NEWS ANTIQUARIAT

06.02.2008

Online-Buchhandel

Ebay-Bewertungssystem in der Kritik

Die kürzlich angekündigte Änderung des Ebay-Bewertungssystem sorgt in Internet-Foren für viel Unmut. Darüber berichtet heute die Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Zukünftig können Verkäufer keine negativen Beurteilungen über Käufer mehr abgeben. Das neue Verfahren gilt in Amerika ab Mai. In dem faz.net-Bericht heißt es zur Begründung: "Ebay fürchtet nach eigenen Angaben, dass Käufer aus Angst vor ‚Rache-Bewertungen’ keine negativen Kommentare über Verkäufer abgeben. Beschwerden über Käufer könnten die Verkäufer aber weiterhin direkt bei Ebay abgeben. Ebay könne dann das betreffende Konto sperren.“

Wann die Änderung in Deutschland eingeführt wird, ist noch nicht bekannt. Das Unternehmen lädt am 11. Februar zu einem Pressegespräch nach Berlin ein, um über die "aktuelle Weiterentwicklung und die umfassenden Neuerungen des Online-Marktplatzes“ zu informieren.

[...] Tags: Ebay, Online-Buchhandel

4 Kommentare

1. Heidi06.02.2008 12:14hhttp://www.netzausfall.de/wp-content/heidi_klum.jpg

Gestützt auf eine nach tausenden von Titeln zählende eigene Ebay-Erfahrung würde ich dazu folgendes sagen - gültig n u r für den Buchbereich:

Das Ebay-Bewertungssystem ist für Anfänger im Angebots- wie auch im Kaufbereich nützlich. Es hat seine Berechtigung.

Nach einer gewissen Zahl von Ebay-Transaktionen wird es nahezu bedeutungslos. Mir ist es inzwischen dermaßen schnuppe, daß ich oftmals versäume, überhaupt Bewertungen abzugeben.

Der gute S c a n in mehreren präzisen Buchan- und einsichten, die sorgsame Zustandsbeschreibung (was nicht mit unserer notwendigen Titelei-Sorgfalt bei reinen Datenbank- und Katalogangeboten zu verwechseln ist), einige im Netz ermittelten HInweise zur B e d e u t u n g des Buchs - das zählt.

In den einzelnen Bereichen von Ebay, etwa "Kochbücher" oder "Karl May" ist die Sachkenntnis und das Wissen um Nücken und Tücken der Verkäufer bei den K u n d e n unglaublich hoch. Über diese Sachkenntnis, neudeutsch - o Graus - "Kompetenz" - regelt sich das ganze Geschäft.

Weil man bei Ebay nur *bessere* Titel mit Gewinn verkaufen kann und die Kunden in den besseren Buchbereichen dort sehr sachkundig sind, können wir die Ebay-Bewertungsfrage als Antiquare niedriger hängen.

In vielen anderen Ebay-Bereichen ist sie zentral wichtig.

Insoweit unsere klassischen Bücherdatenbanken "Bewertungen" einführen wollen, verweigere ich mich konsequent und hoffe, daß sich alle Kollegen dieser Haltung anschließen. Der Handel kann und will sich nicht mit solchem Kinderkram abgeben.

2. neletill06.02.2008 20:20h

Das Bewertungssystem ist in Massenangebotsforen wie Ebay, Amazon eine unerlässliche Hilfe. Hier müssen natürlich andere Kriterien angewendet werden als bei Plattformen, die im Grunde Insidern zugänglich sind. Von daher ist der Kommentar von "Heidi" allenfalls ange- aber nicht zu Ende gedacht.
Das bisherige Bewertungssystem von Ebay war tatsächlich ungleichgewichtig. Ich bin sowohl Käufer als auch Verkäufer über Ebay u.a. und es hat mich immer geärgert, daß mich Verkäufer nicht sofort bewerten, wenn ich bezahlt habe. Diese Zahlung ist das einzige, was Verkäufer zu bewerten haben, sie haben somit eher zu bewerten, als der Käufer, der ja erst nach Empfang und Prüfung der Ware bewerten kann und soll. In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass die Mehrheit der Verkäufer erst bewerten, wenn sie eine (gute) Bewertung bekommen haben. Schon bei der Bestätigung des Kaufes drohen die Profis unter ihnen durch die Blume: Vergessen Sie die Bewertung nicht, ich werde Sie danach ebenfalls bewerten... Und wenn man dann einige negative Bewertungen durchsieht, finden sich hier die guten Gründe, die Ebay dazu veranlasst haben, dieses bisherige System zu ändern. Von mir gibt es dafür 10 Sterne!!!!

3. Heidi06.02.2008 22:30hhttp://www.zabonline.de/basic/frame/images/wieseunten/schafe-talkunten.gif

Ich gebe Ihnen gern zu, daß die Bewertungen in beiden Richtungen ihren Sinn haben mögen. Ich werde sie aber weiterhin nur en passant erledigen: Bei mir gibt es immer den gleichen, sehr positiven Text, einmal alle zwei Monate widerwillig eingetragen. Und (ob Sies glauben oder nicht) ich habe grundsätzlich nicht e i n e meiner über 2000 Bewertungen gelesen. Ich h a s s e dieses System, es ist entwürdigend, peinlich und widerspricht allem Handelsbrauch.

Machen Sie mal was gegen dieses Gefühl...

4. G.Koch07.02.2008 02:24h

Bewertungssysteme haben keine Fehler, sondern sind per se ein Fehler. Bewertungen sind potentiell immer subjektivistisch und willkürlich. Ihr eigentlicher Zweck ist Privtatverkäufen eine Legelität zu verleihen, denn beim Kauf bei einem gewerblichen Händler ist der Kunde ja durch das Rückgaberecht geschützt.. Nebenbei wird dadurch das Private an der Privatanbieterei ad absurdumn geführt.
Überdies unsympathisch ist der exhibitionistische Drang, alles öffentlich zu machen. Wenn man im "normalen Leben" mit einem Händler unzufrieden ist, schmiert man ihm jauch keine "Bewertung" an die Schaufensterscheibe, sondern kauft anderswo ein. Diese diskrete Art der Bewertung ist die einzige legitime.

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