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26.03.2008

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Internet

Irrelevante Poesie?

Wikipedia hat seinen Eintrag zur Edition Rugerup gelöscht. Für einen Kleinverlag, der mit großem Wagemut spannende internationale Lyrik in deutscher Übersetzung präsentiert, scheint in der freien Enzyklopädie kein Platz zu sein.

Laut Wikipedia, der „freien Enzyklopädie“, steht das Wort „Relevanz“ für Bedeutsamkeit und ist „ein Maß für die Wichtigkeit einer Sache oder Information in der Realität“. Irritiert musste die dank vieler neuer Kontakte frohgemut von der Leipziger Buchmesse in ihre südschwedische Wahlheimat zurückgekehrte Übersetzerin und Verlegerin Margitt Lehbert dieser Tage feststellen, dass der Wikipedia-Eintrag zu ihrer Edition Rugerup gelöscht wurde – ein Schicksal, dass sie etwa mit Bill Self, Trainer eines US-College-Basketballteams, oder dem Aachener TSC Blau Silber, einer deutschen Regionalliga-Formationstanztruppe, teilt. Der Grund des Wiki-Administrators, die Löschtaste zu betätigen: Die Edition Rugerup sei ein „irrelevanter Kleinstverlag mit 15 Büchern im Programm“.

Irrelevant? Vor rund zehn Jahren zog die Übersetzerin Margitt Lebert mit ihrer Familie auf einen Bauernhof in Südschweden, seit 2005 betreibt sie dort die zugegeben kleine, aber feine Edition Rugerup, in der internationale Dichtung in deutscher Übersetzung erscheint: handwerklich wunderschön gemachte Ausgaben von Les Murray, Don Coles oder Iain Crichton Smith. Das Ein-Frau Unternehmen Rugerup schafft es nicht nur, neben den zum Broterwerb nötigen „Fremdübersetzungen“ pro Jahr rund vier bis fünf neue Titel auf den Markt zu bringen, sondern ermöglich Literaten wie Les Murray auch Arbeitaufenthalte in der durch Henning Mankells Kommissar Wallander zu literarischen Ehren gekommenen Landeinsamkeit. Gerade im Fall des Petrarca-Preisträgers Les Murray, dessen Werk bislang in mehr als ein halbes Dutzend Sprachen übersetzt wurde, ist die Wikipedia-Löschung für Lehbert besonders schmerzlich: „Früher waren unsere Titel von ihm auch unter dem Wikipedia-Eintrag "Les Murray" aufgeführt, dort sind sie nun verschwunden. Für uns ist das schlimm. Wenn man etwa bei Spiegel.de "Les Murray" als Suchbegriff eintrug, erschien unter anderem ein Link zu unserem Verlag. So konnten Lyrikfreunde sehen, dass diese Titel überhaupt existieren. Auch dieser Link verschwand, als man sich bei Wikipedia entschloss, den Verlagseintrag zu löschen.“

Dass harsche Vorgehen von Wikipedia gegen den Verlag ist kein Einzelfall: Rund ein Fünftel aller Artikel-Überarbeitungen in der englischsprachigen Wikipedia sollen nach jüngsten Schätzungen Rücknahmen von Löschungen oder Radikal-Änderungen sein. So löschte im letzten Herbst ein übereifriger Administrator einen Beitrag des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales wegen angeblicher Irrelevanz. In Zeiten, da es – beflügelt von Groß-Events wie dem Poesiefestival Berlin oder dem Erfolg junger Verlage wie Kookbooks – so etwas wie eine neue Konjunktur für Verse zu geben scheint, ist die Verbannung eines engagierten Verlags für internationale Lyrik besonders ärgerlich. Margitt Lehbert wird weiter schöne bücher machen – auch wenn ihr fürs erste nur ein sarkastisches Fazit bleibt: „Wenn jemand mir sagen kann, wie viele Bücher ich noch veröffentlichen muss, bis ich bei Wikipedia wieder sichtbar werden darf, wäre ich natürlich froh, das zu wissen. Ich liebe die Bücher, die wir veröffentlichen, und werde weiter schöne Titel präsentieren - aber dazu dazu muss ich ab und zu ein Buch verkaufen. Und was man nicht sieht, kauft man nicht.“

Nils Kahlefendt

25 Kommentare

2. Tobias Amslinger26.03.2008 12:18h

Wenn das Kriterium die Rezeption (= Verbreitung?) ist: dann bitte nur noch Artikel über Hape Kerkeling und Ken Follett auf Wikipedia!

