11.04.2008
Karl MayNach dem Scheitern der Verhandlungen um Karl Mays Nachlass
Der Bamberger Karl May-Verleger Lothar Schmid hat das vorgestern veröffentlichte sächsische Angebot in Höhe von stolzen 3,5 Millionen Euro brüskiert zurückgewiesen. Es ist unwahrscheinlich, dass Sachsen noch einmal 'nachlegt'. Auch die Errichtung einer Stiftung, von Staatsministerin Eva-Maria Stange (SPD) ins Spiel gebracht, lehnt Schmid ab.
Wie geht es weiter? Das ist ungewiss. Verkauf oder Versteigerung des Nachlasses, der momentan im Keller des Bamberger Verlagshauses aufbewahrt wird, stehen seit Wochen als Optionen im Raum. Spezialisierte Auktionshäuser, die eine solche anspruchsvolle Versteigerung organisieren könnten, gibt es in Deutschland mehrere. Das renommierte Unternehmen Hartung & Hartung in München, dessen 7 Millionen-Schätzung jüngst vielfach genannt wurde, wäre nur eines davon. Und vielleicht könnte eine Versteigerung des Materials – anders als nun in vielen Medienberichten dargestellt – für Sachsen der Königsweg aus der verfahrenen Lage sein. Eine öffentliche Auktion, die ja mit einer genauen Katalogisierung des Nachlasses einherginge, böte die Möglichkeit, erstmals in dem seit Jahren schwelenden und jetzt eskalierten Konflikt eine echte Marktsituation herbeizuführen. Dann könnte sich zeigen, welchen Wert Karl May tatsächlich hat. Schätzungen, das hat sich in diesem Fall deutlich gezeigt, bleiben zu abstrakt, wenn die Vergleichsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind (der von Schmid in Interviews mehrfach geäußerte Vergleich Karl Mays mit Franz Kafka und James Joyce, der die Forderung von 15 Millionen Euro rechtfertigen soll, wird als kuriose Randnote in Erinnerung bleiben). Und für den Freistaat ergäbe sich auf einer Auktion die Chance, gezielt auf besonders interessante und historisch wichtige Partien des Nachlasses zu bieten. Nicht ausgeschlossen, dass es bei entsprechender Vorbereitung gelänge, für die von Lothar Schmid jetzt als Kaufpreis zurückgewiesenen 3,5 Millionen Euro große Teile des Angebots zu erwerben. Dagegen dürfte für Schmid bereits die Aushandlung der Versteigerungsbedingungen schwierig genug werden. Ein weiteres Handicap: der Nachlass ist seit März als 'deutsches Kulturgut’ gegen eine Ausfuhr ins Ausland geschützt. Das – aus meiner Sicht: erhebliche und kaum kalkulierbare – Risiko einer Versteigerung läge allein auf der Seite des Einlieferers.
- Sachsen legt neues Angebot für Karl May-Nachlass vor [09.04.2008]
- Sachsen kündigt neues Angebot für Karl-May-Nachlass an [08.04.2008]
- Halbierung des Karl May-Nachlasses? [07.04.2008]
- Streit um Karl May-Nachlass 2 [26.03.2008]
- Streit um Karl May-Nachlass [23.03.2008]
[...] Tags: Karl May, Lothar Schmid

3 Kommentare
Deswegen wurden wohl die beiden anderen Nachrichten für gewöhnliche Kommentare gesperrt.
Hingegen bietet Herr Graf wohlmeinenden, befolgenswerten Rat in seinem obigen, Nr. 2, Kommentar.
Freundliche Grüße, L.
"vermeintliche Tatsachen zu verbreiten, deren Wahrheitsgehalt wir nicht überprüfen können"
Das ist das hier übliche verquaste Deutsch.
Niemand verlangt von irgendeiner Redaktion, daß sie die in Kommentaren Fremder vertretenen Meinungen auf deren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Wider Beleidigungen, Tatsachenverdrehungen, und was dergleichen Weiteres so anfallen könnte, gibt es die feinen Mittel der Gegendarstellung, auch der Klage. Doch Beleidigendes ließ sich lange Zeit im nun Inkriminierten wohl nicht auffinden, nur "vermeintliche Tatsachen" eben.
Nun wissen wir, daß ein Verleger hier anders bewertet wird als ein Antiquar - und daß es einiger Zeit bedurfte, bis dieser Groschen endlich gefallen ist.
Ergo, liebe Redaktion, schalten sie die Kommentarfunktion hier grundsätzlich aus, sonst dekouvrieren sie sich selbst in dem, was erlaubterweise angreifbar verbleibt (ich will keine Beispiele anführen) - und dem was nicht.
Freundliche Grüße, L.