Indizierung

Bundesfamilienministerium will religionskritisches Kinderbuch indizieren

Ursula von der Leyens Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die Indizierung des Kinderbuchs "Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel" (Alibri) als jugendgefährdende Schrift beantragt.

Das satirische Kinder- und Erwachsenenbuch von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke war im Oktober 2007 auf den Markt gekommen. Nach Angaben der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wird die mündliche Verhandlung Anfang März stattfinden. Der Verlag und die Autoren wehren sich gegen die Vorwürfe des Ministeriums und sprechen von politischer Zensur: Der Indizierungsantrag sei ein durchsichtiger Versuch, Religionskritik aus den Kinderstuben zu verbannen. Man werde diesen "Anschlag auf die Meinungsfreiheit" nicht hinnehmen, heißt es.

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18 Kommentar/e

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  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    "Wo bitte geht`s zu Gott?" oder "Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen" sehe ich meiner Meinung nach in keinster Weise als indizierungsbedürftig an.
    Die Frage ist: Warum soll Kindern nicht schon im früherem Alter die Möglichkeit zu einer objetiven Meinungsbildung gegeben werden. Wer zum Glauben finden will, findet meines Erachtens dahin. Im Gegenzug müssten ja die ganzen "Lektüren" auf dem Index landen, die genau das Gegenteil versuchen.
    Dies ist (ich geb es zu) eine vielleicht oberflächliche Haltung meinerseits. Schließlich jedoch steht die Annahme von Gottesgläubigkeit nicht im Wahlprogramm der "Mutter der Nation".
    Madame VDL scheint wohl eher der Meinung zu sein, mit ihrer Art das perfekte Familienbild in diesem Staate aufzuzeigen. Der Umstand sieben Kinder in die Welt gesetzt zu haben befähigt noch nicht dazu, zu entscheiden welches Buch gut oder schlecht für ein Kind ist.
    Wir alle wissen, wenn wir Frau VDL ein wenig näher kennen, dass sie sehr "religionsaffin" gebaut ist und religiöse Aspekte gerne an ihr Kind bringt. Dies grenzt meines Erachtens schon an leicht religiöse Verblendung.
    Madame sollte wohl eher dem literarischen Sektor die weitere Freiheit und Meinungsäußerung belassen. Vielleicht ließt und subsummiert sie in einer ruhigen Stunde mal den Artikel "Freie Meinungsbildung" des Grundgesetzes.
    Die Autoren des o.g. Buches werden wohl schon selber überprüft haben ob das Buch "gesellschaftsfähig" ist. Ebensolches werden vorher Verlag und Lektoren gemacht haben.
    Es gibt andere Bücher die eher auf den Index gehören!

    Jörg Jahn-Meyer
    Inhaber The Book Buchhandlung Stolzenau
    Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau

  • Sebastian von Roos

    Sebastian von Roos

    Es geht "überall" zu Gott, denn alles ist aus dem, was Gott ist. Aber Gott ist keine Person, sondern das Ganze, dessen Teil wir sind. Gott ist Ganzheit. Und wir können das Ganze, dessen Teil wir sind AHNEN.

    "Aus dem Ganzen sind wir geboren und sind auch noch darin.
    Gott ist das Wort, um das Ganze, in dem wir leben, zu verstehen."
    (aus: WAS WIR SIND von Hans-Peter Neudenberger)
    http://www.amazon.de/WAS-WIR-SIND-Begleiter-Bauste inen/dp/3932817028

  • Hans - Joachim Schulz

    Hans - Joachim Schulz

    Na, warten wir doch erst einmal ab, ob unser Familienministerium nicht doch den Knall gehört hat.

    Meines Wissens ist keine der Aussagen dieses Buches falsch oder in irgend einer Weise Kinderpsyche mit Unlogik belastend.
    Nur anderer Leute Psyche scheinen Wahrheiten nicht vertragen zu können.

  • RF Meyer

    RF Meyer

    Schlage vor, Voltaire „Candide“ und Philip Pullman „HDM“ aus gleichen Gründen auf den Index zu setzen.

  • Mathias Schindler

    Mathias Schindler

    Aus atheistischer Sicht kann man dem Ministerium für diesen Akt der Buchförderung danken. So gibt man einem kleinen Verlag die Chance, einmal Tagesgespräch zu werden. Teil 2 dieser Aktion wird der sang- und klanglose Untergang dieses Indizierungsversuches sein.

    Vielleicht ein guter Zeitpunkt, die Kinder- und Jugendgefährdung durch religiösen Fanatismus einmal zu thematisieren.

  • le M.

    le M.

    Andere Quellen sprechen (s. Link) übrigens davon, dass das Buch aufgrund antisemitischer Tendenzen geprüft werden soll.

  • Beate Turner

    Beate Turner

    Ich halte Bücher, die Kinder über Religionen aufklären, für äußerst wichtig und habe daher auch meinen Kindern dieses Buch gekauft. Meine Kinder lieben dieses Buch, denn es gibt ihnen in dieser religionsübertölpeten Gesellschaft Kraft.

    Unser großer Sohn (8) geht in eine staatliche Schule in Berlin!, auf der der Gotteswahn unter der Elternschaft offenbar sehr verbreitet ist. Als einziges Kind einer Klasse, das nicht am missionierenden Religionsunterricht teilnimmt, hat man es da nicht leicht.

    Religionsunterricht hat nichts an staatlichen Schulen zu suchen. Unsere Kinder haben ein Recht, Wissen vermittelt zu bekommen und nicht mit Scheinwissen umnebelt zu werden. Das Ferkelbuch ist ein erster Schritt, um Kinder an Wissen über Religionen heran zu führen und daher von besonderer Wichtigkeit. Ich wünsche mir noch mehr solche Bücher!

