Verbrannte Bücher

ZVAB bietet 150.000 Euro für Salzmann-Sammlung "verbrannter Bücher"

Das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB) bietet, wie das Unternehmen heute mitteilt, bis zu 150.000 Euro für Georg P. Salzmanns Sammlung "verbrannter Bücher“.

Georg P. Salzmann (geb. 1929) hat über Jahrzehnte in seinem Wohnhaus in Gräfelfing bei München eine der umfangreichsten Privatsammlungen von während des 'Dritten Reiches’ verfemter und ins Exil vertriebener Autoren zusammengetragen. Für diese inzwischen mehr als 10.000 Bände umfassende Sammlung, darunter zahlreiche Erstausgaben, sucht Salzmann seit Jahren einen Käufer, im Gespräch waren etwa die Städte München, Berlin und Greifswald, Interessenten in den USA sowie der Freistaat Bayern. Alle Gespräche verliefen bislang ergebnislos, unter anderem auch wegen Salzmanns Forderung nach Errichtung einer Stiftung oder einer ähnlichen Institutionalisierung der Sammlung. Nun scheint Bewegung in die Angelegenheit zu kommen: "ZVAB.com sieht es als eine Verpflichtung an, eine Sammlung wie die von Herrn Salzmann zu bewahren", wird Richard von Rheinbaben, Aufsichtsratvorsitzender der Mediantis AG, der Muttergesellschaft des ZVAB, in der heute ausgegebenen Pressemitteilung zitiert. Das vorgelegte Angebot von "bis zu 150.000 Euro“ liegt weit unter den bisherigen Preisvorstellungen Salzmanns, die Medienberichten zu Folge noch im vergangenen Jahr bei einem Mehrfachen dieser Summe lagen. Eingeschlossen in das Angebot des ZVAB ist allerdings die Zusage, die Sammlung dauerhaft geschlossen zu erhalten, angemessen aufzuarbeiten und fachlich zu bewerten und sie beispielsweise durch Ausstellungen einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Inwieweit der endgültige Kaufpreis von der fachlichen Bewertung der Bestände abhängt – also auch deutlich unter 150.000 Euro liegen könnte –, geht aus der heutigen Bekanntmachung nicht hervor. Eberhard Köstler, Vorsitzender des Verbands Deutscher Antiquare, begrüßt laut ZVAB die Initiative: "Das ZVAB hat als vermittelndes Unternehmen einen Kulturauftrag, der durch die Vielzahl der in ihm vertretenen Antiquare legitimiert ist. Die Antiquare sind ja traditionell nicht nur Händler, sondern auch Bewahrer von Kulturgut."

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7 Kommentar/e

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  • Heidi

    Heidi

    "Das ZVAB hat als vermittelndes Unternehmen einen Kulturauftrag, der durch die Vielzahl der in ihm vertretenen Antiquare legitimiert ist. Die Antiquare sind ja traditionell nicht nur Händler, sondern auch Bewahrer von Kulturgut."

    Kollege Köstler ist absolut nicht legitimiert dazu, im Rahmen seines Verbandsvorsitzes derart schamlose Werbung zu betreiben für eine rein kommerzielle Datenbank. Das ZVAB ist eine Verkaufsmaschine, die das Quasi-Monopol für den elektronischen Absatz alter Bücher in Deutschland erlangt hat nicht zuletzt infolge der Blödheit der Berufsverbände.

    Das ZVAB ist kein Wohlfahrtsunternehmen, es ist weit davon entfernt, ein Kulturträger zu sein. Es nutzt seine Quasi-Monopolstellung durch eine Gebührenpolitik aus, zu der ich mir hier jeden Kommentar versagen will.

    Nun fehlt nur noch, daß der unaussprechliche zweite, andere Berufsverband der Antiquare Herrn von Rheinbaben ein Lob- und Preislied schreibt. Es war die Dummheit und Kurzsichtigkeit der Antiquare selbst, die es Herrn v. Rheinbaben ermöglicht hat, von den Antiquaren die Zölle einzusammeln, die er jetzt so großzügig ausgibt.