Wer auch nur ansatzweise die Mechanismen des Buchmarktes versteht, in dem es tatsächlich eher um Gewinne geht als um Literatur (Relevanz!), kann nur Respekt vor Lehberts Leistungen haben. Dass Wikipedia als demokratisches, eben nicht den Marktgesetzen unterworfenes Medium solche Verdienste nicht würdigt, sondern abstraft, lässt leider nichts Gutes für die Zukunft hoffen.

3. Plopper26.03.2008 12:38h

Was will man erwarten, wenn da Banausen wie Benutzer:Flann am Werk sind, die von Poesie, Lyrik, Dichtung null Ahnung haben, nichts wissen von der Wichtigkeit solcher Verlage wie die Edition Rugerup. Bei den Leuten hat ein Landserheft mehr Relevanz als ein Gedichtband von Les Murrey.

4. SD199026.03.2008 12:44h

Ich habe von Mitte Dezember bis Februar 2008 bei weit über 100 Artikeln, die gelöscht werden sollten mitdiskutiert und habe meistens mit ''löschen'' argumentiert. Mittlerweile bin ich zur Überzeugung gelangt, dass nicht alles wegen Irrelevanz löschen muss.

5. maYa birken26.03.2008 15:20hhttp://www.zeterundmordio.de

Als im letzten Jahr eine unserer Autorinnen ohne mein Wissen einen Eintrag zum Verlag schrieb und mich danach darauf hinwies, war der Artikel leider auch schon wieder weg. Das lief dann wohl unter Eigenwerbung.
Schade. Aber Wikipedia ist ja nicht alles. ;)

6. Tamam26.03.2008 16:00h

Die Administratoren bei Wikipedia spielen sich wie selbst ernannte Fürsten auf. Mit zum Teil großer Ignoranz scheinen sie ihre Machtposition zu genießen und dienen somit nicht der Sache, sondern nur ihrem eigenem Ego. Verleger und Verlage: laßt Euch davon nicht kleinkriegen. Wie gut, dass es auch noch ein publizistisches Leben außerhalb der Allmacht-Phantasien von Wikipedia gibt.

7. Mathias Schindler26.03.2008 17:08hwww.mathias-schindler.de

Ich möchte alle Leser bitten, sich Wikipedia:Was Wikipedia nicht ist durchzulesen. Wir sind kein vollständiges Firmen- und Verlagsverzeichnis, sondern ein Projekt zur Erstellung einer Enzyklopädie. Da wir im Netz arbeiten, sind wir nicht so sehr in der misslichen Lage, aufgrund von Platzproblemen innerhalb eines Lemmas herunterzukürzen, auch wenn es noch wichtige Informationen gibt. Das entbindet aber nicht davon, eine Auswahl zu treffen (über die man übrigens nicht nur auf börsenblatt.net diskutieren kann).

8. Ulrich Kohnle26.03.2008 19:41h

Liest ein man ein bischen um den Löschungsantrag im ersten Post herum, wird die Relevanz von Wikipedia schnell deutlich. Hier tobt sich ein (meist) dilettanter Haufen aus. Einige Stichproben zu den Autoren die wir verlegen macht das deutlich. Falsche Biographien, fehlerhafte Bibliographien. Mein Fazit: Vergessen!

9. AndreasPraefcke26.03.2008 21:00h

Zu: "Bei den Leuten hat ein Landserheft mehr Relevanz als ein Gedichtband von Les Murrey."

Selbstverständlich hat "ein Landserheft" mehr "Relevanz" (um dieses blöde Wort zu verwenden wie leider auch in der Wikipedia) im deutschsprachigen Bereich als ein Gedichtband von Les Murray, dessen Namen der werte Kommentator nicht mal schreiben kann. Eine Heftreihe, die für die Rezeption des Zweiten Weltkriegs in der Bundesrepublik eminent wichtig ist und dafür jetzt schon 50 Jahren eine mehr ode rweniger unrühmliche Rolle spielt, soll also weniger relevant sein als ein Gedichtband eines Autors, von dem auf Deutsch fast nichts erschienen ist und wenn, dann in Kleinstauflage? Wer in einem derart elitären Literaturelfenbeiturm sitzt, sollte sich wohl lieber kein Urteil über eine allgemeine Enzyklopädie erlauben.

