Online-Buchhandel

Thorsten Wufka, Leiter des ZVAB Mitgliederservice, im Gespräch

Das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB) ist deutscher Marktführer im Bereich Online-Antiquariatshandel. Wir haben die Ankündigung eines neuen Anbieter-Preismodells zum Anlass für ein Interview mit Thorsten Wufka genommen.

© ZVAB

Thorsten Wufka (geb. 1975) leitet seit einigen Monaten den ZVAB Mitgliederservice und gehört auch der Geschäftsleitung des ZVAB an. Das ZVAB hat kürzlich ein neues Preismodell für die Anbieter bekannt gegeben, das am 1. März in Kraft tritt. Welche Details halten Sie für zentral? Thorsten Wufka: Eine Preiserhöhung wird vom Betroffenen nie mit Gegenliebe aufgenommen, das ist nur natürlich. Daher ist es uns ein wichtiges Anliegen, im Sinne unserer Mitglieder die Gebühren trotz Inflation und anderer Unwägbarkeiten stabil zu halten. Seit fünf Jahren blieben daher die Preise gleich und auch für die nächsten drei Jahre wird keine weitere Erhöhung durchgeführt. Außerdem haben wir die neue Gebührenordnung so gestaltet, dass wir auf Wünsche und Anregungen unserer Kunden eingegangen sind: Zentrale Elemente der neuen Preismodelle sind daher die seit langem geforderte Mindestprovision von 40 Cent, sowie die einheitliche Grundgebühr von 24 Euro für jedes Preismodell. Diese höhere einheitliche Grundgebühr unterscheidet das ZVAB ganz klar von anderen Plattformen ohne Grundgebühr (offen oder versteckt). Dies ist durchaus beabsichtigt, schließlich lassen die anderen Plattformen auch Privatanbieter zu, die in direkter Konkurrenz zu professionellen Antiquaren stehen. Die Mindestprovision pro Verkauf in Höhe von 40 Cent lässt vermuten, das ZVAB wolle damit gestalterisch auf die Angebotsqualität wirken. Trifft das zu? Die Mindestprovision hat zwei Hintergründe: Erstens wollen wir damit dem oft beklagten Preisverfall von Titeln begegnen; denn es macht für Antiquare so keinen Sinn mehr, Titel unterhalb eines bestimmten Preises auf ZVAB anzubieten, ohne sich wirtschaftlich sinnlos zu verausgaben. Zweitens möchten wir auch signalisieren, dass für uns nach wie vor der professionelle Antiquar zählt: Wir werden uns nicht dem Privatanbieter öffnen, Grundgebühr und Mindestprovision sind dafür klare Zeichen. Seit 2006 berät Sie ein eigener Beirat. Wer gehört dem Beirat momentan an? Welche Vorschläge kommen von dort? Im Beirat sitzen Lucie Pabel (Antiquariat Reinhold Pabel, Hamburg), Jürgen Huss (Davids Antiquariat Huss, Dachau), Dr. Michael Simon (Hamburger Antiquariat Keip, Hamburg), Frieder Weitbrecht (Antiquariat J. F. Steinkopf, Stuttgart) und Hugo Wetscherek (Antiquariat Inlibris, Wien). Der Beirat tagt zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst zur Frankfurter Buchmesse. Dabei stellen wir dem Beirat möglichst umfassend die aktuellen Pläne und Ideen vor, dies reicht von Fragen zur konkreten Umsetzung bis zur Einschätzung, ob eine neue Idee auch von den Antiquaren angenommen wird und entsprechend zur Umsetzung gelangt. Wir nehmen die Empfehlungen der Beiratsmitglieder sehr ernst. Läuft die Zusammenarbeit mit Libri nun unbefristet? Die Zusammenarbeit mit Libri wird solange laufen, wie preisgebundene Titel ein Thema für das ZVAB sind und Libri selbst unser Partner in diesem Bereich sein wird. Eine grundlegende Erneuerung der ZVAB Seite wurde im September 2007 angekündigt, bislang aber nicht verwirklicht. Wie sieht der Zeitplan aus? Es ist richtig, dass wir den Relaunch für den Oktober geplant hatten, um noch vor dem Weihnachtsgeschäft ein neues und schnelleres System zu bieten. Wir mussten aber überraschend technische Widrigkeiten glätten, da die Systemleistung nicht unseren Ansprüchen genügte. Inzwischen sind wir zufrieden mit der Leistungsfähigkeit, und es müssen nur noch letzte Schliffe vorgenommen werden. Daher freue ich mich sehr auf den baldigen Relaunch. Die Teilnahme am Antiquaria-Programm soll mittelfristig auch Schweizer Buchhändlern angeboten werden. Wäre dieses Programm nicht ein geeigneter Ansatz, den Online-Antiquariatsmarkt insgesamt zu professionalisieren? Die Qualitätskriterien des ZVAB sollen das Angebot auf ZVAB.com insofern regulieren, als dass wir die Professionalität unserer Mitglieder noch vor dem Eintritt nach besten Möglichkeiten überprüfen. Zu elitär dürfen wir dabei jedoch nicht werden, schließlich interessieren sich die Kunden nicht nur für hochwertige Sammlerstücke, sondern durchaus auch für das günstige Gebrauchtbuch. Unser Ansatz ist daher, weiterhin auf Service-Qualität unserer Anbieter zu achten, denn diese ist für den Erfolg der Zunft und des ZVAB viel entscheidender als die Qualität der einzelnen Bücher. Die Fragen stellte Björn Biester. Einen Kurzlebenslauf Thorsten Wufkas, der seit knapp zwei Jahren für das ZVAB tätig ist, haben wir in "Aus dem Antiquariat“ Neue Folge 5 (2007), S. 464, veröffentlicht.

