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Das Buch wird bleiben - auch ohne Papier

Bleibt uns das Buch als Leitmedium erhalten? Oder steuern wir auf die Internetgalaxis zu, in der Wissen in vollkommen anderer Form konfiguriert und konsumiert wird? Moderiert von BÖRSENBLATT-Chefredakteur Torsten Casimir, suchten Helge Malchow (Kiepenheuer & Witsch), Sascha Lobo (Zentrale Intelligenz Agentur) und der Autor Michael Kumpfmüller auf der Leipziger Buchmesse nach Antworten. VON ROE

Klärten die Frage nach der Zukunft des Buches: Helge Malchow, Sascha Lobo, Torsten Casimir und Michael Kumpfmüller

Klärten die Frage nach der Zukunft des Buches: Helge Malchow, Sascha Lobo, Torsten Casimir und Michael Kumpfmüller © Gaby Waldek

Das Ende des Buchs ist nicht besiegelt, auch wenn die Diskussion um das Ende der gedruckten Brockhaus Enzyklopädie in den Feuilletons teilweise apokalyptische Reflexe zeigt. "Bücher, die die Welt beweg(t)en" lautete der ambivalente Titel des Leipziger Podiums, und die Antworten fielen ebenso konträr aus, wie man es von einer solchen Runde erwarten konnte. "Es gibt offensichtlich Bücher, die die Welt bewegen", sagte Torsten Casimir mit Blick auf Michael Kumpfmüller, den dies nicht verwundert. Problem sei für ihn, Kumpfmüller, nicht die Konkurrenz analoger und digitaler Medien, sondern die Überproduktion an Titeln in allen Bereichen. Was die Verlage betrifft, sei manchmal eine mangelnde Innovationsbereitschaft zu erkennen. Verleger verfielen in "Schreckstarre, wenn es um Veränderungen geht." Zu einer grundsätzlichen Klärung der Rolle der Verlage holte daraufhin Helge Malchow aus: Ganz gleich, in welcher Form künftig Bücher erschienen, ob auf Papier oder als E-Paper - es müsse auch künftig Knotenpunkte und Sammelstellen in der Wissenswelt geben, die Informationen sortieren, verarbeiten und veredeln. Das sei aber nichts anderes als das, was man gemeinhin unter einem Verlag versteht. Auch Sascha Lobo, der im übrigen eher einer basisdemokratischen Auffassung von Textproduktion und -variation zuneigte, stimmte Malchow zu: "Ich glaube an das Buch, nur nicht ans Papier." Torsten Casimir sprach noch einen wichtigen Punkt an, der die Kommunikation mit dem Leser betrifft: Wird User generated content die Beziehung zu Autoren und Texten grundlegend verändern? Michael Kumpfmüller hofft nicht, schon gar nicht, wenn sich alle Welt daran mache, etwa an "Harry Potter" weiterzuschreiben. "Das wird bald vorbei sein." Lobo konterte: "Das nenne ich fatale Arroganz". Schlusswort Casimir: "Man soll ein Podium beenden, wenn es emotional am schönsten ist."

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5 Kommentar/e

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  • Regine Meilen

    Regine Meilen

    Und was bitte hat die UN-PERSON sascha lobo in dieser Runde zu suchen????

  • Eddie Lux

    Eddie Lux

    Der Werbefuzzi Lobo taucht doch auf jeder Messe in Deutschland auf. Der lebt davon, auf Podien zu sitzen, sinnlose Worthülsen zu seiern und nennt das auch noch Arbeit. Der findet doch immer Dumme, die ihn einladen.

  • Andreas Reichardt

    Andreas Reichardt

    Ich finde diese Geschichte mal wieder typisch für die Situation der Verbände und größeren Verlage: Hier wird geredet, gemutmaßt und fabuliert, mal mehr mal weniger intelligent, während andere eben das Thema längst angepackt haben.
    Ein Beispiel: Blackbetty mit den Mobilebooks. Bücher auf dem Handy lesen, in Japan ein riesiger Trend, und in Deutschland eine Möglichkeit, auch Jugendliche Gelegenheitsleser für (zunächst) zielgruppengerechte Stoffe zu interessieren. Aber auch jene, die die Zukunft der Bücher maßgeblich gestalten, nämlich die Jugendlichen werden nicht gehört ... So drehen sich die Elfenbeingelehrten im Kreis, gießen sich Wasser auf die Worthülsenmühlen und am Ende heisst es: Nett war es doch. Nur ein Ergebnis oder einen Ausblick sucht man vergeblich!

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    So unsagend der Bericht auch ist: Herr Lobo erscheint wenigstens bunt und provokant. Auch wenn er vielleicht eine "UN-Person" ist, auch wenn er vielleicht ein "Werbefuzzi" ist, auch wenn er vielleicht "sinnlose Worthülsen seiert" (diese Person war mir bislang unbekannt; stellt er zumindest einen Farbtupfer in der Vierergruppe dar, erscheint er zumindest etwas "aufmüpfig", etwas anders als die braven "Mitvierziger" im Anzug. Anders sein, zu polarisieren, zu schocken wird der gesamten teilweise verlangweilten Branche wohl kaum schaden!!!

    Jörg Jahn-Meyer
    Inhaber The Book Buchhandlung Stolzenau
    Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau

  • Klausens

    Klausens

    STAUBTROCKEN IST ANDERS
    (BUCHABSPEISUNGSGEDICHT)

    Da wo das Buch bleibt
    Ziehen die Maden einfach
    Weiter zu der nächsten
    Sottise womit man sich
    Bekanntlicherweise ganz
    Gut einzuschleimen weiß

    -------
    23.8.2008, Königswinter, Klau/s/ens

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