HINTERGRUND LANGENDORFS DIENST

27.03.2008

Bücher drücken das Preisniveau

Mit der Entwicklung der Verbraucher- und Einzelhandelspreise können die Bücherpreise nicht mithalten – auch wenn die Kurve nach oben zeigt.

Wenn das Statistische Bundesamt seine Verbraucherpreis-Indices auf ein neues Basisjahr umstellt, so ist das zunächst ein rein technischer Vorgang. Interessant wird er dadurch, dass das Amt bei dieser Gelegenheit die Erfassung den veränderten Verbrauchsgewohnheiten anpasst – wie jetzt bei der Umstellung von Basis 2000 auf 2005.
Die Anpassung ist notwendig, weil es keinen Sinn macht, die Preisentwicklung von heute aufgrund der Konsumgewohnheiten von ehedem zu ermitteln. Wenn die Statistiker vorher ihre Hausaufgaben gut gemacht haben, hat die Anpassung normalerweise wenig Einfluss auf die globalen Werte. Bei kleineren statistischen Einheiten wie dem Verbraucherpreis-Index für Bücher allerdings hat die Umstellung auf die Basis 2005 das bisherige Bild vom Preisverlauf ganz schön verändert.
So ist der Bücherpreis 2005 nicht, wie bisher angenommen, um 1,1 Prozent gestiegen, sondern um gleich 2,6 Prozent gefallen. Für 2006 bleibt es bei einem amtlichen Preisrückgang, allerdings um 0,8 Prozent – und nicht, wie bisher angenommen, nur um 0,5 Prozent. Für 2007 wiederum misst das Amt jetzt statt der bisher angezeigten Stag­nation (0,1 Prozent) einen Preisanstieg um 0,6 Prozent.
Auch im Januar hat sich der Aufwärtstrend nach den amtlichen Zahlen fortgesetzt, mit 0,8 Prozent sogar etwas schneller als im Jahresschnitt 2007. Dass Bücher damit aber noch lange nicht zu den Preistreibern der Nation gehören, sondern das Preisniveau eher senken, zeigen die Vergleiche mit anderen Indices aus der amtlichen Statistik.
So ist an der Entwicklung der Verbraucher-, Einzelhandels- und Bücherpreise im Jahr 2007 und im Januar 2008 zu sehen, dass alle Preise tendenziell gestiegen sind, die Verbraucherpreise am deutlichsten. Die Einzelhandelspreise hinken etwas hinterher, sind jedoch gleichfalls stetig nach oben geklettert – besonders seit dem Spätsommer, als die Preise für Nahrungsmittel anzuziehen begannen.

Buch im Zickzackkurs

In der amtlichen Statistik haben die Preise für Bücher 2007 einen eigenartigen Zickzackkurs verfolgt. Für die ersten vier Monate bescheinigt das Amt Rückgänge, dann schnellen die Bücherpreise im Sommer um 3,1 Prozent nach oben und liegen damit sogar höher als die allgemeine Teuerungsrate. Im September tauchen sie noch einmal knapp unter die Null-Marke und steigen im Herbst und Winter wieder durchgängig.
Die Entwicklung der letzten drei Jahre zeigt, dass Bücher im Vergleich zu den Verbraucherpreisen noch einigen Nachholbedarf haben. Die Tendenz seit dem Basisjahr 2005 geht bei den Verbraucherpreisen stetig nach oben, bei den Bücherpreisen immer noch leicht nach unten.
Dass die Verbraucher immer weniger im Einzelhandel ausgeben, drückt auf die Möglichkeiten des Handels, höhere Preise durchzusetzen. Deshalb können die Einzelhandelspreise mit der Entwicklung bei den Verbraucherpreisen immer noch nicht mithalten. Und das, obwohl sie in den vergangenen Monaten wegen der Nahrungsmittelpreise aufgeholt haben. Da ­Lebensmittelkäufe nur in engen Grenzen »abwendbar« sind, schlägt sich diese Entwicklung in einer »gefühlt höheren« Inflation nieder.

Staat treibt Preise

Während steigende Energie- und Lebensmittelpreise durch billiger werdende Güter immer wieder ausgeglichen werden (etwa bei EDV und Telefon), steigen die Administrierten Preise munter weiter. Administrierte Preise sind zum Beispiel solche für den öffentlichen Nahverkehr, Fernsehgebühren oder den Besuch von Bildungseinrichtungen (Studiengebühren), und da es hier keine nennenswerte Gegenbewegung gibt, bleiben sie der Preistreiber Nummer 1.
Das zeigt die Entwicklung im Vergleich mit den Verbraucherpreisen seit 2005. Selbst der Anstieg der Lebensmittelpreise hat die staatlich verordnete Preisentwicklung nicht eingeholt. Fazit: Energie, Nahrungsmittel und Vater Staat sorgen für den Preisauftrieb. Bücher dagegen gehören nach wie vor zu den Gütern, die das Preisniveau eher drücken.

Boris Langendorf

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