Warum jeder Hinz-und-Kunz-Verlag meint, unbedingt in einem allgemeinen Lexikon erscheinen zu müssen, bleibt mir schleierhaft. Alternativ hätte niemand etwas dagegen gehabt, wenn die Herrschaften einen besseren Artikel über Les Murray verfasst hätten, vielleicht sogar Autor und Übesetzter zur freien Lizenzierung einer Textprobe überredet hätten (man sitzt doch an der Quelle), aber all das würde ja Mühe und Arbeit machen. Dann laden wir doch lieber ein bisschen Werbung in der Wikipedia ab. Solange die Buchbranche die Bewegung freier Inhalte nur zur kostenlosen Plakatfläche missbraucht und dann bei jeder Kritik daran zu absurden Nazi-Argumenten gegriffen wird, braucht die Wikipedia jedenfalls die Kritik aus dieser Ecke nicht wirklich ernst nehmen.

10. Victor Eremita26.03.2008 22:36h

Unabhängig von der Frage, ob nun genau dieser Verlag relevant ist oder nicht: Man macht es sich sehr leicht, wenn man die freiwillig bei Wikipedia arbeitenden Mitarbeiter kritisiert, sobald der eigene vermeintlich relevante Artikel angeblich willkürlich und ohne gute Gründe gelöscht worden ist. Dabei wird nicht nur vergessen, dass Wikipedia eine Enzyklopädie ist, und z.B. kein Verlagsverzeichnis (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Was Wikipedia nicht ist). Es wird vor allem auch vernachlässigt, dass die menschlichen Ressourcen bei Wikipedia begrenzt sind.

Täglich werden 400 bis 500 neue Artikel eingestellt. Über ein Drittel davon ist qualitativ oder der Relevanz nach äußerst fragwürdig, etwa 100 landen täglich auf den Löschkandidaten, fast die Hälfte davon wird schließlich gelöscht. Diese ganze Arbeit muss irgend jemand machen, und sie wird von Freiwilligen in ihrer Freizeit geleistet (die häufig zu den besten Autoren gehören und deren Einsatz bei der Verbesserung des Bestandes dann fehlt).

Nicht nur das: Jede Änderung, an jedem Artikel muss beobachtet werden. Oft entstehen bei sinnlosen Änderungen daraus zeitraubende Diskussion, – z.B. auch über (sicher auch mal von Verlagsseite) eingestellte zu spezielle Literaturhinweise. Auch dies leisten Freiwillige. Die Artikelzahl nimmt täglich zu, die Zahl der regelmäßigen Mitarbeiter nicht im gleichen Maße. Man kann sich vorstellen, dass daher eher randständige Artikel, noch dazu, wenn sie qualitativ schlecht oder nicht belegt sind, nicht gerade auf Begeisterung vieler Wikipedianer stoßen. Sie kosten viel, bringen aber für das Ziel Erstellung einer Enzyklopädie eher wenig.

11. Uwe G.26.03.2008 22:59h

Vielleicht sollte sich der Verlag erst einmal einen Eintrag im Brockhaus oder in einer anderen renommierten gedruckten Enzyklopädie einklagen, damit wäre der Verlag automatisch auch wikipediarelevant. Hier werden tendenziös Tatsachen verdreht - und alles, weil dieser (der Allgemeinheit vollkommen unbekannte) Verlag keinen kostenlosen Werbeeintrag schalten kann. Nur ist eben eine Enzyklopädie dazu nicht da, sie sammelt Wissen.

12. Paul27.03.2008 00:01h

{{subst:Löschantrag|''Unrelevantes Bashing durch einen irrelevanten Verlag der gerne kostenlos werben würde, dabei erwischt wurde und gelöscht gehört.}} um das Ganze mal in WIkisyntax auszudrücken

13. Plopper27.03.2008 01:02h

@AndreasPraefcke. Ertappt. Ich habe den Namen in der Eile falsch geschrieben (alte Tastatur, Buchstaben sind abgeblättert, da hauts schon mal daneben, sorry!). Und? Hier die Homepage vom Dichter: http://www.lesmurray.org/
Und es sind immrerhin von Murray mindestens zwei Bücher in deutscher Sprache im renommierten Ammann Verlag erschienen. Und der Dichter hat bedeutende Preise erhalten. Super, wenn Landserhefte so wichtig (für Dich) sind. In so einem Land leben wir ja. Mein schneller Satz war nicht als Urteil über Wikipedia gedacht. Das wäre ja wirklich gelacht. Wer bei Lyrik gleich von Elfenbeinturm faselt, der hat ohnehin nicht alle Tassen im Schrank.

