FORUM: BUCHHäNDLER HELFEN BUCHHäNDLERN: ERFAHRUNGSAUSTAUSCH

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Erfahrungsaustausch - Wer Rat unter Kollegen sucht, ist hier richtig.

Autor Nachricht
Waldkind
Mitglied seit: 15.03.2008
Fachbuchhändler=KEIN richtiger Buchhändler?? | 15.03.08 08.03h
Hallo zusammen!
Ich hoffe mal, das passt hier rein.
Wenn nicht, seihen Sie. leine Kollegen, bitte nachsichtig mit mir.

Wer ich bin?
Nun, ich bin noch Azubi im Buchhandel. Bis zum Juni diesen Jahres. Was danach kommt weis ich noch nicht...
Ich suche seit Anfang diesen Jahres eine Stelle ab diesen Sommer.

Ich habe jetzt schon vieles erlebt:
- der Verlag behält die Unterlagen einfach ein
- hat sie WEGGEWORFEN, weil man annahm ich bräucht sie nicht mehr
- usw.

Aber die beiden seltsamsten und "schlimmsten" Kommentare kamen diese Woche auf mich zu:
Ich, voller Elan, rufe in einer Buchhandlung an und will wissem ob ich mich bewerben dürfe, ich suche eine Stelle ab Juli. "JETZT SCHON???Man sucht im Buchhandel nicht VIER MONATE früher! Das macht man nicht..." Ok, ist mir neu das ich erst NACH meiner schriftlichen Prüfung das Recht habe einen Job zu suchen -.-

Aber der beste Kommentar folgt noch:
Anruf in einer Filiale einer großen Buchhandelskette (....). Höher wird abgenommen, es wird sich sehr unfreundlich gemeldet. "Guten Tage, "Waldkind" mein Name. Ist wohl jemand von der Personalleitung zu sprechen?" noch unfreundlicheres Schweigen - ich werde verbunden "Hier XYZ" "Waldkind, guten Tag. Ich werde mitte des Jahres mit meiner Lehre fertig und wüsste gern ob ich mich bei Ihnen direkt bewerben könnte, die Hauptstelle hat sich leider noch nicht gemeldet." "WO sagten Sie machen Sie Ihre Ausbildung?" "In einer juritischen Fachbuchhandlung, aber ich würde gern ins allgemeine Sortiment wechseln." "NEE, lassen Sie mal. Wenn Sie nicht auf 400-Euro bei uns arbeiten wollen, brauchen wir Sie nicht. Sie sind ja keine richtige Buchhändlerin." -Aufgelegt-

Sie können sich meine verwunderte Reaktion vorstellen, liebe Kollegen.

Ich habe jetzt fast drei Jahre Ausbildung hinter mir. Ich denke ich darf behaupten das ich meinen Job gut mache, das ich Ahnung vom Buchhandel habe.
Und da muss ich mir sagen lassen ich bin keine richtige Buchhändlerin, weil ich es wage (!) in einer Fachbuchhandlung gelernt zu haben??

Ich bin gerne Buchhändlerin - ich liebe meinen Job.
Aber gesagt zu bekommen ich sei
"keine richtige Buchhändlerin" nur weil meine "Grundausbildung" nicht in das Schema "X" von manchen Ketten passt, trifft mich.


Eine fast fertige, juristische Fachbuchhändlerin, die es wagt ins allgemeine Sortiment zu wollen
Waldkind
Mitglied seit: 15.03.2008
geschrieben am: 15.03.08 08.03h
Edit:
bitte verzeihen Sie mir die vielen Rechtschreibfehler.
Leider gibt es hier keine "Edit"-Funktion.

