HINTERGRUND VOLLTEXTSUCHE

Insight / Random House

Ganz so weit wie Harper Collins mag sich Random House offenbar nicht aus dem Fenster lehnen.

Während der US-amerikanische Buchverlag des Medienmoguls Rupert Murdoch Novitäten über das Feature »Browse Inside« fast komplett und kostenfrei ins Internet stellt und auf wachsende Werbeeffekte hofft (BÖRSENBLATT 20/2007), setzt Bertelsmann mit seinem Anfang Juli gestarteten deutschen Online-Service Insight lieber auf den Spannungseffekt und lockt mit 25 bis 40 Seiten zum Anlesen. Genau genommen sollen es zehn Prozent des Buchtextes sein, die sich frei durchblättern lassen.

Anders die Volltextsuche: Die aufgefundenen Textstellen nehmen auf immerhin 90 Prozent des Buchtextes Bezug. Doch Random House punktet vor allem mit einer Neuerung – dem sogenannten Widget. Mit dieser Internetapplikation auf Flash-Basis, die einem interaktiven Mini-Lesegerät gleicht, lassen sich sämtliche Titel aus dem Insight-Service mittels HTML-Codeschnipsel auf eine Website übernehmen.
Auch damit kann man wie im Buch hin und her blättern und nach Schlüsselwörtern suchen – was neben Bloggern und Nutzern von Social Networks wie MySpace insbesondere Buchhändler ansprechen soll, die auch über einen Online-Shop verfügen. »Wir nutzen Leseproben und Suchfunktion als Marketinginstrument und gehen davon aus, dass sie im Buchhandel und im Netz breite Verwendung finden«, sagt Frank Sambeth, verantwortlich für das operative Geschäft und Unternehmensentwicklung bei Random House. Die laufenden Gespräche mit großen Ketten wie anderen Buchhändlern seien vielversprechend.

Zugang zu Insight gibt es über mehrere Wege. Sucht man auf der Website der Verlage nach den Novitäten von August bis Oktober, zeigt etwa Blanvalet gleich neun von zwölf Titeln mit dem Service »Suche im Buch«. Bei Heyne sind es sechs von 19, bei Luchterhand einer von sieben. Öffnet man diesen Luchterhand-Titel – Franz Hohlers Roman »Es klopft« –, kann man sich also sowohl im Widget als auch in der Leseprobe gleich in die ersten 26 Seiten vertiefen. Das Stichwort »Frau« zeigt 65, »Liebe« acht Treffer bei der Volltextsuche an. Gleich mehrere Online-Buchhändler werben auf der Website um Käufer. Über bol.de?/?buch.de ist bereits das Widget abrufbar.

Auch Backlist-Titel sollen erfasst werden

Begonnen hat Insight mit 3?000 Novitäten, die als PDF vorliegen. Inzwischen sind mehr als 1?000 weitere Belletristiktitel, Sach- und Kinderbücher hinzugekommen. Es gäbe keine Präferenzen bei der Auswahl, unterstreicht Sambeth. Ausschlaggebend sei derzeit die Verfügbarkeit. »Wir arbeiten uns rückwärts bis in die Backlist vor, liegt kein PDF vor, werden wir zum Scannen übergehen.«
Im Augenblick gibt es noch Lücken unter den 33 Verlagen der Gruppe. Kösel oder das Gütersloher Verlagshaus mit seinem Schwarzbuch zu Scientology etwa sind bei Insight noch nicht dabei. Dafür wurden bereits schneller als ge-plant rund 600 Hörbuchtitel in das Widget-Programm aufgenommen. Die Bertelsmann-Tochter Arvato Systems bietet zudem anderen Verlagen an, das von Random House entwickelte Insight-Konzept zu nutzen. Alternativ können andere Verlage das Konzept auch durch einen frei gewählten IT-Dienstleister selbst implementieren lassen.

(Heft 40)

Volkhard Bode

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