage, so meint er, sollten nicht länger zögern. Auf Handy-Screens in Tokio oder Moskau flimmerten nicht nur Comics, sondern inzwischen auch Passagen aus dicken Romanen.
(Heft 22)
Volkhard Bode

