"Hör-Conrady" wurde gestern in Köln vorgestellt

Zwei Kilo Lyrik für die Ohren

24 Stunden vorgelesene Gedichte aus 1200 Jahren: Im Rahmen der litCologne wurde gestern das Projekt „Lauter Lyrik – Der Hör-Conrady“ vorgestellt, das der Düsseldorfer Patmos-Verlag gemeinsam mit den Rundfunkanstalten der ARD gestemmt hat. VON UTE GRUNDMANN

Seine von Elke Heidenreich moderierte Premiere feierte der „Hör-Conrady“ im restlos ausverkauften Kölner Opernhaus; in die Buchhandlungen kommen die 22 CDs und zwei mp3-CDs im Schmuckschuber Mitte April. „Der große Conrady“ ist gedruckter Standard nicht nur für Germanistikstudenten, sondern für jeden, der Lyrik liebt und sich mit ihr befasst. Der Germanist Karl Otto Conrady brachte 1977 sein Kompendium der Epochemachenden, die Lyrikgeschichte prägenden Gedichte 1977 heraus, im Jahr 200 wurde es als „Der neue Conrady“ aktualisiert. Und Conrady selbst wählte aus, was im Hörbuch Aufnahme finden sollte, berücksichtigte auch die acht Jahre, die nach der letzten Buch-Erscheinung vergangen sind. So kamen 1100 Gedichte aus 1200 Jahren von 460 Dichtern zusammen, die innerhalb von vier Monaten beim Südwestrundfunk in Baden-Baden aufgenommen wurden – immer im selben Aufnahmeraum, damit sich die Klangatmosphäre nicht verändert. Zu den prominenten Sprechern gehören Donata Höffer, Corinna Kirchhoff, Rosel Zech, Matthias Habich, Jürgen Hentsch und Ulrich Mathes. Sie bekamen jeweils rund 80 Gedichte zugeteilt, die sie vortragen – ohne Musik oder Geräuschinszenierung, ganz auf die Sprache konzentriert und das, was die Sprecher am besten können: Die Dichterworte interpretieren. Regie im Studio führte Stefan Hilsbecher, Karl Otto Conrady war bei allen Aufnahmen dabei. Erleichtert wurde die Arbeit auch dadurch, dass einige der Rundfunkleute Conrady-Schüler sind. Entstanden sind 1400 Hör-Minuten, die unter dem Titel „Lauter Lyrik – Der Hör-Conrady“ erscheinen (bis zum 31. Januar 2009 Einführungspreis 99,95 Euro, danach ca. 120 Euro). Dazu erscheint als Klappenbroschur für 19,90 Euro „Lauter Lyrik – der Kleine Conrady“ und im Juli 2008 als erweitertes Standardwerk „Der große Conrady“ mit 2200 Gedichten. Doch wer sich an 24 Hör-Stunden erstmal nicht herantraut, für den gibt es eine Art Schnupper-CD „Lust auf lauter Lyrik“, auf der alle Interpreten des großen Hörbuches 64 Gedichte interpretieren; sie erscheint am 5. März und der Kaufpreis von 9,95 Euro wird beim Erwerb des kompletten Hörwerkes gutgeschrieben. Als Käufer des Hör-Conrady kann sich Anke Albrecht, die das Projekt als Lektorin betreut hat, längst nicht nur Schüler und Lehrer vorstellen, sondern auch Lyrik-Liebhaber: „Das ist ja immer wieder klassisch geeignet als Gedicht-Vortrag, das ist möglicherweise leichter, als die Gedichte selbst zu lesen: Die Interpreten wissen ja, was sie sagen.“ Begleitet wird das Erscheinen des Hör-Conrady (Auflage: 5000) von Gedicht-Sendungen in den beteiligten Hörfunkanstalten, SWR 2 macht am Ostersonntag eine 4-Stunden-Abendsendung, 3sat berichtet am 9.3. über das Making Of. Und natürlich wird die Hörbuch-Edition auch auf dem ARD-Hörbuchforum der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Für den Buchhandel wird es verschiedene Aktionen geben, „auch im Sommer und Herbst, wenn alles da ist“, so Anke Albrecht. Neben einer Gutscheinaktion gibt es Postkarten und Tüten zur Auslieferung im April und eine eigene website lauterlyrik.de, auf die man auch über patmos.de gelangt.

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1 Kommentar/e

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  • Wolf-Dieter Sonnenburg

    Wolf-Dieter Sonnenburg

    Sehr verdienstvoll!
    Ich kann mich noch gut erinnern als der erste gedruckte Conrady 1977 erschien und im Rundfunk vorgestellt wurde.
    Eine vergleichbare Begeisterung für eine Lyrik-Anthologie habe ich in meinen 46 Jahre Buchhandel nicht wieder erlebt.
    Wie gut der Hör-Conrady ist muss sich erweisen. Mehr als Vergleichbares gibt es seit Jahren mit dem Lyrik-Würfel von Lutz Görner - 50 CDs. Absolut hörenswert, auch wenn man über die eine oder andere Interpretation streiten kann, an manchen Stellen muss. Was Lutz Görner aber mit seinen Interpretationen an Zusatzinformationen über die Autoren bietet, geht weit über das hinaus was Anthologien bisher geleistet haben. Die reine akustische Textinterpretation ist etwas für Fans, aber neue Interessenten gewinnt man darüber die gelesene Lyrik in einen Zeitbezug zu setzen - ohne lange in Literaturgeschichten nachschlagen zu müssen.
    Ich bin sehr gespannt auf den Hör-Conrady!
    Schüler zu gewinnen mit diesem Preis scheint doch sehr fraglich. Auch da ist Lutz Görner Nasenlängen voraus.
    Patmos sollte sich an den ersten Verlag und dessen damalige Preispolitik erinnern, denn der Preis war damals für das Gebotene erstaunlich günstig und hat bestimmt wesentlich zum Erfolg beigetragen.
    Trotzdem wünsche ich dem Unternehmen viel Erfolg!

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