Literarisches Leben
04.02.2008Leser-Mail
"Wie aktuell ist "Druckfrisch“ eigentlich?"
"Zielgruppe von TV-Bücher-Sendungen ist sicher nicht der Buch-Erstkäufer. Folglich sind dem Bücherfreund – laut Umfragen und Sinus-Studie kennt sich diese Gruppe sehr gut im Buchangebot aus und informiert sich regelmäßig über Neuerscheinungen – die flächendeckend abgedruckten Top-Seller-Listen wohl vertraut, bedürfen nicht einer erneuten Besprechung. Schon gar nicht unter dem Titel „Druckfrisch“, wenn es um Bücher geht, die seit Herbst letzten Jahres auf dem Markt sind (Funke „Tintentod“, Hosseini „Tausend strahlende Sonnen“) oder breitflächigst durch die Presse gingen (Franck „Mittagsfrau“) - und das obwohl jetzt gerade aktuell die ganzen Neuerscheinungen in den Handel kommen.Warum Gila Lustiger zwei Versionen von „Herr Grinberg & Co“ verfasst hat - eine für Erwachsene, eine für Kinder - weiß man auch nach dem Interview nicht wirklich. Wie das Gespräch selbst ist die Kameraführung so unruhig und wenig zielorientiert, dass es kaum noch stört, dass auch die Lautstärke ständig schwankt. Und wozu sollte man Buchtitel optisch erkennen können, wenn sie in die Kamera gehalten werden?
Human touch zieht immer, dachte sich wohl jemand. Deshalb ist es auch einfach mal nett, zu erfahren, was Cornelia Funke liest, wenn sie nicht selbst schreibt. Warum aber der englische Buchtitel in der Kamera erscheinen muss, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Immerhin wird beiläufig die deutsche Übersetzung erwähnt.
Wesentlicher aber die Frage, wie aktuell ist „Druckfrisch“ eigentlich? Das nämlich fragt sich der Buch-Enthusiast kurz vor Mitternacht, wenn er Cornelia Funke barfuss in ihrem sommerlichen Garten plaudern hört. Überlegen wir doch gerade, wie wir den Rosenmontagszug trotz Kälte, Nässe und Sturm überstehen? Da hilft auch das Konfetti, das Scheck über die Bestseller-Listen wirft, nicht mehr viel.
Alte Kamellen, die uns im öffentlich rechtlichen Fernsehen vorgesetzt werden? Hoffen wir nur, dass Scheck für den kurzen Dreh zur „Driver“-Rezension nicht extra in die USA aufbrechen musste.“
Elke Fettweis



1. ft 04.02.2008 13:55h
soweit ich weiß, hat scheck funke in kalifornien besucht.. ist zwar auch schon länger her (zweitverwertung von material zur letzten sendung), würde aber das schöne wetter erklären.
2. Wolfgang Tischer 04.02.2008 14:20h http://www.literaturcafe.de
Besonders ärgerlich auch, dass das noch am Donnerstag im Pressetext angekündigte Interview mit Ray Bradbury nicht gesendet wurde. Auch im Videotext war das Interview noch angekündigt. Warum es raus- und stattdessen Frau Funke reingefallen ist, darüber schweigt die Redaktion von druckfrisch.
3. Sven Trautwein 04.02.2008 14:32h http://www.literature.de
Nicht alles, was sich also am Medienhimmel tummelt, ist aktuell. Manch andere Medien sind dann doch schneller und näher dran am Buch und Leser.
4. Christoph Nai 04.02.2008 14:37h
Über die Aktualität von druckfrisch kann man sich streiten. Schade nur, dass Frau Fettweis nicht mehr zu bieten hat, als eine bemerkenswert holprige, argumentativ mickrige Polemik. Würde mir vom BÖSERBLATT etwas mehr Qualitätskontrolle wünschen.
5. Andreas Wilhelm 04.02.2008 14:46h www.montsegur.de
Natürlich war das Stoff aus Kalifornien. Der USA-Besuch ist ja auch der Grund, weshalb in der nächsten Folge T.C.Boyle mit einem Interview dran ist. Die Handkamera soll dem Ganzen einen stylischen Touch verpassen ("Yo, man, booklover is in da house"). Am Ende eine Geschmackssache. Ebenso, wie Buchbesprechungen, die bisher stets im Studio am Schreibtisch oder in der Sesselrunde gedreht werden. Dass man die Cover der Bücher, die erwähnt werden, nicht erkennen kann, ist vermutlich Teil des selbstironischen Konzepts der Sendung. Und alles auch eine Frage der Zielgruppe, die man sich um diese Uhrzeit noch vor dem Fernseher sitzend vorstellt.
In der Tat ist aber verwunderlich - wenn auch häufig vergnüglich - weswegen die Buch Top 10 rezensiert werden müssen. Als ob diese jedwede zusätzliche Bewerbung nötig hätten. Viel interessanter die Gespräche mit den Autoren und die tatsächlichen Buchempfehlungen. Leider alles immer wieder viel zu kurz.