Schlagworte:

Mehr zum Thema

6 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • RF Meyer

    RF Meyer

    Nur zu wenigen Punkten:

    Herr Wufka sagt: „schließlich lassen die anderen Plattformen auch Privatanbieter zu“. – Das ist falsch für Prolibri und, soweit ich weiß, auch für Antiquario und antbo.

    Herr Wufka hat auf die Frage, welche Vorschläge vom Beirat kommen, nicht geantwortet.

    Herr Wufka sagt bezüglich der angekündigten Erneuerungen: „Wir mussten aber überraschend technische Widrigkeiten glätten, da die Systemleistung nicht unseren Ansprüchen genügte.“ – Ist dies ein Hinweis auf mangelnde Professionalität? Man schaut sich dergleichen vorher an und prüft genau.

    Zur Zusammenarbeit mit Libri ist alles gesagt, was zu sagen ist: Fakt bleibt, die Inhaber des Zvab können auf diese Weise tätig werden – im Gegensatz zu den Antiquaren – weil für die Inhaber offensichtlich nicht die Regeln gelten, die sie, die Inhaber, für die Antiquare aufgestellt haben, und weil sie, die Inhaber, eben keine Fixkosten und Provisionen an sich selbst abführen müssen.

    Zu den ‚Qualitätskriterien des ZVAB’ und der ‚Professionalität’ mancher dort einstellender sogenannter Antiquare ist ebenfalls bereits soviel gesagt und geschrieben, und es ist jedesmal leicht, eine Liste mit abschreckenden Beispielen herauszusuchen, daß es einfach keinen Spaß mehr macht. Statt darüber zu reden, sollten die ‚Qualitätskriterien’ einfach angewendet werden.
    Es geht nicht ‚elitär’ und ‚Sammlerstücke’, sondern um die Grundlagen unseres Berufes: antiquarische oder gebrauchte Bücher angemessen zu beschreiben und zu verkaufen.

    Gruß, Rainer Friedrich Meyer

  • Lampernist

    Lampernist

    Herr Biester war wie in allen seinen bisherigen Interviews sehr zahm - wenigstens die Punkte, die Kommentar Nr.1 angesprochen hat, wären doch sofort nachzufragen gewesen.
    So wie gehabt ist es unergiebig.
    Freundliche Grüße, L.

  • Lampernist

    Lampernist

    Sehr geehrter Herr Paulitz,

    dies ist hier ein öffentliches Forum, und die mit der Thematik nicht vertrauten Leser, Buchhändler, Kunden u.s.w. brauchen doch schon etwas mehr als diesen abgenagten Knochen ohne Hintergrundinformationen.
    Überheblichkeit sehen Sie? Ich sah in den Antworten eher Unsicherheit, sonst würde Herr Wufka doch nicht solch einen Fauxpas wie in der Antwort auf Frage eins (-> Privatanbieter) begehen.
    Oder: Preisverfall setzt nach Herrn Wufka so um die 4-5 Euro ein, da kenne ich andere Beispiele, genauso schlimm, aber doch etwas höherwertig.
    Zu den angesprochenen "letzten Schliffen" für "den baldigen Relaunch" nehme ich gern Wetten entgegen.
    Da ich in meiner fernen Jugend mal für eine Zeitung gearbeitet habe, bin ich eher einen härteren, interrogativen Stil gewohnt, um den Leuten auf den Zahn zu fühlen.