    Das ist ja verdienstlich, wenn er es tut - er gibt dabei aber die ZVAB-Gebühren von u n s Antiquaren aus, und ihn dafür - o h n e Mandat der Verbandsmitglieder - auch noch zu loben und zu preisen dafür, ist unangemessen.

    Das ist ein

    *Werbegag,

    als solcher vernünftiger als manche andere Werbemaßnahme - aber Kollege Köstler soll sich doch nicht soweit erniedrigen und verirren, vom ZVAB als "vermittelndem Unternehmen" zu sprechen und gleich danach von einem "Kulturauftrag" des ZVAB zu schwafeln.

    Das ist nur noch peinlich. Kollege Köstler hat, Nachbarschaft verpflichtet, mit den gemütlichen Herren vom ZVAB zu oft in trauter Runde ins Weinglas geschaut. Wir Antiquare aber sind nüchtern geblieben - und unangenehm berührt.

  • Lampernist

    Lampernist

    #1 Korrekt, wenn es nicht Herr Köstler wäre, würde ich solche Äußerungen nur noch als peinlich empfinden.
    Es sollen wohl die Mehreinnahmen aus der letzten Erhöhung zu diesem Ankauf dienen? Aber ich denke, man kann den Erwerb als Werbekosten oder dergleichen steuerlich geltend machen, genügend Einnahmen vorausgesetzt.
    Falls die Villa am See nicht groß genug ist, wird wohl eine zweite angemietet werden müssen.
    Die Tutzinger sollten sich lieber um eine funktionierende Datenbank kümmern und die 'letzten Schliffe' (der Plural stammt von Herrn Wufka!) am Update endlich schleifen.
    Langsam wird das Zvab zu einer Potemkinschen Einrichtung: viel Fassade für den Betrachter, dahinter gerade noch eine Baustelle.
    Gruss, L.