14. Margitt Lehbert27.03.2008 16:35h

Ich möchte nur sagen, daß nicht wir oder der Verlag den Artikel für Wikipedia verfaßt haben, sondern ein geneigter Leser, der den Eintrag ohne unser Wissen vorgenommen hat. Bitte in der Diskussion also nicht annehmen, wir hätten die Wikipedia als Werbeplatform mißbraucht. Les Murray hat unter anderem den Petrarca Preis gewonnen, den T. S. Eliot Prize, die Queen's Gold Metal für Poetry und steht seit über zehn Jahren auf der Kurzliste für den Nobelpreis. Hanser hat einen Gedichtband von ihm herausgebracht, Ammann zwei Bücher.

15. Margitt Lehbert27.03.2008 20:15h

Ich habe versucht, Mathias Schindler über seine Internetseite privat zu schreiben, aber leider funktionierte der oben angegebene Link nicht. Es gibt einiges, was ich gerne mit ihm geklärt hätte, bevor ich in einem Forum darüber schreibe. Sei‘s drum, ich tue es hier.
Wie ich in meinem letzten Diskussionsbeitrag schon schrieb, hat nicht der Verlag, sondern jemand anderes den Beitrag zur Edition Rugerup geschrieben. Da ich über die Homepage des Verlages leicht erreichbar bin, hätte ich erwartet, daß Herr Schindler mich erst fragt, von wem die Seite stammt, bevor er in einer öffentlichen Diskussion durchblicken läßt, wir und andere kleine Verlage würden unsere Firmen selber in Wikipedia beschreiben, um die Öffentlichkeit auf uns aufmerksam zu machen. Mehrere spätere Beiträge machen es klar, daß seine Argumentation genau so verstanden wurde: hier wirbt ein kleiner Verlag, der sich keine Anzeigen leisten kann, kostenlos über Wikipedia. Man kann die Kontaktadresse für unseren Verlag in weniger Sekunden über Google finden. Gerade bei dem Vertreter einer Enzyklopädie hätte ich es mir gewünscht, daß die Frage, ob wir überhaupt diese „Reklame“ in Wikipedia zu verantworten haben, vorher kurz geklärt wird, bevor öffentlich behauptet wurde, daß wir dies taten.
Ich muß gestehen, daß ich Wikipedia sehr selten benutze, weil ich anfangs Pech hatte und ein paar Themen recherchierte, bei denen ich mein Wissen lediglich ergänzen wollte. Da ich in den Beiträgen immer wieder Fehler fand, wurde ich unsicher. Und als Steve Jobs berichtete, er habe fünfmal in Wikipedia den Eintrag über „Steve Jobs“ verbessert, und fünfmal habe ein Fremder - der ihn offenbar besser kennt, als er sich selber kennt - die Einträge umgeschrieben, wich ich auf andere Quellen aus. Deshalb kam ich auch nie auf die Idee, die Edition Rugerup bei Wikipedia einzutragen und bin auch zum ersten Mal in einem „Forum“ gelandet.
Trotzdem tut es mir leid, daß der Eintrag wegen „Irrelevanz“ gelöscht wurde, weiß ich doch, daß sehr viele Menschen dort ihren Interessen nachgehen.
Die Annahme, man würde Wikipedia als Werbung mißbrauchen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Soweit ich es verstehe, erscheinen nur die Themen auf dem Bildschirm, die man selber recherchiert. Ohne also von der Edition Rugerup zu wissen, würde man nie „aus Versehen“ darüberstolpern und vor Schreck drei Bücher bestellen. „Lyrik aus dem Ausland“ ist ein so winziger Markt, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß jemand glaubt, wir würden in Wikipedia auf Kundenfang gehen. Auf der anderen Seite ist der Verlag eine Bereicherung der deutschen Lyrikkultur, und als solche hätte ich ihn gerne in Wikipedia gesehen. Nach dieser Diskussion ist das womöglich ausgeschlossen, aber wenigstens könnte man nun grundsätzlich über die Unterscheidung zwischen „Relevanz“ und „Werbung“ diskutieren.
Wir haben - das ist keine Werbung, sondern eine Richtigstellung - Don Coles (einer der besten kanadischen Dichter seiner Generation, wenn nicht der beste), Gabriel Rosenstock (ein irischer Dichter, lang und breit in den horen rezensiert), Robin Fulton (ein hinreißender schottischer Dichter) veröffentlicht, zudem einen Roman und einen Gedichtband der deutschen Autorin Sabine Lange. Von Les Murray haben wir drei zweisprachige Bücher im Programm, von den ersten zweien schrieb die FAZ am 2.7.07, daß es „die größeren Verlage und ihr Publikum ... beschäme“, daß diese „liebevollen, zweisprachigen Publikationen“ in kleinen Verlagen erschienen. Die neueste Ausgabe der Literaturen kommt zum selben Schluß, es gab etliche weitere Rezensionen. All diese Bücher sind schon längst bei der Deutschen Nationalbibliothek, warum sie nicht in deren Verzeichnis stehen, weiß ich nicht. Unter meiner Homepage hätte man sie samt und sonders finden können, mit Information zu den Dichtern und Übersetzern. Im Juni erscheinen Iain Crichton Smith und John Montague, zwei der wichtigsten irischen bzw. schottischen Dichter überhaupt, im Herbst drei weitere Bücher.
Wie kann ich das aufführen, ohne „Reklame“ für den Verlag gemacht zu haben?
Ich würde mich freuen, wenn eine interessante Diskussion die Folge dieser leidigen Angelegenheit wäre, denn es scheint mir wichtig, die oben angeschnitten Themen - auch ohne Bezug auf meinen tatsächlich kleinen Verlag - zu diskutieren.

