04.03.2008
ThaliaZweite Filiale in Trier
Das Shoppingcenter mit einer Fläche von 20.000 Quadratmetern soll im Herbst eröffnet werden. Thalia ist bereits in der Fußgängerzone der rheinland-pfälzischen Stadtmit einer 1000 Quadratmeter großen Buchhandlung präsent. Ob die beiden Thalia-Läden parallel betrieben werden, ist nach Aussage eines Unternehmenssprechers noch nicht entschieden.
csch
[...] Tags: Thalia


8 Kommentare
Die schießen wie die Pilze aus dem Boden. Kleine Buchhändler geben zwangsläufig auf.
Fehlt nur noch, dass die Großen sich auf dem Land ausbreiten. Eine beängstigende Vorstellung!
Auf längere Sicht - so um die 10 bis 20 Jahre - wird der Buchhandel von 4 bis 6 großen Ketten dominiert, den "kleinen" unabhängigen Buchhändler gibt es nur noch im Nischenbereich. Gleichzeitig werden Verkäufer, Vertrieb und Herstellung in einer Hand konzentriert. Diese produziert dann das "Mainstreamfutter" dass 95% der bedruckten Erzeugnisse umfassen wird. Die restlichen max. 5% gehen in den halblegalen Untergrund und begründen die Renaissance der "Bückware".
Hans Joachim Schulz malt in Nr. 3 ein Bild welches (wenn die Karteller nicht endlich ihren Allerwertesten hochkriegen) bald wirklich realisiert werden wird. Genauso wird es passieren, wenn nicht bald etwas passiert. Nur was soll passieren. Wie ich schon mehrfach anregte kann das nur durch das Agieren von drei Faktoren realisiert werden.
Faktor 1: Die Kartellbehören wie auch die Wettbewerbshüter dürfen nicht mehr halbseiden und halblachs in ihren Entscheidungen agieren und reagieren. Eine vollständige Marktbeherrschung ist meines Erachtens mittlerweise vollständig erreicht. Sie wird nur noch nicht als solche erkannt und geahndet.
Faktor 2: Der Endverbraucher sollte endlich von der "Interessengemeinschaft" in einer konzertierten und ausführlichen Aktion darauf hingewiesen werden, dass Bücher in den anderen Buchhandlungen genau den gleichen Preis haben. Umfragen haben bewiesen, dass ein Großteil der Konsumenten von einer Preisbindung keiner oder nur eine bedingte Ahnung hat.
Ein subjektiv nicht zu behebender Faktor liegt aber in der sogenannten "Kundenblendung" die durchgeführt wird. Riesen Stapel von Potters, Kerkelings, grelle Plakate, einlullende Ansagen und andere Werbemitteleinsätze tragen vornehmlich zu einer subjektiven Entscheidungsfindung des Endkunden bei. Diesen Faktor können kleinere Buchhandlungen mangels Finanzdecke (denn nicht jede Buchhandlung hat eine Parfümerie zur Frau) nicht realisieren. An anderer Stelle in diesem Forum muckt die Thalia`sche Basis mit Unzufriedenheit auf. Ein Umstand, den ich persönlich bedenklich finde. Einerseits ist man seinem Arbeitgeber ja "willenlos" ergeben, andererseits sticht man ihm in den Rücken. Da gährt meines Erachtens etwas, was ich sehr betrüblich finde. Ich kann es derzeit einfach nicht einordnen und werten.
Wir die kleinen "unabhängigen" Buchhandlungen können nur noch durch "anders sein" und durch einen "über die Grenzen gehenden" Service glänzen und evtl. überstehen.
Faktor 3 wird von westley so schön beschrieben. Durch die "Parfüm-Mutti" wird dem Filialisten ein beachtliches Volumen an Geld zugepumpt. Nun in den Chefetagen hoch über dem schönen Hagen, da sitzen keine Buchhändler. Da sitzen Betriebswirtschaftler, Controller, Volkswirtschaftler, Kosten- und Leistungsrechner und Personal Coaches, die aus betriebswirtschaftlichen Gründen früher oder später ein betriebswirtschaftliches, ja ein kostenrechnerisches Auge auf die unten aufwachsenden Satellitenkinderchen richten werden.
Ich denke in der Zukunft wird man auf die Streuung dieser "Satellitenkinderchen" auch mal ein kritisches Auge werfen und vielleicht ein unpopuläres Urteil zu Gunsten oder zu Ungunsten eines solchen "Kindchens" erteilen.
Viel tiefer liegt jedoch ein Aspekt, der nur selten diskutiert wird. Parfüm und Schmuck sind Luxusartikel. Bücher sind es jedoch nicht. Bücher verkaufen sich mit 7% Mehrwertsteuer, Investitionen in Renovierungen und Werbungen schlagen jedoch mit 19% Mehrwertsteuer zugrunde. Somit wäre auch ein umsatzsteuer relevantes Vorgehen zu vermuten.
Wenig liest man über die Gewinnsituation von Thalia. Viel liest man jedoch über Umsatzsteigerung im gleichen Gefilde. Allein diesen Sachstand finde ich bemerkenswert. Die Größe des Umsatzes erscheint meines Erachtens nicht primär als Großziel.
Die Frage ist hier abschließend: Wird die "Parfüm-Mutti" den Geldhahn zudrehen, wird sie Ihn mehr öffnen? Wird Sie die weiterlaufende Situation kritischer oder unkritischer beobachten?
Zusammenfassend sind dies jedoch Fragen, die auf dem hohen Parkett beantwortet werden.
Gewiss: das "Wegwünschen" eines Gigangen wäre an dieser Stelle unangebracht. Angebracht wäre jedoch eine moderate Ausbreitung. Nicht auf "Teufel komm raus" sondern gezielt und überlegt. Dem Klein- und Kleinstbuchhandel tut die Holding damit überhaupt keinen Gefallen, sie behindert sich im Wettbewerb mit den anderen Großfilialisten. Schöne Zahlen sind heutzutage in unserer Gesellschaft populär geworden. Sie dienen als Selbstbehaupttungs- und Selbstbeweihräucherungsfetisch. Sie sagen jedoch nichts über ein Image, über eine Corporate Identity aus.
Welcome to the next "Neverending Story"
Jörg Jahn-Meyer
Inhaber The Book Buchhandlung Stolzenau
Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau
P.S.... Ups ich bin ja Filialist.... GRINZ!
Da fällt mir der Börsenverein ein (Kratzt sich den Kopf)
Jörg Jahn-Meyer
Inhaber The Book Buchhandlung Stolzenau
Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau
Die schöne, außerordentliche Verlagslandschaft in Deutschland wird sich verändern zu einer öden Einheitswüste. Schöne Zukunftsaussichten für meine bildungshungrigen Kinder, die dann alle Bücher aus einer Hand bekommen !!!
Wann zieht endlich jemand da oben die Notbremse ??
Ein Buchhändler der sich zwischenzeitlich mit einer anderen sinnvollen Arbeit die Brötchen verdient und lange Wege in Kauf nimmt um nicht bei Thalia einzukaufen!