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"Ich bekomme Komplimente"© Andreas Heddergott

05.02.2008Interview

"Ich bekomme Komplimente"

Mehr als 15 Jahre lang war er DuMont-Verleger, 1999 gründete er die deutsche Dependance von Dorling Kindersley. Nun ist Daniel Brücher zurückgekehrt – als Buchhändler. Im Interview mit boersenblatt.net erzählt er von der Verwirklichung eines Traums.

Seit seinem Ausstieg bei Dorling Kindersley vor vier Jahren ist es um Daniel Brücher (53) ruhig geworden. Nun hat der Sohn von Ernst Brücher, dem Gründer der DuMont-Verlags am Münchner Elisabethmarkt eine Buchhandlung eröffnet.

In bester Lage von Schwabing haben Sie unlängst auf 70 Quadratmetern die „Buchhandlung am Elisabethmarkt“ eröffnet. Wie kam es dazu?
Brücher: Von einer Buchhandlung wie dieser träume ich schon lange, nur habe ich bisher immer gezögert, meine Ideen auch tatsächlich umzusetzen. Auf das Ladenlokal machte mich ein befreundeter Buchhändler aufmerksam. Ich habe es mir schließlich angesehen – und begeistert zugegriffen.

Was macht das Besondere Ihres Ladens aus?
Brücher: Jedes Buch, dass Kunden bei uns kaufen können, liegt uns persönlich am Herzen. Unser Angebot besteht also aus lauter Empfehlungen. Das ist mir wichtig. Und was mir noch wichtig ist: Die Kunden sollen sich vom ersten Augenblick an wohlfühlen, so wie in ihrem Wohnzimmer Zuhause. Deshalb habe ich auch eigens einen Innenarchitekten beauftragt, der für uns eine wunderschöne Atmosphäre geschaffen hat. Das hätte ich so nicht gekonnt. Unsere Regale sind ochsenblutrot, der Laden ist hell, gemütlich. Er macht Lust auf Bücher – und aufs Lesen.

Was bieten Sie an?
Brücher: Als Stadtteilbuchhandlung führen wir alles – und von manchem ein bisschen mehr. Literatur wird stark nachgefragt, auch Hardcover. Aber auch Kinder- und Kochbücher gehen gut. Um diese Warengruppen kümmern wir uns deshalb besonders.

Vom Schreibtisch hinter den Ladentisch: War die Umstellung schwierig?
Brücher: Nein. Als Verleger ist man ja im Grunde isoliert, hier habe ich Kontakt zu Kunden. Das hat mir immer gefehlt. Natürlich muss ich noch einiges dazulernen. Andererseits: Die Sorgen und Nöte der Buchhändler waren mir nie fremd. Interessant ist: Es ist nicht leicht, vom Einkommen eines Buchhändlers zu leben. Am Anfang sowieso nicht. Aber natürlich will ich, dass der Laden rentabel ist. In einem Jahr weiß ich da sicher mehr.

Was haben Sie seit Ihrem Weggang bei Dorling Kindersley gemacht?
Brücher: Eine Auszeit genommen. Ich bin viel gereist und habe mich um meine inzwischen verstorbenen Eltern gekümmert.

Wie reagieren Ihre Freunde und Ihre ehemaligen Kollegen darauf, dass Sie nun Buchhändler sind?
Brücher: Meine Freunde sind sehr froh darüber. Sie sagen oft: "Endlich sehen wir dich mal entspannt." Ich genieße es, jetzt einen Gang runterzuschalten, als Verleger stand ich ständig unter Hochspannung. Auch Kollegen von früher kommen gern vorbei. Sie beneiden mich um diese Oase, wie Sie sich vorstellen können. Viele Verleger wohnen ja hier in Gegend. Ich bekomme Komplimente!

Interview: Tamara Weise


Buchhandlung am Elisabethmarkt
Inhaber: Daniel Brücher
Nordendstr. 56
80801 München
Tel.: 089 / 272 733 94
E-Mail: info@buchhandlung-elisabethmarkt.de


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7 Kommentar/e

1. rainer weiss 07.02.2008 16:19h rainer weiss

Toll, SO von Dir zu hören - nach all den vielen Jahren, Und nun fangen wir beide wieder von vorne an. Ich freue mich!!

Herzlich: Rainer Weiss

2. Segmihler-Pye, Susanne 07.02.2008 17:39h Segmihler-Pye, Susanne

Herzlichen Glückwunsch, viel Freude und Erfolg auf der anderen Seite der "Literatur-Welt", wir freuen uns sehr für Sie und kommen Sie sicher auch mal in Ihrer Buchhandlung besuchen...

3. Ian Pye 07.02.2008 19:56h Ian Pye

It sounds great, im jealous too. Lots of luck and with best wishes for a blooming bookshop.

4. Babette Grafenhain-Seiffert 07.04.2008 22:20h Babette Grafenhain-Seiffert

Leicht war es noch nie, sein eigenes Geld zu verdienen - ob als Buchhändler oder bei der Straßenreinigung. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Wenn daneben noch Träume in Ochsenblutrot verwirklicht werden, freue ich mich nicht nur, sondern frage mich, ob tatsächlich jedes Zuhause diese Farbe tragen muss, um sich entspannen zu können - bei einem guten Buch. Ist es nicht vielmehr das Zuhause in uns selbst? Trägt nicht jeder von uns mehr als ein Buch in sich? Eine Musik? Einen Film? Vieles mehr. Du hast den ersten Schritt gewagt. Wunderschön. Jetzt brauchst Du Kraft.
"Wenn Sie verstehen, was ich meine."

5. Rose - Maria (Rosi ) Meißner 23.04.2009 19:02h Rose - Maria  (Rosi ) Meißner

Lieber Dani, Sie werden sich kaum mehr an mich erinnern ( ich war bis zum Tod Ihrer Großmutter Gabriele bei ihr),ich mich an Sie sehr gut.Ich war ganz entsetzt, als ich erfuhr, daß auch Majella nicht mehr lebt.Wir waren zu der Zeit für zwei Monate auf Teneriffa und ich habe leider keine Todesanzeige erhalten.Ihnen lieber Dani wünsche ich alles erdenklich Gute.Ich denke, Sie haben eine gute Entscheidung getroffen. Ihre Rosi Meißner Köln

6. Babette Grafenhain-Seiffert 10.05.2009 23:43h Babette Grafenhain-Seiffert

Lieber Dani,
haben sich Deine Träume nach über einem Jahr verwirklicht - bei allem, was geschehen ist? Wie fühlst Du Dich?
Hast Du losgelassen, was loszulassen war und gehalten, was Dir wichtig ist?
Es kam ja nun ein Leid nach dem anderen. So schnell war damit nicht zu rechnen. So musstest Du Dich wieder einmal zurückstellen, um anschließend nochmals zu beginnen. Ich wünsche Dir dafür die Kraft.
Babette

7. Duren Christa 15.12.2012 00:14h Duren Christa

Hallo Daniel,
bin gespannt, ob du dich noch an mich erinnerst und Lust hast mit mir Kontakt aufzunehmen.Ich habe immer mal wieder
nachgefragt, was aus Dir so geworden ist.Mit Internet ist das nun sehr einfach.Wenn ich in Koeln bin muss ich immer an Dich denken ,wenn ich im HAHNWALD an eurem
ehemaligen Haus vorbeifahre.Melde Dich ,wenn Du Lust dazu hast.
Lieben Gruss Christa
PS:" einstige Rivalin von Hannelore Rems"

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