Waldkind
jahnmeyer
Mitglied seit: 18.03.2008
geschrieben am: 18.03.08 12.03h
Das ist die Frage aller Fragen: Was ist ein richtiger Buchhändler und was ist ein (tja ich weiss gar nicht was ich da schreiben soll) naja... falscher? Buchhändler???
Wertes Waldkind. Ihre Situationsbeschreibung hat mich (mal wieder) zum Kopfschütteln gebracht. Meines Erachtens ist jeder der die Prüfung (egal in welcher Art Buchhandlung er ausgebildet wird) bestanden hat als Buchhändler zu sehen. Eine weitere, eher interessantere Frage wäre, ob fertig ausgebildete Buchhändler bei großen Filialisten überhaupt als "Verkaufspersonal" in Frage kommen. Man liest es ja immer wieder: "buchhändlerische Ausbildung wäre wünschenswert" oder "kaufmännische Ausbildung Voraussetzung" oder "Erfahrung mit dem Verkauf von Büchern". Somit bleibt für mich festzustellen, dass das Wort Verkauf im Vordergrund steht. Nun, um ehrlich zu sein: Das muss es ja auch. Die Frage ist nur, welches Gewicht man darauf legt. Um in das von Ihnen genannte Schema X von manchen Ketten zu passen müsste schon folgende Voraussetzung gegeben sein: 1. Man verzichte auf einen Tarifvertrag 2. Man arbeite auf 400 Euro-Basis 3. Man verkaufe das was einem vorgegeben wird.
4. Man werfe all das über den Haufen, was man mal gelernt hat. Gerade bei dem enormen wissen im Rahmen des juristischen Fachbuchhandels, in dem man wirklich immer auf dem Laufenden bleiben muss, der gerade so von Fortsetzungswerken wimmelt, der vor wirklich tiefwirkender Beratung strotzt, sollte man als einstellender Buchhändler wissen, dass man eine wirklich Fachkraft bekommt. Jaaaa, jetzt stehen wieder die ausgebildeten Buchhändler aus dem allgemeinen Sortiment auf. Büdde diesmal nicht....
Zusammengefasst stimmt mich ihre Situationsbeschreibung nicht besonders froh. Das Problem ist, dass sie sich nicht einmal "was dafür kaufen können".
Vielleicht findet sich ja in ihrer Nähe eine kleine, serviceaffine, menschliche inhabergeführte Buchhandlung. Oder sie versuchen einfach mal bei einem juristischen Fachverlag unterzukommen.
Für die Zukunft drücke ich Ihnen jedoch unbekannterweise fest die Daumen.

Jörg Jahn-Meyer
The Book Buchhandlung Stolzenau
The Book Buchhandlung Liebenau
Leselöwe
Mitglied seit: 18.03.2008
geschrieben am: 18.03.08 04.03h
Hallo Waldkind,
keine Sorge, an bestimmten Stellen sitzen Leute, die es nicht besser können (Peter-Prinzip), das kann einem überall passieren. Laß den Kopf nicht hängen, es gibt sicher eine Buchhandlung, in der Sie eine schöne Arbeit finden werden. Ich habe das bei meiner Tochter einfach rechnerisch gesehen. Nach der etwa 25. Bewerbung hat es mit einem super Ausbildungplatz und dann später auch mit einer Arbeit geklappt.
Nicht entmutigen lassen! Eine Bewerbung mit der Spezifikation muß doch einfach funktionieren. Sie wären doch für jede "normale" Buchhandlung der Lottogewinn!!!
So müssen Sie das verkaufen und das wird ganz sicher klappen!
Viel Erfolg!

PS: Ich gebe ehrlich zu, dass ich auch ein wenig das Universum bemüht habe ;-)
Anna
Mitglied seit: 27.03.2008
geschrieben am: 27.03.08 03.03h
Hallo Waldkind,

ein wenig Wahrheit findet sich in jedem Körnchen so sagt man.
Ich bin vor 1.5 vom Allgm. Sortiment in den Fachbuchhandel gewechselt. Es ist definitiv anders. Es geht weniger um den Verkauf von Literatur, eher um das jonglieren von Wissen und Literatur- und Informationsbeschaffung.

Ich will nicht sagen, dass man als Fachbuchhändler kein richtiger Buchhändler ist. Aber ich will auch nicht verheimlichen, dass es wirklich einen unterschied gibt. Ich will das gar nicht schön reden.