16. Gottfried Plehn27.03.2008 21:47h

@plopper: diese Löschungen sind jederzeit reversibel. Zu Les Murray existiert eine größere Seite in der WP, leider ohne Erwähnung der Edition Rugerup, deren Bücher von Murray übrigens auch nicht in der DNB (Murray hat ca. fünf Bände dort) zu finden sind?! Das ein so trivialer Vorgang wie eine Löschung in der WP einen solchen Eintrag und eine solche Diskussion auslöst, finde ich höchst bemerkenswert - es scheint ja doch nicht so irrelevant zu sein, was dort gemacht wird. Vermutlich war der Text einfach schlecht und stellte die Leistungen des Verlages nicht heraus.

17. Mathias Schindler27.03.2008 23:35hwww.mathias-schindler.de

Hallo Frau Lehbert,

ich habe Ihnen privat eine Email geschickt, bitte entschuldigen Sie die kaputte URL in meinem ersten Kommentar.

Neben einigen Aussagen, denen ich sofort zustimme, will ich mich auf einen Aspekt konzentrieren.

Les Murray hat einen eigenen Eintrag in der Wikipedia an dem dafür vorgesehen Ort.

Da er einen Eintrag in der PND der DNB hat, klappt auch der folgende Link, der die von Ihnen erwähnten fünf Titel dort auflistet. Wenn es weitere Titel von oder über ihn in deutscher Sprache gibt, ist das ein Fall für die DNB, hier den Datenbestand zu verbessern.

Wenn man in einem Wikipedia-Artikel zu einer Person tatsächlich so etwas wie eine Liste der/aller Einzelwerke führen will, könnte man auch überlegen, die jeweiligen ISBN hinter den Eintrag zu kleben, sofern es einen gibt. Diese werden dann über eine Spezialseite automatisch umgewandelt und erschliessen die ganze Welt der Bibliotheken, Buchhandlungen und Antiquariate.

Wer sich für Murray interessiert, wird über Wikipedia also durchaus schnell zu dem jeweiligen Buch kommen, ob nun mit oder ohne eigenem Eintrag über die Edition.

18. Gerd meuer28.03.2008 15:50h

zur diesem unsäglichen Schindler und seiner Irrelevanz...
seine URL tuts nicht, aber eitel präsentiert er sich auf wikipedia, ganz in schwarz, irgendein so ein 'selbst ernannter' frankfurter wichtigteuer, sorry wikipedia fürst, teil eines 'dilettantischen haufens' (alles nur zitate.

oder ist der mensch etwa Akademiker, von denen Noam Chomsky bekanntlich sagte:

"Academics are NOT nice people".

also lesen wir wieder Hape Kerleking und Landserhefte!

wikipedia, GUTNACHT!

