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18.06.2008

Ralf Müller© privat
Interview

"Ein Zukunftsmarkt, in den wir investieren wollen"

Wie gestern gemeldet, will Droemer Knaur ab Herbst 2008 alle Novitäten aus seinen Programmen sowohl in einer gedruckten Ausgabe als auch in einer E-Book-Version herausbringen. boersenblatt.net sprach mit Ralf Müller, verantwortlicher Geschäftsführer der Verlagsgruppe Droemer Knaur für New Media.

Warum starten Sie Ihr E-Book-Angebot jetzt? Ist der Markt in Deutschland reif?

Müller: Wir sehen im E-Book-Markt einen Zukunftsmarkt, in den wir frühzeitig investieren möchten. Der deutsche E-Book-Handel – ins-besondere für belletristische Titel – ist noch sehr überschaubar und ohne entsprechende Geräte für Endkunden sicher als frühreif zu bezeichnen. Dies gilt aber für viele digitale Märkte.

Hat Sie der Erfolg des Kindle in den USA in Ihrer Entscheidung bestärkt?

Müller: In den Vereinigten Staaten kann man sehr schön beobachten, wie der E-Book-Markt im ersten Quartal 2008 auch in der Belletristik nachhaltig an Substanz gewonnen hat. Wir wollen unsere Inhalte bis zum Ende dieses Jahres komplett in den gängigen eBook-Formaten verfügbar haben. Es liegt dann am Handel, den Endkundenmarkt in Deutschland zu entwickeln. Wir glauben nicht, dass sich durch das E?Book die Vertriebsstrukturen verändern werden. Verlage werden – wie bisher auch – in sehr begrenztem Umfang Direktgeschäfte machen. Das ist aber nicht unsere Kernkompetenz und würde uns als Verlag auch überfordern, da gibt es andere, die das besser können.

Wie sieht die Preisgestaltung aus? Werden Sie die Preise für Hardcover- und Taschenbuchausgaben unterbieten, um Kunden auf die E-Book-Seite zu locken?

Müller: E-Books sind nicht preisgebunden, insofern können wir nur eine Preisempfehlung geben oder auf unseren Websites die Preise so gestalten, dass wir die elektronischen Titel mit einem Rabatt von bis zu 20 Prozent gegen­über den gedruckten Ausgaben anbieten können.

[...] Tags: E-Book, Droemer Knaur

2 Kommentare

1. Katharina L. 18.06.2008 10:09h
Ich finde die Idee super! Jeder Verlag sollte eigene Erfahrungen mit den Neuen Medien sammeln. Wenn die eBooks gut ankommen - umso besser. Wenn nicht, wird das Angebot eben wieder eingestellt. So hoch dürften die "Herstellungskosten" nicht sein, da die Setzereien ohnehin meist Druck-PDFs erstellen, die dann nur noch für die Leser aufbereitet werden müssen. Also wenig Aufwand und hoher Nutzen, sofern der Verkauf läuft - ist doch in Ordnung.
2. Wolfgang Tischer 18.06.2008 17:09h http://www.literaturcafe.de
Droemer Knaur macht einen Schritt in die richtige Richtung, den früher oder später einige Verlage gehen werden oder gehen müssen.

Mehr als ein Versuchsballon ist das eBook-Portal des Verlags bislang jedoch nicht. Das eingesetzte und in den Rechten beschränkte PDF-Format kann weder auf dem iPhone noch auf anderen Geräten gelesen werden. Dabei wäre gerade dort die Lektüre interessant.

Ebenso zeigt unser Kurztest auf literaturcafe.de gravierende Mängel beim Umgang mit Kundendaten. So einfach der Download auch ist: sensible Kreditkarteninfos und Kontodaten werden unverschlüsselt übertragen.

Der praktische Nutzen der eBooks im PDF-Format hält sich also derzeit noch in Grenzen.

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