HINTERGRUND MEINE LIEBLINGSBUCHHANDLUNG
Matthias Politycki© Mathias Bothor

Idealerweise mit Erker

Wo kaufen Autoren gern ihren Lesestoff? Zu welchem Buchhändler haben sie eine besondere Beziehung? Hier verraten sie es. Diesmal schreibt Matthias Politycki über die Buchhandlung Samtleben in Hamburg.

Buchhandlungen gehören, dem gängigen Klischee vom Schriftsteller zum Trotz, nicht unbedingt zu dessen bevorzugtem Lebensraum: Bücher, nicht nur die eigenen, bedeuten für ihn im Regelfall ja Arbeit – ein Lesen aus schierer Lust ist ihm ein Luxus, den er sich im Gegensatz zu jedem Kind kaum mehr leisten kann. Womit sich die Frage nach seiner Lieblingsbuchhandlung eigentlich erübrigt hätte, gäbe es da nicht die berühmten Ausnahmen der Regel, Orte, an denen das Leben mit Literatur plötzlich fast wieder so einfach und schön wird wie zu Zeiten, da man sich beim Lesen noch nicht permanent an einem Bleistift festhalten musste.
Die Buchhandlung, bei der ich meine Schwellenangst verliere, muss mich vor allem vergessen lassen, in welchem Dilemma ich mich dort eigentlich befinde, sie muss mich so geschickt vom Wesentlichen ablenken, dass mir – obwohl permanent unterm Damoklesschwert des Ungelesenen – ganz aus dem Sinn kommt, wo ich, vor allem: wer ich bin. Dazu hat sie idealerweise einen Erker, in dem man prächtig sitzen und ins ganz normale Leben hinaussehen kann, im Rücken ein radikal aufs wirklich Relevante reduziertes Sortiment, das sogar von einem wie mir in drei Leben zu bewältigen wäre. Und auf dem Stuhl gegen­über? Sitzt zum Glück jemand, mit dem man, weiß Gott, nicht nur über Bücher reden kann.
Bloß kein künstlich auratisierter Ort, bloß kein Buchhändler, der ungebeten Geheimtipps gibt, keine Stammkunden, die ihre Bestellungen mit einem wissenden Raunen unterlegen und einander wie die Letzten ihrer Art hofieren, nein! Sondern ein solch perfekt organisierter Ort, dass er an seiner Oberfläche nachgerade beiläufig daherkommt – und ein Buchhändler, der so unbeflissen sein Metier verkörpert, dass man sogar mit ihm in ein entspanntes Kaffeegeplauder geraten, ja, dass man sich dabei sogar dem einen oder anderen literarischen Thema zuwenden kann.
Stephan Samtleben ist ein solcher Buchhändler, der so vollständig von seinem Wissen durchdrungen ist, dass er’s nicht nötig hat, einem damit ein schlechtes Gewissen zu machen – im Gegenteil, man bekommt sofort gute Laune, wenn man ihn sieht, und wenn er dann doch einmal auf seine leise, unaufgeregte Weise ins Schwärmen gerät, so bleibt er dabei stets so präzis und unprätentiös, dass man sich … jawohl, mitunter bei dem Gedanken ertappt, Lesen könnte doch noch irgendwie ein Vergnügen sein.
Falls man allerdings auf einer grundsätzlichen Verstocktheit gegenüber Büchern beharren wollte, wüsste man immerhin: Nur weil Menschen wie Stephan Samtleben durch ihre grundsätzliche Aufgeschlossenheit gegen­über allem wirklich Literarischen dafür sorgen, dass es in unserem kulturellen Leben vorangeht, darf einer wie ich weiterhin so borniert sein, wie er’s denn zu brauchen meint. Insofern bin ich ihm sehr zu Dank verpflichtet, allein schon dafür, dass es ihn gibt – und für den Rest sowieso.

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2 Kommentare

1. helmut dobinski 28.03.2008 13:35h
idealerweise mit schrank
hab n keller,einst voll kohlen,nach der wende voller
dreck........war dann auch n ende weg,umgebaut ,
bücher verstaut,nschrank+gottseidank immer mal wieder
lesebrüder beim bier zum lesen so kaum noch zeit,
aber bücher für späte zeit.......und nu wieder n ofen
zwegen n ölpreis,also wieder kohln koofen??
2. jan 01.05.2008 22:28h
beim heine lesen am ofen isses schöner fleetmarker holz zu koofen !
Gruß vom schlechten Schüler

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