13.05.2008
Leser-Mail"So läuft das nicht!"
Der Börsenverein gibt als MVB in Zusammenarbeit mit der avj die "Bücherbox" heraus. Es ist ein durchaus lobenswertes Unterfangen, dem Buchhandel damit ein umfassendes und ansprechend gestaltetes Kundenmagazin für den Bereich Kinder- und Jugendbücher an die Hand zu geben. Allerdings ist es völlig unverständlich und sogar widersinnig, wenn dort buchhandelsfeindliche Unternehmen ihre Werbeplattform finden. So geschehen in der Ausgabe 2008, in der auf der 3.Umschlagseite in der Anzeige der Finken Verlag GmbH aus Oberursel sogar zu lesen ist: "LOGICO gibt es nur direkt beim Verlag. Nicht im Handel erhältlich".
Der gutgläubige Buchhändler möchte seinen Kunden - für sie kostenlos - Kaufempfehlungen andienen und erwirbt dazu gegen Euro diese Magazine. Nun kann es nicht sein, dass er mit seinem guten Geld Werbung gegen den Buchhandel unterstützt! Dieser Widersinn müsste sogar dem Herausgeber auffallen und er dergleichen sofort unterbinden. Mitnichten! Die zuständige Stelle bei Börsenverein/MVG/avj bedauert diesen Zustand, sieht aber keine Möglichkeit - und wohl eher keine Notwendigkeit -, derlei Unsinn für die Zukunft zu verhindern.
Dabei wäre eine Ausschlussklausel z.B. bei Nichtlieferung über den Handel u.ä. ein klares Signal für die Positionierung der "Bücherbox", die ansonsten nach der gelungenen Überarbeitung einen guten Eindruck macht.
Für uns und für ähnlich denkende Buchhändler stellt die Haltung des Herausgebers (Börsenverein) einen Affront dar. Hier soll der Buchhändler offenbar als dummer August buchhandelsfeindliche Werbung bezahlen und an seine Kunden transportieren - so läuft das nicht!
Hans - Henning Orthey, Buchhandlung am Markt, Lüneburg
[...] Tags: Bücherbox, Leser-Mail


15 Kommentare
Das der Finken Verlag solch eine Anzeige schalten darf halte ich für eine Unverschämtheit und wie Herr Orthey schon sagte einen Affront gegenüber Buchhändlern, oder wird demnächst Real Anzeigen schalten? Aldi?
Konsequenterweise sollte man in Anzeigen die Nennung der Verlagshomepage und anderer Informationen untersagen, die es dem Kunden ermöglichen würden, unter Umgehung des Buchhandels zu seinem Produkt zu kommen.
eingeführtes und gut laufendes Produkt nicht mehr verkaufen durften. Uns wurde lapidar mitgeteilt, dass die Einführung in den Buchhandel nicht geklappt hätte, da nur 80 Buchhandlungen in Deutschland Logico führen würden.
Natürlich ergibt sich die Frage, warum nicht wenigstens diese 80 weiter beliefert wurden.
Seitdem gehört für mich der Gang zum Finken-Verlag bei jedem Buchmessenbesuch dazu, doch leider wurde bis jetzt auch dort jede "Gesprächssuche" durch ein konsequentes Nein verhindert.
Ich bin nur froh, die Bücherbox bis jetzt nicht abonniert zu haben und werde es auch ganz bestimmt nicht in Zukunft tun.
das Gespräch mit dem Verlag zu suchen, dürfte ziemlich ineffektiv sein, denn der hat ja den ehemals funktionierenden Bezug via Sortiment von sich aus beendet. Auch wir haben früher für Kunden regelmäßig die berüchtigten "Finken-Mappen" bestellt und sogar anstandslos bezahlt. Bis wir die Kunden irgendwann an den Verlag abtreten mussten. Da hätte ich auch keine Lust, noch Werbung für zu machen, und schon gar nicht, diese mit zu finanzieren.
Schade eigentlich, ich hatte gerade erwogen, das Heft einzusetzen. (@Frau Hinze (4.): Schicken Sie mir trotzdem ein Probeheft?Danke)
Schlimm ist, dass sich Trittbrettfahrer irgendwie hintenrum des Börsenvereines bedienen können.
Alle, die diese Handlungsweise nicht unterstützen tun sehr recht!
Ihre Erklärung ist meiner Ansicht nach so nicht in Ordnung. Ich kann dem Kollegen Schaten & Schulz nur beipflichten.
Mit Hinweis auf die Finanzierbarkeit und Ihrem Verständniss ist dem Buchhändler überhaupt nicht geholfen. Ich denke die paar Antworten die Sie heute erhalten haben machen Ihnen das auch klar.
Wäre schön wenn andere Kollegen Ihren Bezug bis auf weiteres Stornieren, damit sich so ein Verhalten erst gar nicht etabliert.
