30.04.2008
KommentarMarktdaten versus gefühlte Konzentration
Der Filialist darf wie gewünscht die Buch Kaiser Gruppe in Karlsruhe übernehmen.
Auf stolze 6200 Quadratmeter Buchhandelsfläche – verteilt auf drei Geschäfte – bringen es die Hagener nun in Karlsruhe. Eine Menge Holz. Aber offensichtlich nicht genug, um eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen, die ab einem Marktanteil von 33,3 Prozent vermutet wird.
Leicht gemacht haben sich die Wettbewerbshüter ihre Entscheidung offensichtlich nicht. Sie prüften vertieft und konnten aus wettbewerbsrechtlicher Sicht nichts erkennen, was Einwände gerechtfertigt hätte.
Für die Buchhändler vor Ort, die von drei Thalia-Läden umgeben sind, wird sich die Situation allerdings ganz anders darstellen. Die von ihnen gefühlte Konzentration dürfte deutlich über dem liegen, was durch Zahlen belegt werden kann.
Nach der Thalia-Entscheidung liegen dem Kartellamt erst einmal keine weiteren Zusammenschlussvorhaben aus der Branche vor. Es dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis die Hagener Buchhandelskette, die DBH oder andere Filialisten wieder bei der Bonner Behörde vorstellig werden.
Christina Schulte
- Thalia darf Buch Kaiser übernehmen [30.04.2008]
[...] Tags: Thalia, Buch Kaiser




3 Kommentar/e
So wird es diesmal auch gewesen sein.
Das hieße das die Unabhängigen Buchhändler sich selbst in das Bein schießen wenn sie den Mund nicht aufmachen, vielleicht können die Kollegen die Gefahr die von den Filialisten ausgeht auch nicht quantifizieren. Wer weiß, das Kartellamt hüllt sich in Schweigen keine Zahlen etc..
Ein bitterer Geschmack bleibt bei dieser Meldung nicht aus, denn am Ende sorgen die Kollegen fast selbst dafür aus dem Markt gedrängt zu werden.
Und da hilft auch nicht regelmäßig die Blumen im Laden auszuwechseln wie die AKS vorschlägt. Lächerlich.
Zitat: "Auf stolze 6200 Quadratmeter Buchhandelsfläche [..] bringen es die Hagener [....] offensichtlich nicht genug, um eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen, die ab einem Marktanteil von 33,3 Prozent vermutet wird."
Aha. Taschenrechner raus: je 10.000 EW haben wir ein 'normale' Buchhandlung, ca. 400-500.000 € Umsatz. Oder so: 3,5 Mrd Umsatz im Sortiment / 80 Mio EW - da kommt fast dasselbe bei heraus. Für Karlsruhe (286 Tsd EW) also etwa 12 Mio €. Und dann noch das Umland, das Einzugsgebiet - nochmals 12 Mio?? Das scheint viel. Das wären dann 24 Mio € für KA gesamt. 6000 qm x 3.000 € (das sollte Thalia schon schaffen, im Mittel liegt der Wert wohl eher bei 3.500), das macht 18 Mio €. Das wären aber 75% vom obigen 24 Mio Wert. Und es müssten schon mind. 3 Umlandkäufer auf einen Karlsruher kommen, in KA also echte 48 Mio umgesetzt werden, damit 18 Mio so etwas wie 33% werden. Entweder stimmt das mit der 33%-Regel nicht - oder der Taschenrechner der Bonner war kaputt.
mfG LB
da kann ich den Karlsruher Lesern nur gratulieren - 6200 qm voll mit Büchern, Medien und Zusatzsortimenten. Und das alles angereichert mit kompetenten Buchhändlern und einem schönen Ambiente.
Und wieder regen sich alle über Thalia auf - wir haben es hier mit einem ganz normalen marktwirtschaftlichen Konzentrationsprozess zu tun. Andere Branchen haben den schon hinter sich, wir stecken mitten drin. Also was soll dieses ewige Gejammere? Wieso sollte denn der Staat in Form seiner Behörden diese Entwicklung derzeit stoppen? Eine Literaturversorgung der Bevölkerung ist in diesem Fall ja wohl gegeben. Und da es sich um eine Markwirtschaft und keine Planwirtschaft in unserem Lande handelt, ist hier kein Eingreifen im großen Stil erforderlich. Und noch eins - unbestritten ist, dass der Wettbewerb härter wird (vor allem für die unabhängigen Kollegen), aber Thalia übernimmt hier eine Buchhandlung und führt Sie weiter - sie wird nicht geschlossen.
Mfg
PS: Ich freue mich auf eine weitere angeregte Diskussion.