  • RF Meyer

    RF Meyer

    „Mæcenas im Vogelreich“ oder: „Die virtuellen Stellenanzeigen“

    Vor nicht allzu langer Zeit lebten in einem Nest nahe eines Sees zwei Spatzen brüderlich beieinander, teilten die Körner und was sie sonst noch fanden, lobten die frische Luft und lasen die Neuerscheinungen. Dann kamen plötzlich wie aus heiterem Himmel zwei arg bunte Vögel dahergeschossen, die sich „Neweconomy“ und „Worldwideweb“ nannten, redeten in Zungen aus ihren Schnäbeln, so daß sie ziemlich unverstanden blieben. Doch einige der Zwitscher gingen immerhin durch die Spatzenohren in die Gedanken und Träume der beiden ein. Wir lesen, so dachten sie, also sind wir auch fähig, mit Büchern zu handeln. Flugs eröffneten sie im virtuellen Raum um sich einen virtuellen Bücherladen, der nach einiger Zeit so halbwegs ging, erwarben Aktien diverser Vogelfirmen, die anderen Luftgespinsten oder -gespenstern hinterherflogen, und rundeten endlich ihr wolkiges, virtuelles Imperium mit einer Altpapiervermittlung ab, die sie günstig für ein paar Körner von den Alteignervögeln erwerben konnten. Als das Geschäft mit den Frischbüchern, die stets eifrisch aus der Schale kamen, nicht mehr so recht lief, weil auch andere, größere Vögel nicht auf ihren unausgebrüteten Eiern sitzengeblieben waren und Ähnliches auf die Krallen gestellt hatten, stießen die beiden Spatzen den Namen des Frischbuchgeschäftes und was sonst so dazugehörte ab. Die Aktien dümpelten vor sich hin, ärgerten sich, daß sie kaum beachtet wurden und trugen so auch nicht zur Freude der beiden bei. Doch die Altpapiervermittlung erwies sich als eine kleine Körnergrube. Immer mehr Altpapierhändler ließen ihre Altpapierfetzen über die Altpapiervermittlung vermitteln, sorgten sich nicht mehr um andere Absatzwege, die sie früher auf müden Krallen abgelaufen waren, sondern vertrauten den beiden Spatzen, was denen wohltat, denn sie meinten sich geliebt.
    So hätte alles in Friede und Freude weitergehen können, wäre da nicht in den beiden Spatzen etwas gewesen, daß sie nach höheren Wolkenkuckucksheimen streben ließ. Was, so dachten sie bei sich, ist schon eine Altpapiervermittlung, wie werden wir in die Spatzenannalen eingehen, was wird man von uns denken. Nachdem sie sich lange genug so herumgequält hatten, gaben sie eine virtuelle Stellenanzeige auf. Und wieder schoß ein bunter Vogel vom fast wolkenfreien Himmel am See herunter, so daß er fast die Kurve nicht mehr hinbekommen und sich beinah im Sturzflug in den Sand gebohrt hätte, und krähte etwas erschöpft durch die flugtechnische Leistung, daß es doch rühmlich sei, selbst zu handeln. Oh, dachten sich die beiden Spatzen, machen wir doch auch eine Altpapierhandlung auf, deren altpapierne Fetzen von unserer Altpapiervermittlung vermittelt werden können, das kostet uns nichts, denn die anderen Altpapierhändler zahlen ja für alles viele, viele Körner in unser Nest. Aber auch dies bereitete den beiden Spatzen kaum Vergnügen, staubige alte Fetzen bleiben staubige alte Fetzen, entstauben ist mühevoll, und die Fetzen abzählen und sie in den richtigen Sinnzusammenhang bringen ist mindestens ebenso mühevoll.
    Und wieder gaben die beiden Spatzen eine virtuelle Stellenanzeige auf, und wieder schoß ein bunter Vogel vom fast wolkenlosen Himmel und krähte ihnen ins Ohr, daß sie doch nun eigentlich genug Körner hätten, und für Nachschub sei auch gesorgt, so müsse man an die Spatzenreputation denken und etwas für die Kultur tun. Ja, dachten die beiden Spatzen bei sich, das ist fein, wir haben schon eine Stiftung für arme Spatzenkinder in fernen Nestern, dann können wir auch den vielfarbigen Kunstvögeln helfen, heben wir doch einfach einen großen Körnerpreis aus dem Nest. Flugs wurde jedes Jahr ein Wettkunsten veranstaltet, und am Ende jedes Wettkunstens kamen zur Körnerverleihung auch die Oberkulturvögel aus der Wolkenkuckucksheimhauptstadt und gaben den beiden Spatzen die Kralle.
    Aber, so sannen die beiden Spatzen vor sich hin, so eine jährlich wiederkehrende Körnerverleihungsveranstaltung ist toll, aber zwischendurch vergessen uns die anderen Vögel, wir brauchen da eine Idee, damit wir das ganze Jahr über respektierlich angeschaut werden. Und nochmals gaben die beiden Spatzen eine virtuelle Stellenanzeige auf, und nochmals schoß ein ziemlich bunter Vogel vom fast wolkenlosen Himmel und krähte ihnen, diesmal etwas ungehalten, denn es handelte sich immer um denselben Vogel, der langsam auch keine Ideen mehr bekam, ins Ohr, daß sie ein Körnermuseum, eine Körnerbibliothek oder was auch immer gründen sollten, die allen anderen Vögeln, gleich ob bunt oder grau, groß oder mittel oder klein, jeden Tag gegen geringes Korn offenstehen müsse, und über der Eingangspforte zum Bibliotheksnest solle groß ihrer beider Spatzenname stehen.
    Das fanden die beiden Spatzen nun die schlußendlich beste Idee des arg bunten Vogels, und sie setzen alles daran, dies Wolkenkuckucksheimnest zu verwirklichen, erhöhten den Altpapierhändlern, die ihre Altpapierfetzen auf der Altpapiervermittlung der beiden Spatzen anboten, das Körnersalär, und bewarben sich mit reichlich viel Säcken voller Korn um Ausstellungswürdiges.
    Und wenn sie nicht zwischenzeitlich davongeflattert oder auf andere Ideen gekommen sind, dann werden sich die beiden Spatzen irgendwann verewigen.