    Freundliche Grüße, Ihr L.

  • sundowner

    sundowner

    Wie schön ist doch diese zvab welt. Technische Schwierigkeiten, die seit 5 Monaten ? nicht behoben werden können? Da kann ich nur an eine Steinzeitplatte denken.
    Preisstabilität - wie schön, Wieviel Prozent werden jetzt aufgeschlagen - UND: Provisionen auf Mehrwertsteuer zu berechnen und zu verlangen. Bravo. Auch hier kenne ich eine Antwort von zvab: technisch nicht möglich ??
    Und: weshalb ein Interview zu führen, ohne die problematischen Bereiche anzusprechen oder diesen nachzugehen?

  • Roman Heuberger

    Roman Heuberger

    Es ist völlig gleichgültig, ob das ZVAB einen zum Nutz und Frommen seiner "Mitglieder" oder Besucher geplanten Relaunch (was auch immer das sein mag) verspricht und umsetzt oder auch nicht, ebenso die Tatsache, daß aufgrund der Erkenntnis, daß das Qualitätsniveau der eingestellten Ware nicht mehr so ist, wie es sich die Betreiber einschl. Beirat vorstellen (wann haben die das eigentlich gemerkt, also ich selbst schon vor ungefähr 5 Jahren) und daher die Gebühren "angepaßt" werden müssen, es wird dennoch alles beim Gleichen bleiben.

    Dem ZVAB geht es nicht um tatsächlich inhaltliche Veränderungen, damit hätten die Verantwortlichen bereits vor vielen Jahren beginnen müssen. Jetzt geht es darum, den erworbenen Marktanteil zu verteidigen, denn der Wind bläst mittlerweile ganz schön um die Ohren. Das liegt an einem zumindest bis jetzt noch relativ geringen Anteil von diversen Konkurrenzplattformen, hauptsächlich jedoch an einem erheblich veränderten und auch nachlassendem Kundeninteresse. Heißt, langfristig kloppen sich immer mehr Plattformen um immer weniger werdende Interessenten. Der Buchsucher wird sich in Zukunft immer mehr nach den Plattformen orientieren, die in ihrem allgemeinen Profil seinen Prioritäten entsprechen. Da gibt es bereits heute eine enorme Vielfalt.

    Als Vorreiter für antiquarische und später auch gebrauchte Bücher im zunächst deutschsprachigen Raum hat das ZVAB hervorragende Arbeit geleistet. Und ist damit groß geworden. Seit 5 Jahren hat sich aber vieles verändert, nur das ZVAB nicht sonderlich. Das ist natürlich fatal vor dem Hintergrund der Tatsache, daß das ZVAB ein profitorientiertes und zudem börsennotiertes Unternehmen ist. Das heißt, die Tutzinger versuchen, sich nun endlich den Zeitläuften anzupassen, gleichzeitig ihre Marktposition zu behaupten.

    Es ist nicht leicht, einen Spagat hinzukriegen zwischen der Tatsache, daß Millionen von Mülleinträgen zwar das Ganze finanzieren, andererseits das ZVAB auf seiner Startseite mit "professionellen Antiquariaten" wirbt. Wie sich dieser mittleweile bereits flächendeckend bekannte Widerspruch auflösen könnte, weiß ich auch nicht. Vielleicht durch das lange angekündigte Relaunch (klingt wie ein gesundes Gemüse aus dem Biomarkt).
    Roman Heuberger

  • RF Meyer

    RF Meyer

    Lieber Herr Heuberger,

    Sie denken wohl an Lauch, i.e. Porree. Aber ich fürchte, Re-Lauch wird hier ein Süppchen ergeben, das dem zuvor servierten sehr nahe kommen wird in Geschmack und Konsistenz. Die Köche müßten neue Rezepte benutzen, vielleicht sogar welche erproben, dann gäbe es vielleicht noch eine Chance.

    Gruß, Rainer Friedrich Meyer

    • ...

      Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • ...
      Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.


      Sie haben noch kein Login oder Passwort ? Hier können Sie sich registrieren

    Bildergalerien

    Video

    nach oben