HINTERGRUND LANGENDORFS DIENST

22.11.2007

Ende der Magerkur

Butter und Benzin werden teurer. Lesestoff auch, wenngleich viel verhaltener. Die mehrjährige Auszeit bei den Buchpreisen ist erst einmal vorbei.

Lange war Ruhe an der Preisfront, jetzt zieht die Teuerung in Deutschland wieder an, fühlbar für jeden im Supermarkt, an der Zapfsäule und auf der Stromrechnung. Zuletzt hatte die Gemeinschaftsdiagnose der führenden Institute eine Teuerung von 2,1 Prozent für 2007 prognostiziert, die sich 2008 auf 2,0 Prozent verlangsamen sollte. Doch es gibt keine Anzeichen für ein nachhaltiges Ende der preistreibenden Effekte.
Auch mit den Bücherpreisen geht es neuerdings eher wieder aufwärts. Dabei hatte sich die Buchpreisentwicklung in den vergangenen Jahren vom allgemein steigenden Trend weitgehend abgekoppelt. Während die Verbraucherpreise mal mehr, mal weniger, aber doch ohne Unterbrechung nach oben kletterten, hatten die Bücherpreise anderthalb Jahre lang eine Auszeit genommen.
Zwischen Februar 2006 und Juni 2007 war der amtliche Preisindex für Bücher im Jahresvergleich zurückgegangen. In den vergangenen drei Monaten pendelte der Bücher-Index dann etwas unschlüssig um die Null-Marke herum. Erst der neueste Wert, der Preisindex Bücher für Oktober, zeigt wieder eindeutig nach oben – auch wenn der Anstieg um 0,6 Prozent vergleichsweise moderat ausfällt.
Die Verbraucherpreise dagegen haben im September einen Sprung von 2,0 auf 2,4 Prozent gemacht. Auf diesem Niveau ist die Jahres-Teuerung auch im Oktober geblieben. Dass Energie teurer wird, ist keine Überraschung; neu ist der Auftrieb bei den Lebensmittelpreisen, der sich schon im Index der Einzelhandelspreise bemerkbar macht – auch wenn sie immer noch langsamer als die Verbraucherpreise steigen.

Von elf auf neun Euro pro Buch

Weitaus spannendere Ausschläge als die amtliche Statistik liefert eine Zahl aus Kreisen des Filialbuchhandels, an der sich das Durchschreiten der Talsohle beim Buch deutlich ablesen lässt. Bei besagtem Filialisten fiel der Durchschnittspreis der im Bargeschäft verkauften Bücher in diesem Jahr von rund elf Euro auf unter neun Euro. 2006 war sogar der saisonübliche Preisanstieg vor Weihnachten so gut wie ausgeblieben.
Seit dem Tiefpunkt im Mai 2007 zeichnet sich am Point of Sale allerdings wieder eine Erholung ab, und mit der Unterstützung von »Harry Potter« VII zieht der Preis pro verkauftem Buch auch im Herbstgeschäft wieder an. Im Filialbuchhandel zeigt sich die dezente Andeutung der amtlichen Statistik schon etwas klarer: Die Preiswende ist in Sicht.

Boris Langendorf

[...] Tags: Konjunktur

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