24.01.2008
Bemerkenswert unaufgeregt
In der vergangenen Woche rauschte der ZEW-Index Konjunkturerwartungen, eines der meist beachteten Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft, entschlossen nach unten. Schon seit Mai 2007 geht es nur abwärts mit diesem Index. Also auch mit der Konjunktur?
Das nun nicht gleich. Denn der freie Fall des ZEW-Index überzeichnet das Stimmungsbild, was sich bereits aus der Basis des Barometers ergibt. Denn erhoben wird der Index nur bei Finanzexperten, und denen steckt die Hypotheken- und Finanzkrise besonders in den Knochen. Das zeigt sich schon daran, dass der Index in der Branchenwertung den einst so stolzen Banken inzwischen die mit Abstand schlechteste Erwartungsnote zubilligt. Die Versicherungen kommen ebenfalls schlecht weg.
Hinzu kommt: Der Index zeigt nur die Erwartungen und blendet die (vom ZEW durchaus erhobene) Einschätzung der aktuellen Lage aus. Je besser aber die Ausgangssituation, desto näher liegt die Erwartung: Jetzt kann es eigentlich nur noch abwärtsgehen.
Nach dem Urteil der Experten hat sich zwar auch die derzeitige wirtschaftliche Lage wieder verschlechtert, sie ist aber immer noch alles andere als alarmierend: 57 Prozent bewerten die Situation weiterhin als gut, 42,6 Prozent als normal, nur der verschwindende Rest bezeichnet die Lage als schlecht. Die Position ist also vergleichsweise komfortabel – die Hälfte der Befragten geht in der Prognose davon aus, dass das auch so bleibt, vier Prozent erwarten sogar noch eine leichte Verbesserung. So dramatisch, wie die Kurve suggeriert, sieht es also gar nicht aus.
Einzelhandel ist sauer
Der noch stärker beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex ist seit Mai auf dem absteigenden Ast, bewegt sich aber trotz verhaltenem Abwärtstempo immer noch auf hohem Niveau. Auch im Dezember hielt sich der Wert über der 100-Punkte-Marke, die bei Ifo den »konjunkturneutralen« langfristigen Durchschnitt anzeigt.
Weniger freundlich als in der Gesamtwirtschaft ist es um die Stimmung im deutschen Einzelhandel bestellt. Bis August hatte sich der BBE-Index Einzelhandelsklima über der magischen 100 gehalten, die in diesem Index den Gleichstand zwischen positiven und negativen Einschätzungen markiert. Seit September liegt der Wert wieder unter 100, die Pessimisten überwiegen also. Das schwache Weihnachtsgeschäft im Dezember hat dafür gesorgt, dass der Pegel von 93 auf 87 Punkte fiel, der niedrigste Wert des Jahres 2007.
Erst recht kein Staat zu machen ist mit der Stimmung in der Einzelhandels-Branchengruppe »Freizeit, Bildung, Unterhaltung«. Deren Index bewegte sich das ganze Jahr über weit unter dem Einzelhandelswert.
Nicht ganz so trübe sieht es bei der Verbraucherstimmung aus. Der GfK-Konsumklimaindex ist zwar seit August rapide gefallen, doch im Januar zeichnet sich eine kleine Erholung ab. Stabil hält sich auch der zweite Verbraucher-Index, das Icon-Konsumbarometer. Dessen Stand von immer noch mehr als 100 Punkten wird vom Institut als Anzeichen für eine verfestigte positive Grundstimmung interpretiert.
In diesem vielschichtigen Stimmungs-Umfeld gibt sich der Sortimentsbuchhandel bemerkenswert unaufgeregt. In der einjährigen Tendenz zeigt das Geschäftsklima nach dem Buchhandels-Barometer von Langendorfs Dienst immer noch leicht nach oben, auch wenn die Stimmungswerte zuletzt nachgelassen haben.
Sowohl im Dezember wie auch im Januar verharrte das LD-Barometer auf der neutralen 100, positive und negative Einschätzungen hielten sich die Waage. Was nicht heißt, dass das Klima gleich blieb: Im Januar wurde die aktuelle Lage etwas schlechter bewertet als im Dezember, dafür waren die Erwartungen optimistischer – prinzipiell ein gutes Zeichen. Aufbruchstimmung ist aber erst zu konstatieren, wenn der Erwartungs-Index den Lage-Index übertrifft, und das auf möglichst hohem Niveau.
Davon ist der Buchhandel noch ein Stück entfernt. Wenn sich aber der Arbeitsmarkt weiter gut entwickelt und sich die Inflationsängste etwas zerstreuen, kann das konsumpsychologische Umfeld auch dem Sortiment wieder zu einem steigenden Geschäftsklimaindex verhelfen.
Boris Langendorf
[...] Tags: Konjunktur, Langendorfs Dienst

