25.04.2008
Autor: Ronald Schild: MVB-Geschäftsführer
Rubrik: E-Commerce
 

Das Zeitalter des E-Commerce

Ronald Schild© Nicole Hoehne

Das Digitalisierungsfieber, das bei der London Book Fair fast körperlich spürbar war, hat auch die deutsche Buchbranche erfasst. In dieser Woche haben die Fachausschüsse des Börsenvereins in Frankfurt getagt: Sowohl Sortimenter als auch Verleger haben diesem Thema mit den größten Raum eingeräumt.

Die Sortimenter zeigten sich überzeugt von den Recherche- und Präsentationsmöglichkeiten von Plattformen wie libreka!. Sehr kontrovers diskutiert wurde hingegen, wie genau der Vertrieb von elektronischen Inhalten organisiert sein soll. Reicht eine technische Plattform, die lediglich den Hintergrund für einzelne Websites von Buchhandlungen bildet? Oder muss man das Angebot bündeln, als Gegengewicht zu den großen Online-Playern, so wie es bei libreka! der Fall ist?

Genau letzteres fordern die Verlage, die ein enormes Potential im Vertrieb von E-Content sehen, aber auch sehr konkret eine Monopolbildung befürchten. In der Diskussion zeigte sich zudem, dass bei den Verlagen in Sachen E-Commerce durchaus Handlungsbedarf besteht: Von der Datenaufbereitung über die Rechteklärung bis hin zur Preisfindung sind bei den Verlagen noch viele Fragen offen.

Die Zeit wird knapp: Das Zeitfenster, um die vielfältigen Strukturen des Buchhandels auf den E-Content-Markt zu übertragen, könnte sich schnell schließen. Die Gefahr, dass große Online-Player den Markt monopolisieren wächst umso mehr, je länger Verlage und Sortimenter brauchen, um eigene Angebote an den Start zu bringen.

Was meinen Sie? Ich freue mich auf Ihre Diskussionsbeiträge.

Ihr Ronald Schild

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2 Kommentare

1. Philipp Dudda03.05.2008 14:31hhttp://www.philippd.de

Hallo Herr Schild,

ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass sich im Bereich des E- Contents in den nächsten Jahren sehr viel bewegen wird. Vor allem wird dies denke ich durch die Möglichkeiten verbesserter Lesegeräte (Stichwort: eInk / elektronisches Papier) ins Rollen geraten. Denn erst dadurch würde ich überhaupt auf die Idee kommen, längere Texte nicht mehr in gedruckter Form zu lesen.
Die bisher auf dem Markt befindlichen Geräte von iRex, Sony und Amazon sind meiner Meinung nach noch zu teuer und noch nicht bis ins Detail ausgereift. Das wird sich aber denke ich mit der nächsten Generation von diesen ändern.
Um es beim Namen zu nennen: Amazon entwickelt ja bereits eine verbesserte Version des Kindle Readers und führt bereits Gespräche mit europäischen Moilfunkanbietern. Wenn dieser erst einmal in Europa auf den Markt kommt, sieht es für die Konkurrenz nach dem heutigen Stand denke ich nicht besonders gut aus. Amazon verfügt über große Marktmacht im Onlinebuchhandel, das Mobipocket Format, durch welches zuverlässiges DRM möglich ist und befindet sich in einer guten Position für Verhandlungen mit Verlagen. Man sollte auch nicht vergessen, dass eBooks nicht preisgebunden sind…
Möchte man später als Mitbewerber nicht hinterherlaufen, sollte man denke ich jetzt versuchen, mit einem der übrigen führenden Anbieter von Lesegeräten ins Gespräch zu kommen und zusammen mit einem Mobilfunkanbieter einen ähnlich einfachen Onlinestore realisieren. In Italien befindet sich ja bereits ein Projekt von Orange in Kooperation mit iRex in der Testphase.
Wie schnell sich ein Wandel zu so einer neuen Technologie vollziehen kann, zeigen Musikabspielgeräte und entsprechende legale Downloadplattformen wie Musicload oder Napster.
Die entscheidende Frage ist wohl, wie genau eine Vertriebsstruktur für eBooks aussehen wird. Im Fall von Amazon kann man denke ich mit Sicherheit sagen, dass hier direkt von den Verlagen ein- und an den Endkunden verkauft wird. Bei anderen Händlern sind eventuell Partnermodelle möglich, sodass der Sortimenter ohne den Aufbau eines komplett eigenen Onlinestores an dem Markt partizipieren könnte.
Ich denke aber auch, dass „Bücher“ durch die Verknüpfung mit dem Internet interaktiver werden könnten. Gerade bei Nachschlagewerken stelle ich mir eine Art Abo- Modell vor, durch das man ständig die aktuellste Version in den Händen hält – und nicht auf die Veröffentlichung einer neuen „Ausgabe“ warten muss.
Für Schulen, Universitäten und Unternehmen könnte man interessante Lizenzmodelle entwickeln.
Ich bin gespannt auf weitere Kommentare und darauf, wie es weitergeht.

Gruß
Philipp Dudda

2. Johannes F. Woll08.05.2008 16:59hwww.schweizer-degen.com

Die Digitalisierung von Inhalten ist nur der eine Teil der großen Aufgabe, die medienübergreifende Mittlung der Inhalte der viel komplexere Teil. Paradigmenwechsel ist heute ein fast euphemistischer Begriff für den radikalen Wandel, der sich eben vollzieht: Der so genannte herstellende Buchhandel wird die Inhalte selber verbreiten. Der stationäre Buchhandel hat keine Zukunft. Entweder macht er tatsächlich mobil und bringt den Lesegenuss oder die Information als Erlebnis zu den Nutzern, oder er stellt sich viel breiter auf und bündelt Produkte. Kurzum: Überleben mittels Produktdiversifikation oder Serviceorientierung. Und das gilt natürlich auch für die Verlage. Und in Konsequenz auch deren Dienstleister und Lieferanten, die Grafische Industrie. Oder um York von Heimburg zu zitieren: »Im Verlagsgewerbe wird in den nächsten Jahren kein Stein mehr auf dem anderen passen. Viele tradierte Businessmodelle werden [...] zusammenbrechen.«

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