Gerd Meuer

Journalist und Übersetzer u.a. von Wole Soyinka

ohne wiki-Eintrag, übrigens ich!

19. Wolf Berninger29.03.2008 10:12h

Nun, man betrachte sich den Umfang dieser Diskussion und dann denke man nochmals über den - in der Tat unsäglichen - Begriff "Irrelevanz" nach. Im übrigen empfiehlt es sich, einmal über den Begriff "Enzyklopädie" nachzudenken - oder ihn nachzuschlagen. Es tut mir ja irgendwie schon leid, aber mitunter drängt sich mir der Verdacht auf, daß gerade in diesen doch sehr auf IT ausgerichteten Zeiten all jene, die zur Beherrschung dieser Technologie angetreten sind - Computerfritzen also - der Einflüsterung erlegen sind, sie beherrschten letztlich auch die ganze Welt; vergleichbar mit der Geisteshaltung der Zauberer in der Bartimäus-Trilogie...
Und woher nimmt eigentlich ein Wikipedia-Administrator die Qualifikation (also die den Literaturbetrieb betreffende, nicht die informationstechnologische) zu entscheiden, wann ein Verlag relevant und der Erwähnung würdig ist, bzw. wann er sich dieser Wertschätzung nicht mehr erfreuen darf? Gut, die Ehrendoktorwürde ist eine höchst ehrenvolle Auszeichnung. Aber ein Wikipedia-Eintrag? Geht's nicht doch eine Nummer kleiner? Und, mit Verlaub: ein Verlag mit 15 Titeln und weiteren in Planung resp. in Ankündigung ist, zumal wenn man sich die Spezialisierung betrachtet, keineswegs irrelevant.

20. Die ganze Wahrheit31.03.2008 11:32h

Administartoren werden von den Wikipediaautoren, noch auf Lebenszeit, gewählt. Für Verlage und Witschaftsunternehmen gibt es bei Wikipedia festgelegte Relevanzkriterien. Wer die nicht erfüllt ist raus. Täglich versuchen mehrere 100 Firmen, Verlag, Bands und andere Selbstdarsteller Wikipedia als Propagandaplattform zu missbrauchen.
Die Vehemenz mit der sie versuchen einen Eintrag zu bekommen legt nahe, dass sie sonst nicht viel haben um was es sich streiten liese. Ihnen scheint der Eintrag sehr wichtig zu sein.

21. Mathias Schindler31.03.2008 14:20hwww.mathias-schindler.de

@"Die ganze Wahrheit":

Soweit Deine Beschreibung auch stimmen mag, die Form könnte besser sein, vor allem freundlicher. Nicht wenige Firmen fragen per Email hin und wieder in einer Weise zu dem Thema nach die nahelegt, dass man dort in der Wikipedia so etwas wie die Gelben Seiten sieht oder sonst irgendein Verzeichnis. "Relevanz" (ein schöneres Wort fällt mir im Moment dazu nicht ein) ist eh nichts, was man irgendwie an harten Kriterien mit vermeindlicher Objektivität festmachen kann oder sollte.

Schade übrigens, dass es bisher weder von Casimir noch von Kahlefendt eine Reaktion gab.

22. Die ganze Wahrheit31.03.2008 23:29h

Hier kann man mich ja nicht wegen WP:KPA oder WP:Wikiquette sperren und manchmal muss man es drastisch sagen, dass es auch alle kapieren.