  • Beate Turner

    Beate Turner

    Wir haben übrigens nicht den Eindruck, dass das Judentum „als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt“ ist, wie das Familienministerium behauptet. Der Vertreter des Judentums hat doch Schweinchen und Igel gar nicht in sein Gotteshaus hinein gelassen. Viel realer sind doch noch die Darstellungen des Christentums und des Islams, hier in dem Buch noch etwas mehr "zum Anfassen" präsentiert.

    Der Antisemitismusvorwurf ist so zu sagen ein Feigenblatt, mit dem das Familienministerium insbesondere die begründete Kritik am Christentum verhindern will. Nur mit so einer Begründung wäre man wohl nicht ganz so gesellschaftsfähig ...

  • Daniel L.

    Daniel L.

    Ich habe mir das Buch jedenfalls gleich mal bestellt :-)

  • RF Meyer

    RF Meyer

    Liebe Kollegen,
    es gibt nun eine Webseite zum Buch:
    http://www.ferkelbuch.de/
    Freundliche Grüße, RF Meyer

  • HW Müller

    HW Müller

    Dass die religiöse Lobby bei einem harmlosen Kinderbuch derart nervös wird, zeigt doch wieder einmal, dass sich die religiösen „Würdenträger“ sehr wohl bewusst sind eine völlig absurde und weltfremde „Wahrheit“ zu verkünden. Damit der Strom an Nachwuchsschäfchen nicht abreist müssen diese so früh wie möglich eingefangen werden. Denn haben Kinder erst einmal gelernt alles kritisch zu hinterfragen und sich nicht mit einfachen Erklärungen zufrieden zu geben wird’s für die scheinheiligen Herren eng. Ohne Schäfchen keine Einnahmen und ohne Einnahmen gibt’s weder ein Priestergehalt noch Macht und Einfluss auf die Gesellschaft. Letzteres ist der Eigentliche Zweck des ganzen Mummenschanzes.

    Die Absurdität der Vorwürfe lässt aber eine Abweisung des Antrags erwarten und die Antragsteller haben sich wieder einmal in aller Öffentlichkeit total lächerlich gemacht. Damit werden sie im Endeffekt genau das Gegenteil von ihrem eigentlichen Ziel erreichen.

    Mit freundlichen Grüßen

    HW Müller

  • Olaf Radimersky

    Olaf Radimersky

    Herr Schulz:
    "Na, warten wir doch erst einmal ab, ob unser Familienministerium nicht doch den Knall gehört hat."

    Ich gönne Ihnen Ihre Bequemlichkeit, doch gibt es in diesem Fall nichts abzuwarten.
    Wer das Buch kennt, weiß, daß es sich hierbei um einen Angriff auf die höchsten menschlichen Werte dreht (Meinungsfreiheit, Gesinnungsfreiheit, Pressefreiheit etc. pp.).
    Meines Erachtens ist diesbezüglich bereits der Versuch eines Verbotes ein Verbrechen (in aller Deutlichkeit).

  • Dr. Kari Köster-Lösche

    Dr. Kari Köster-Lösche

    Es ist beängstigend, in welcher Geschwindigkeit konservative/fundamentalistische Christen in Deutschland in allen Lebensbereichen an Boden gewinnen. Bemerkenswert übrigens, dass das Ministerium sich eben der von Walser angeprangerten Methode (Auschwitzkeule) bedient, um sicherer zum Erfolg zu kommen.

  • Mathias Schindler

    Mathias Schindler

    Da ja im vom humanistischen Pressedient veröffentlichten <a href="http://hpd-online.de/files/BMFSFJ-Indiz ierungsantrag.pdf">Indizierungsantrag</ a> die Telefonnummer der Verursacherin dieses Anschlags auf die Meinungs- und Glaubensfreiheit aus dem BMFSFJ veröffentlicht wurde, habe ich bei Susanne Schuster (Durchwahl 27 17) einmal versucht anzurufen. Leider geht dort niemand ans Telefon.

    Ich hätte sie natürlich gerne gefragt, ob sie hier nicht das Problem zwar richtig erkannt, aber leider falsch verortet hat. Die Geschichten von Massenmord aus niederen Motiven aus Septuaginta sind ja mitunter durchaus in der Lage, die Entwicklung von Kindern zu schädigen. Weitere Belege für die Fähigkeit zur sozialehtischen Desorientierung kann man ja auch im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kriminalge schichte_des_Christentums">Ganzundgarnicht kinderbuch von Deschner</a> nachlesen.

  • R. Neubert

    R. Neubert

    Wenn Dummheit in Regierungsbehörden einzieht, ist es mit dem Ländle nicht weit her.

  • Schmidt Peter

    Schmidt Peter

    Was heißt denn , wenn Dummheit in die Regierungsbehörden einzieht, ...sie ist doch dort!!!!
    Und außerdem, wer sich so aggressiv zur Wehr setzt, zeigt sich doch selbst an, oder
    MfG. Peter

  • Sophie Amrain

    Sophie Amrain

    Das Ferkelbuch soll wegen Gewaltverherrlichung auf den Index, weil es darauf hinweist, dass in der biblischen Erzählung von der Sintflut Gott die gesamte Menschheit (- 1 Familie) umkommen läßt. Allerdings bedeutet Gewaltverherrlichung ja, dass man mit den dargestellten Greueltaten einverstanden ist. Das ist in diesem Kinderbuch ja nun gerade nicht zu befürchten - im Gegensatz zu religiösen Kinderbüchern, die den Kindern diese Greueltaten zwar nicht veranschaulichen, aber dafür rechtfertigen.

  • S. Berninger

    S. Berninger

    Interessant, mit welchem Fanatismus (...) mitunter Religionskritik betrieben wird.

    • ...

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