6. Jörg Weinreich 04.02.2008 14:50h
Schade, dass Frau Fettweis die Sendung nicht gefällt. Nun, sie MUSS sie ja nicht sehen! Ich jedenfalls und viele meiner KollegInnen in der Bibliothek finden, dass Herr Scheck uns Zuschauern eine der spritzigsten, unterhaltsamsten und witzigsten Literatursendungen im dt. Fernsehen liefert. Besonders das "Bestseller-Bashing" ist immer einige Lacher wert - und wiederholt sich trotz gleicher Buchtitel nie!
7. Frithjof Klepp 04.02.2008 14:50h www.kohlibri.de
Interessant, wie selbst die Branchenleute "Aktualität" mit der Saison des Bücherausstoßes verwechseln. Nicht zu vergessen Denis Schecks wunderbare Verisse der Top-10 der Bestsellerlisten. Denis Scheck hält die Fahne der Literatur im Fernsehen hoch!
8. Olaf Reins 04.02.2008 14:54h -
Eine überflüssige Sendung mit einem lustigen Herrn, dem einer beneidenswerten Tätigkeit nachgehen zu dürfen das Privileg verliehen wurde.
9. r. stefan 04.02.2008 16:34h
Für "Druckfrisch" wach zu bleiben, lohnt allemal: keine andere Literatursendung filmt an solch ungewöhnlichen Plätzen wie diese, unvergessen das ungewollte Bad des Moderators im Meer bei der Vorstellung vom "Schwarm". Ausgesucht und hochkarätig - passend zu den jeweiligen Drehorten - fast alle vorgestellten Titel. Und was macht's, wenn sie schon wenige Wochen auf dem Markt sind? Nicht mehr lesenswert, etwa? Dies zeigt doch nur, dass "Druckfrisch" viel zu selten gesendet wird und schon deshalb ein wirklich toller Titel auch mal warten muss, bis wieder Sendezeit ist.
Den Sinn der Bestseller-Schau hat Frau Fettweis offensichtlich überhaupt nicht verstanden ... Schade!
10. Herbert Huber 04.02.2008 17:15h www.lesekost.de
Ob Druckfrisch zeitlich extrem frisch ist, ist für mich nicht so wichtig. Andrerseits ist Scheck wohl der einzige im TV, der Schmarrnbücher in die Pfanne haut. Woanders wird halt Hosseini „Tausend strahlende Sonnen“ (von Frau Elke Fettweis explizit genannt) gelobt; vielleicht weil man den "Drachenläufer" gut fand. Selbst im Radio wird meist nur gelobt (löbliche Ausnahme: Büchermarkt, DLF).
Für mich gibt es im deutschen TV keine bessere Literatursendung. Welche von den 3-4 - halt, jetzt fällt mir noch eine ein - also: von den 4-5 ernsthaften Konkurrenz-Literatursendungen ist besser?
11. Manfred Keiper 04.02.2008 20:12h
1. Literatur ist im TV viel zu wenig zu finden.
2. Warum sollen denn nur allerneueste, "druckfrische" Titel besprochen werden? Es gibt viel zu viele hervorragende Bücher, die in der "Backlist" verschwinden, ohne entsprechend beachtet worden zu sein.
3. Natürlich mag man über die scheckige Auswahl streiten. Tipp: Anders machen! Mehr Literatur im TV durchsetzen!
12. Hilke Ruschmeyer 05.02.2008 10:48h
Ich finde Herrn Scheck sehr erfrischend da er nicht nur den
Buchmarkt hofiert , sondern sich erlaubt eine eigene
Meinung zu haben .
13. Frank 05.02.2008 15:32h
ich finde, dass Denis Scheck ruhig länger auf Sendung gehen könnte. Und dazu auch gern früher! Aber bitte mit dem gleichen Bashing-Stil, der mir allemal lieber ist als die weichgekochte Lobhudelei einer Heidenreich, die sich selbst viel zu wichtig nimmt.
Und auch die andere Elke – ob ihres Textes augenscheinlich keine TV-Expertin... – hat trotz ihrer recht sinnfreien Kritik etwas erreicht: Ihr Name ist durchs Netz gewandert. Und wir wissen ja, dass es keine schlechte Werbung gibt...
14. Schröder 05.02.2008 22:07h
Es muss nicht immer ganz druckfrisch sein - das wiederholte Funke-Feiern allerdings finde ich allerdings auch absolut überflüssig.
15. Udo Moltke 23.02.2008 09:18h
Ich kann mich nur den vorangegangenen Kritiken anschließen. Dass sich jemand traut, liebe Frau Fettweiß, einen so schlecht recherchierten Text ins Internet zu stellen, womöglich nur für die eigene Publicity.
Auch ihre Kommentare über die Kameraführung zeugen nicht von viel Ahnung im Medien/ Filmgeschäft.
Erlauben sie mir die Frage, wieso haben sie Rosenmontag nicht lieber noch etwas recherchiert oder sich besser ganz anderen Sachen zugewandt?