Meinerseits wäre die Gretchenfrage aller Dinge: "Egal ob avj-angeschlossene Verlage oder nicht: Wäre es dann nicht an der Zeit die "bücherbox" ERHEBLICH günstiger, wenn nicht gleich kostenlos an die Buchhandlungen abzugeben? Schließlich bilden sich die Verlage in dieser Publikation mit ihren Erzeugnissen ab und wollen diese verkaufen!"
Natürlich, werden viele von Ihnen sagen, die "bücherbox" könnte ja auch als Verkaufsinstrument für die jeweiigen Buchhändler gesehen werden.
Allein 500 Exemplare schlagen schließlich schon mit 185,-- € netto zu Buche. Weil um ehrlich zu sein. Mit dem o.g. Budget gestaltet man locker zwei wunderschöne Lesenachmittage, -nächte für Kinder und Jugendliche und hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Nüchtern betrachtet handelt es sich bei "bücherbox" um einen Verkaufskatalog der Verlage. So sollte meines Erachtens einem breiteren Publikum zu einem weitaus günstigeren Preis, die Möglichkeit zur Multiplikation gegeben werden. Gleiches gilt auch für die Flyer zu Leseförderung oder sonstige Aktionen.
Ob nun ein Verlag Mitglied im avj ist oder nicht ist eher eine betriebswirtschaftliche Frage, die ich nicht beantworten kann. Nichtmitglieder könnten ja erhöhte Anzeigenpreise zahlen.
In meiner kleinen Buchhändlerwelt war die "bücherbox" aufgrund der Hochpreisigkeit und Untragbarkeit im täglichen "Mitgabegeschäft" einfach nicht finanzierbar und betriebswirtschaftlich nicht tragbar. Die Endfrage ist: Wer will/soll mit der "bücherbox" erreicht werden. Buchhandlungen oder der Endkunde? Den mehreren Stornierungsaufrufen widerspreche ich jedoch nicht. Für mich halte ich eher fest: "Momentan aufgrund der Preisgestaltung nicht machbar!"
Jörg Jahn-Meyer
Inhaber The Book Buchhandlung Stolzenau
Inhaber The Book Buchhandlung Liebenau
Die Verbandsgremien würden sich dann nur noch damit befassen, was erlaubt ist und wen man zur Disziplinierung von abweichendem Verhalten ausschließen soll.
Das anhand der Bücherbox geschilderte Problem löst doch der Markt besser: wer sich über diese Anzeige ärgert, bezieht die Kundenzeitschrift nicht. Und dann ist es eine einfache Kalkulation für den Herausgeber, ob einem die Anzeige wichtiger ist, oder die Abnehmer. Wenn die Sortimenter als Abnehmer für die Exemplare nichts zahlen müssen, dann geht die Kalkulation immer zu Gunsten des Anzeigenkunden aus. Je stärker die Finanzierung durchs Sortiment, desto stärker natürlich auch die Einflussmöglichkeit auf den Inhalt.
Als Zeitschriftenverlag muss man immer mit dem Konflikt von Leser- und Inserenteninteressen umgehen. Das ist eben Alltag.
selbstverständlich erhalten Sie ein Probeexemplar, es ist schon unterwegs.
Liebes Forum,
ich komme nicht umhin, mich über all Ihre Kommentare deshalb zu freuen, weil es doch zeigt, dass Sie sehr engagiert und mit scharfem Blick agieren. Dafür vielen Dank! Dass Ihnen mit dem Verweis auf die Finanzierbarkeit der Bücherbox nicht geholfen ist, versteht sich von selbst, aber die Frage nach der Finanzierung ist nun einmal eine entscheidende, das wissen Sie alle. Über Ihre Anregungen, die per se gute Idee eines Magazins wie der Bücherbox (dies zumindest deute ich aus Ihren Kommentaren) zu optimieren, freue ich mich sehr! Bitte mailen Sie mir doch dazu: adrienne.hinze@boev.de.
Ihr Vorschlag verwundert mich doch ein wenig. Geht er doch an der Problematik vorbei. Oder soll der Anzeigenpreis für Buchhandelsverweigerer so abschreckend hoch sein, dass diese von einer Schaltung absehen?
Dass kann und sollte nicht der Weg sein.
Ich bin überzeugt, dass die Bücherbox wesentlich interessanter für Verlage wird, wenn die Zahl der Auslagestellen und dadurch die verbreitete Auflage steigt.
Dies erreicht man dadurch, dass das Objekt für den Buchhändler interessant wird. Im Moment ist es das nicht.
Es kann doch nicht sein das Buchhändler dieses Verhalten der Bücherbox & Frau Hinze hinnehmen müssen mit dem Hinweis der Finanzierbarkeit!