HINTERGRUND BRANCHEN-MONITOR BUCH

17.04.2008

Starke Abweichungen

Das Umsatzpanel weist für den Buchhandel im März ein Plus von 3,5 Prozent aus. Andere Erhebungen trüben das Bild ein.

Der Umsatzanstieg im Buchhandel setzt sich fort: Auch der letzte Monat des ersten Quartals endete mit einem veritablen Plus. Die Vertriebswege Sortiment, E-Commerce und Warenhäuser haben beim Barumsatz im Vorjahresvergleich Mehreinnahmen von 3,5 Prozent erzielt.
Das geht aus den Berechnungen von Media Con­trol GfK International hervor, die im Auftrag des Börsenvereins erhoben werden. Weil Ostern bereits im März lag, hatte der Monat zwar drei Verkaufstage weniger als 2007. Offensichtlich aber waren Bücher ein beliebtes Ostergeschenk – so zumindest kann das erfreuliche Ergebnis gedeutet werden. Für die ersten drei Monate ergibt sich ein Plus von 3,8 Prozent.
Weniger rasant entwickelten sich die März-Umsätze im Sortiment. Für sich betrachtet konnte dieser Vertriebsweg lediglich um 0,7 Prozent zulegen. Auch die Quartalsbilanz kommt mit den Werten der Branche nicht mit: Die stationären Buchhändler müssen sich mit einem Umsatzzuwachs von 1,2 Prozent begnügen.
Bei den Editionsformen haben sich – über alle Absatzkanäle hinweg – die Hard- und Softcover sichtlich besser verkauft als im März 2007: Die Steigerung lag bei 3,8 Prozent. Die Leser gönnen sich also auch weiterhin höherpreisige Bücher. Bei den Taschenbüchern ging es mit 1,6 Prozent nur leicht aufwärts. Im grünen Bereich, aber weit entfernt von den einstigen Zuwachsraten, befinden sich die Audiobooks (plus 8,9 Prozent).
Beste Warengruppe waren erneut die Kinder- und Jugendbücher mit einer Umsatzsteigerung von 27 Prozent. Noch immer gibt es zahlreiche starke Titel, die dieses Segment weiter beflügeln. Kräftig zulegen konnten auch belletristische Bücher, die es auf eine Steigerung von 14,8 Prozent gebracht haben. Zu den Verlierern im Warengruppen-Ranking gehören die Reisebücher mit minus 12,1 Prozent. Die Messlatte, die seit fast zwei Jahren durch Hape Kerkelings Bestseller »Ich bin dann mal weg« (Malik) sehr hoch liegt, ist immer schwerer zu nehmen. Den größten Einbruch verzeichneten Sozialwissenschaften, Recht und Wirtschaft (minus 15,2 Prozent).
Zum Abschluss des ersten Quartals haben sich die Marktforscher näher mit den Audiobooks befasst. Von Januar bis März sind die Umsätze mit Hörbüchern im Vorjahresvergleich um 13,04 Prozent nach oben gegangen (siehe Tabelle rechts unten). Damit hat das Segment mittlerweile einen Anteil von 5,02 Prozent am gesamten Buchmarkt.
Das stärkste Wachstum verbuchen die Kinder- und Jugendhörbücher, die mehr als 45 Prozent hinzugewinnen konnten. Nach der Belletristik mit einem Marktanteil von 37,2 Prozent sind sie mit einem Wert von 36,38 Prozent zweitstärkstes Segment.
Auch die Ratgeber befinden sich mit einem Plus von 35,16 Prozent auf dem Weg nach oben, ebenso wie Geisteswissenschaften, Kunst und Musik (plus 28,73 Prozent). Fast ein Viertel ihres Umsatzes verloren haben dagegen das Segment Schule und Lernen (Marktanteil 6,33 Prozent) sowie die Audiobooks zum?Thema Reise (Marktanteil 2,29 Prozent).
Bestverkauftes Hörbuch war Hape Kerkelings »Ich bin dann mal weg« (Roof Music), danach folgte »Harry Potter und die Heiligtümer des Todes« (Joanne K. Rowling, Der Hörverlag). Der dritte Platz geht an Ken Follett und »Die Tore der Welt« (Lübbe).

Die IfH-Zahlen sind weniger rosig

Quartalszahlen für das mittelständische Sortiment meldet auch das Institut für Handelsforschung (IfH) an der Universität in Köln. Und die sehen alles andere als rosig aus. Für März verbuchten die rund 100 Teilnehmer am monatlichen Betriebsvergleich, den das IfH im Auftrag des Börsenvereins durchführt, einen Umsatzverlust von fünf Prozent. Dieser Wert verhagelt das bisher positive Dreimonats-Resultat: Unveränderte Umsätze im Vorjahresvergleich heißt es nun.
Eine negative Umsatzentwicklung wird den Buchhändlern für März gleichermaßen bei der Trenderhebung von Langendorfs Dienst bescheinigt. Demnach sind die Umsätze der 61 teilnehmenden Buchhandlungen im März um 2,8 Prozent hinter denen des Vorjahres zurückgeblieben. Wie Boris Langendorf in seiner Analyse schreibt, liege das nicht an den Barumsätzen – diese würden sich nahezu auf Vorjahreshöhe bewegen, vor allem dank einiger Bestseller, die pünktlich zu Ostern auf den Markt gekommen seien. Das Rechnungsgeschäft allerdings hat den März laut Langendorf mit einem Minus von 9,5 Prozent abgeschlossen. Sein Quartalsfazit von Januar bis März: ein Umsatzvorsprung von einem Prozent.
Der Umsatztrend des »Buchreports« kommt dagegen auf schwarze Zahlen für den Buchhandel. Die 350 stationären Buchhändler des Panels haben der Erhebung zufolge im März 3,1 Prozent mehr umgesetzt als im Vorjahresmonat. Der Absatz sei um 2,4 Prozent gestiegen. Das erste Quartal endet auf »Buchreport«-Basis dennoch mit einem Minus von einem Prozent.

Umsatzveränderung:

März 2008 im Vergleich zum Vorjahresmonat: 3,5 Prozent
2008 kumuliert: 3,8 Prozent

Christina Schulte

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