Antiquariat
07.03.2008Auszeichnungen
Umberto Eco erhält Auszeichnung "europäischer Ehrenantiquar"
Die neu geschaffene Auszeichnung wird von der kürzlich gestarteten Online-Plattform Marelibri und deren Trägerverein Associazione Marelibri verliehen. Überreicht wird der Preis – eine bibliophile Publikation des Textes der Apokalypse des Heiligen Johannes mit Original-Lithografien von Giovanni Grasso – von Associazione Marelibri-Präsident Sergio Malavasi. Umberto Eco erhält den Titel des "Ehrenantiquars“ für sein 2004 erschienenes Buch "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" ("La Misteriosa Fiamma della Regina Loana"), dessen Hauptdarsteller ein Antiquar ist (die dt. Übersetzung ist bei Hanser lieferbar, eine Taschenbuchausgabe bei dtv).In einer Marelibri-Pressemitteilung heißt es zur Begründung dieser Entscheidung: "Nur die persönliche Bekanntschaft mit Antiquaren konnte Umberto Eco zu solch einer intimen Beschreibung der Antiquariatswelt inspirieren: sogar wenn er die Fehler unseres fiktiven Antiquars beschreibt, zeigt der Autor eine tief empfundene Sympathie mit seinem Helden, vielleicht weil Eco so gut verstanden hat, wie schwierig heutzutage das Leben eines Antiquars sein kann.“
Der Titel "europäischer Ehrenantiquar“ soll künftig jährlich vergeben werden.
- 06.01.2008
- Online-Buchhandel: Start der europäischen Buch-Plattform Marelibri

1. Lampernist 08.03.2008 10:50h
http://www.boersenblatt.net/181815/
schreibt:
"Der Beruf des Buchhändlers steht nach wie vor am Ende der Berufsprestige-Skala, die das Institiut für Demoskopie in Allensbach regelmäßig ermittelt."
Nach Politiker und Gewerkschaftsführer!
(Quelle: Allensbach, http://www.ifd-allensbach.de/news/prd_0802.html)
Ich nehme an, was für den Buchhändler gilt, gilt ebenso für die Berufsuntergruppe 'Antiquar'.
In diesem Sinne ist es wohl nicht so ganz angebracht, jemanden zum 'Ehrenantiquar' zu ernennen, da kaum Ehren zu verteilen sind, heute weniger als je zuvor.
(By the way: Müssen wir Eco jetzt Kollegenrabatt geben?)
Hätte der Preis nicht eher an Roman Polanski gehen müssen, für die wirklichkeitsnahe Schilderung antiquarischen Ankaufs in "The Ninth Gate" oder an Johnny Depp, weil er diesen Antiquar so gut spielt?
Gruß, L.
2. Christoph Schäfer 08.03.2008 11:18h www.heineantiquariat.de
Polanski ? Depp ? Wenn, dann an Arturo Perez-Reverte für "Der Club Dumas", die spannende Romanvorlage für den Film, die drei Handlungsstränge wurden auf den einen zusammengedampft, damit es das Publikum besser versteht, aber das kennt man ja.
Grüße, Kollege !
3. Lampernist 08.03.2008 11:41h
Sehr geehrter Herr Schäfer,
Ihre Kenntnisse in allen Ehren, aber das ist mir bekannt.
Die Pointe in meinem Beitrag oben lag anderswo.
Freundliche Grüße, L.
4. Christoph Schäfer 08.03.2008 11:56h www.heineantiquariat.de
Wieso "sehr geehrter Herr Schäfer", Kollege ?
Und die Pointe finde ich nicht ... (bitte Erklärung)
Mit kollegialen Grüßen,
Christoph Schäfer
5. Bücherfreund 10.03.2008 21:54h
Wieder einmal ein Preis, den die Welt nicht braucht...
6. Biester 11.03.2008 14:21h www.boersenblatt.net/antiquariat
Zwei Bilder von der Preisverleihung am vergangenen Samstag finden sich hier:
http://www.marelibri.com/article/en/eco
7. Lampernist 11.03.2008 16:03h
Für weitere Preise schlage ich vor:
"Das Goldene Buch am Bande"
"Das Goldene Buch am Bande mit fleuraler Stickerei"
"Verdienstvoller Ehren-Goldschnittabkratzer"
"Ehrenhafter Lederbandsammler"
"Grosser Nieundnimmer-Nichtfeilscher"
Aber bitte verleiht diese Preise nicht mehr auf roten Tischen vor gelben Tapeten.
Viele Grüsse, L.
8. RF Meyer 11.03.2008 17:32h www.meyerbuch.com
Es bezeugt weder guten Geschmack noch Gespür für genuine Publicity, sich mittels einer Ehrung selbst ehren zu lassen – denn allemal ist Eco bedeutender als jene Antiquare, die sich nun im Schein des Schriftstellers selbst beleuchten möchten, auf daß die Welt sie in besserem Licht wahrnehme.
Daß Geschmacklosigkeit wie Stillosigkeit, welche die Menschen in unser fernsehgeplagten Zeit befallen, bis man geneigt ist, an Epidemien zu glauben, nicht vor dem Interieur der Veranstaltung haltmachten, schenkt ihr eine Stringenz im Parvenühaften, die schon fast erheiternd ist. Als ich die Photographien sah, meinte ich, Ubu die Szene betreten zu sehen, ein herzhaftes „Pfuinanz“ auf den Lippen.
Da bin ich beinah geneigt, den Preis des Zvab zu loben, der immerhin Künstler hervorhebt, die noch nicht vorn stehen, wenngleich mir die Attitüde auch dort verdächtig vorkommt.
Bedauerlich, daß Eco diese wenig ehrenvolle Ehrung seiner, mit der sich die Altpapierhändler zu ehren vermeinten, angenommen hat, ohne auch nur einen kleinen semantisch polyvalenten Schlenker, geschweige denn halbwegs Ironisches, die übenden Situationskünstler Erheiterndes von sich zu geben – nicht daß eine Komödie daraus geworden wäre, aber vielleicht ein Sketch.
So blieben sie alle unter ihrem Niveau.