  • docwh

    docwh

    Bescheidene Anfrage eines langjährigen ZVAB-Nutzers: Wieviele Antiquariate hätten längst zusperren müssen, wenn es das ZVAB nicht gäbe?

  • M.H.

    M.H.

    Zu 4: anders gefragt, wie viele hätten, durchaus zum Segen, gar nicht erst aufgemacht?

  • Heidi

    Heidi

    Guten Abend,

    aus Frankreich zurückgekehrt von harter Tagesarbeit, überlese ich die Antworten, lache schallend über den ganz ausgezeichneten Text des Kollegen Meyer und bedauere, ihm nicht im gleichen Stil antworten zu können - bei mir würden gleich Raubvögel, Aasgeier, Kuckucke und andere despektierliche Vogelarten daraus... und das wollen wir zu Ostern doch eher unterlassen.

    Auf der Fahrt und in den Gesprächen mit den Verkäufern, heute vier Akademiker, einer interessanter als der andere und überwiegend selber auch Internet-Bücherkäufer in Frankreich, kamen wir immer wieder auf die Datenbankfrage - in Frankreich ein ganz besonderes Trauerspiel und Abenteuer.

    Am Abend dann, vorhin In Badenweiler ,gönnte ich mir ein gutes Zürcher Kalbsgeschnetzeltes gleich neben dem Kurpark und beschloß, mir wieder einmal Gedanken zu machen über die *ideale Bücherdatenbank* und die Zukunft der Verkaufsformen unserer alten Bücher im Internet.

    Wenn wir heute, wie vor der denkwürdigen Berliner Tagung, noch einmal neu anfangen könnten, eine Datenbank für alle Antiquare und im Auftrag aller Kollegen zu gründen - wie sollte die konstruiert sein?

    Also nicht immer nur die Frage "Was stört uns am ZVAB", sondern die Einladung zu einer völligen Neukonstruktion. Immer unter Einberechnung der Wölki-Erfahrungen, der Titelaufnahme- und Versandkosten und der fürchterlich niedrigen Absatzziffern beim ZVAB zur Zeit.

  • Heidi

    Heidi

    Halten wir bei dieser Gelegenheit fest:

    1.
    Der gewählte Vorsitzende des Verbands Deutscher Antiquare, Kollege Köstler, betreibt ganz offen und arglos Schleichwerbung für eine Datenbank, die durch ihre Quasi-Monopolstellung brandgefährlich ist für die Zukunft aller Antiquare.

    2.
    Die Versteigerer entblöden sich nicht, ihre gute Idee einer Zusammenfassung der Auktions-Titeleinträge und Ergebnisse - die bereits erstellt s i n d durch die beteiligten Häuser - ihres exzellenten Werbewerts völlig zu entkleiden durch grotesk hohe Gebühren, deren Sinn, Zweck und Berechtigung dunkel bleibt.

    3.
    Die unaussprechliche sogenannte "Genossenschaft" der Antiquare verbandelt ihr lustiges, weil nahezu bedeutungsloses Datenbänklein mit anderen Datenbanken, die ihrerseits nur groteske T e i l märkte erfassen, zu einem Gebilde, das von der Vielsprachigkeit und den Anmeldeprozeduren her völlig sinnfrei ist - es sei denn, mit Trara würde dieser Schildbürgerstreich in Datenbankform zu einer Werbekampagne benutzt, die den User m.E. irreführt und somit äußerst schädliche Rückwirkungen haben muß und wird.

    Nun bitte ich noch den vierten im Bunde, unsere liebe AG im Börsenverein, vor Ostern noch schnell irgendetwas Sinnfreies, Absurdes oder Schädliches herzustellen und hier anzukündigen.

    Frohe Ostern!

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