23. Nils Kahlefendt01.04.2008 01:25h

Mea culpa: Fundierte Einschätzungen zum US-College-Basketball oder zu den Leistungen von Formations-Tanzgruppen würde ich mir eben so wenig zutrauen wie „Relevanz“-Bewertung der Mehrzahl der laut Victor Emerita täglich neu eingestellten „400 – 500 Einträge“ in Wikipedia. Herrje! Anders sieht es bei der Entwicklung unabhängiger Kleinverlage, vulgo Independents, aus, die ich in den letzten 15 Jahren einigermaßen wachen Auges verfolgt habe. Es macht – literarisch betrachtet – kaum einen Unterschied, ob ein Werk bei Umsatzmillionären oder kleinen Krebsern erscheint. Es gibt Weltliteratur aus Konzernverlagen und Independents, die uns mit schlechten Büchern behelligen. Small ist nicht immer beautiful. Man muß hinschauen, möglichst genau – und sollte ein paar mehr „Relevanz“-Kriterien parat haben als die Zahl veröffentlichter Titel oder verkaufter Bücher. Die schiere Wiki-Absenz eines Verlags wie der Edition Rugerup hätte mich kaum in die Tasten greifen lassen; Auslöser war die Lösch-Begründung „irrelevant“ weil kleinst. Eine Stipvisite auf der Homepage des Verlags, eine rasche Google-Recherche, die Einordnung der bislang übersetzten Autoren (darunter ein notorischer Literatur-Nobelpreis-Kandidat), das In-die-Hand-Nehmen von zwei, drei der in den letzten beiden Jahren erschienen Bücher, die Kompetenz, diese rasch beschaffbaren Informationen ins Verhältnis zu setzen, kurz, die Kontaktaufnahme mit dem wirklichen Leben – das hätte man sich von einer „Enzyklopädie“, auch einer „freien“ im Netz, schon wünschen können.

Überrascht und teilweise befremdet hat mich der Ton der Debatte; warum sachlich, wenn’s auch persönlich geht, das scheint das Motto vieler Netz-Kombattanten zu sein. Auf beiden Seiten. Im Gefechtsnebel wird’s schon mal unübersichtlich, erst recht, wenn vorgefasste Meinungen konzise Urteile ersetzen. Abwägende, besonnene Stimmen wie Eremita oder Wolf Berninger sind eher die Ausnahme, stattdessen „Landserhefte“ versus „Les Murray“. Hallo? Da fühlt man sich dann als Auslöser der „Debatte“ ein wenig wie durch vorlaute Worte in eine Kneipenkeilerei hineingezogen, die man so auch nicht gewollt hat. Und möchte beinahe bei der Rugerup-Verlegerin Abbitte leisten, die wegen des Online-Beitrags auf Börsenblatt.net ein Wochenende lang als eine von jenen SelbstdarstellerInnen gebasht wird, die Wiki als „kostenlose Werbeplattform“ mißbrauchen. Richtigstellen, lieber Mathias Schindler, muß man das nicht; irgendetwas wird schon hängen bleiben. Man könnte Margitt Lehbert verstehen, wenn sie künftig freiwillig auf einen Wikipedia-Eintrag verzichten würde und ihre Energien, statt in Netz-Kleinkriege, lieber in neue Bücher steckte.

Außer Spesen nichts gewesen? Die Frage, was ein Projekt wie Wikipedia leisten kann, wenn es in die Jahre gekommen, statt der „großen“ Themen Verfeinerung und Differenzierung angesagt ist, bleibt spannend. Vielleicht auch mal fürs Print-Börsenblatt? Wer sich dafür interessiert, was Wikipedia sein will, ist oder nicht ist, sollte – neben dem einschlägigen Wiki-Beitrag – auch die Diskussionskultur beim Umgang mit Formationstänzern, Basketball-Trainern und Kleinverlegern im Auge behalten. „Wenn es so leicht wäre, ein großes Lexikon herauszugeben, würde es jeder Esel machen“, soll Albert Brockhaus mal gesagt haben. Brockhaus? Naja, das ist wieder eine ganz andere Geschichte...

24. Hans - Joachim Schulz08.04.2008 18:59hwww.fabula-online.de

Wikipedia ist sowieso nur der Wurmfortsatz dieser Gesellschaft. Und hat seine Bestform bereits überschritten. Kein vernünftiger Mensch benutzt diese Stichwortsammlung als ausreichendes Informationsmedium.(außer faulen Schülern - und das ist gefährlich, passt aber zur Praxis schulischen "Bulimie-Lernens")
Das auch andere Informationsverarbeiter den Niedergang Wikipedias vermuten lässt sich u.a. in der Zurückstellung der geplanten Internetpräsenz der Brockhaus-Enzyklopädie erkennen.

25. Klausgraf08.04.2008 21:00hhttp://archiv.twoday.net

Zur Löschpraxis der (en) Wikipedia hat Nicholson Baker ("Doublefold") einen brillanten Essay geschrieben, der nun auch auf deutsch in der SZ erschienen ist, siehe auch

http://archiv.twoday.net/stories/4848390/

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